Anzeige

Gosens: Schalke macht keinen Sinn

Gosens: Schalke macht keinen Sinn

Robin Gosens überragt beim 0:2-Auswärtssieg von Atalanta Bergamo in Liverpool. Der 26-jährige hat mit den Italienern Geschichte geschrieben, kämpft um ein EM-Ticket und plant eine Rückkehr in die Bundesliga.
Robin Gosens verrät im SPORT1-Interview, dass er unbedingt in der Bundesliga spielen möchte und was er nach der Karriere plant.
Florian Plettenberg
von Florian Plettenberg
26.11.2020 | 15:57 Uhr

So geht Sensation auf Italienisch.

Atalanta Bergamo hat am vierten Spieltag der Champions League den FC Liverpool an der Anfield Road bezwungen und hat alle Chancen auf das Erreichen des Achtelfinals. Für die Elf von Jürgen Klopp war es die erste Heimpleite seit zwei Jahren. Überragender Mann auf dem Platz: Robin Gosens. (Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Der 26-Jährige traf aus kurzer Distanz erstmals in der laufenden Königsklassen-Saison und spielte auf der linken Außenbahn bärenstark. Bundestrainer Joachim Löw wird diese Leistung nicht entgangen sein, zumal Gosens auf der linken DFB-Seite als Topfavorit für ein EM-Ticket gilt. Bei SPORT1 spricht Liverpool-Bezwinger über den Anfield-Coup, Atalanta, die Bundesliga und Schalke.

SPORT1: Herr Gosens, Tor in Liverpool, 2:0-Auswärtssieg. Hätte nicht besser laufen können, oder?

ROBIN GOSENS: Stimmt, das war eine spezielle Nacht, die ich nicht mehr vergessen werde. Es war immer ein Traum von mir, an der Anfield Road zu spielen. Wenn man 2:0 gegen Liverpool gewinnt und selbst noch in seinem Traumstadion trifft, dann geht nicht mehr. Ich wurde sogar zum "Man of the match" gekürt. Sportlich war es ein Highlight in meiner Karriere. Schade, dass keine Fans im Stadion waren.

SPORT1: Was bedeutet dieser Sieg für Atalanta Bergamo?

GOSENS: Für die Stadt und die Fans von Atalanta war das ein großer Moment in der Geschichte des Vereins. Liverpool war zu Hause 64 Spiele ungeschlagen. Dann kommen wir und gewinnen. Wir haben es tatsächlich geschafft, Liverpool zu Hause zu besiegen. Wir haben Geschichte geschrieben.

27 Millionen wert? Gosens: "Nicht greifbar"

SPORT1: Laut transfermarkt.de sind Sie aufgrund Ihrer Leistungen bei Atalanta 27 Millionen Euro wert. Wie denken Sie darüber?

GOSENS: Das ist für mich nicht greifbar und wird es nie sein. Wir Spieler sind zwar Objekte, die einen gewissen Wert haben. Ich habe aber große Schwierigkeiten damit, 27 Millionen Euro wert zu sein. Wie rechtfertige ich das? Ich kann vielleicht ein bisschen kicken, dennoch ist kein Mensch mehr wert als der andere. (Tabelle der Champions League)

SPORT1: In Bergamo sind Sie ein Star, wirken aber total bescheiden. Wie gehen Sie mit Ihrem Verdienst um?

GOSENS: Ich bin mir bewusst, dass ich ein total privilegiertes Leben führe. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit meinem Verdienst gewisse Zukunftssorgen lösen und ein unbeschwertes Leben führen kann. Ich gehe aber nicht in einen Laden rein und kaufe das Teuerste, damit ich es habe. Ich bin als ganz normaler Junge groß geworden. Ich habe Zeitungen ausgetragen und an einer Tankstelle für sieben Euro die Stunde gearbeitet. So viel Geld zu verdienen, ist daher nicht normal für mich, weil ich die Gegenseite kenne. Wir müssen ehrlich sein: Mit 34 Jahren ist die Karriere vorbei. Dann kommen hoffentlich noch 50, 60 schöne Jahre in denen man mit dem Geld noch ein schönes Leben haben kann.

Bundesliga bleibt Traum

SPORT1: Ihr Vertrag bei Atalanta Bergamo läuft 2022 aus. Wohin geht die Reise?

GOSENS: Mein großer Traum ist die Bundesliga. Diesen möchte ich mir in meiner Karriere noch erfüllen. Diese Liga habe ich in meiner Kindheit immer am meisten verfolgt. Wann das passiert, weiß ich allerdings nicht. Es steht aber auf meiner mittelfristigen Bucket-List.

SPORT1: Sind Sie immer noch ein richtiger Schalke-Fan?

GOSENS: Früher war ich ein richtiger Fan. Als Profi ändern sich aber die Sichtweisen. Ich bin Sympathisant und freue mich enorm, wenn sie gewinnen. Es ist trotzdem nicht so, dass ich nachts nicht schlafen kann, wenn Schalke verliert.

Gosens leidet mit Schalke

SPORT1: Schauen Sie die Schalker Spiele in Italien?

GOSENS: Ja, sehr oft. Immer dann, wenn wir nicht spielen, setze ich mich tatsächlich vor den Fernseher und hoffe auf die Wende. Ich stelle es mir mental unglaublich schwierig vor, wenn du 24 Spiele nicht gewinnst und du schon mit dem Gefühl auf den Platz gehst: 'Boah scheiße, wie sollen wir jetzt dieses Spiel in 90 Minuten gewinnen?' Für den Verein ist das gerade eine riesengroße Herausforderung. Ich hoffe wöchentlich, dass sie das Ruder rumreißen.

SPORT1: Sie könnten sportlich helfen. Ist eine Rückkehr nach Schalke für Sie vorstellbar?

GOSENS: Es wäre überragend, wenn es der Herzensverein wird. Aus aktuellen sportlichen Anlässen macht es aber keinen Sinn. Das wäre kein Karriereschritt, der mich sportlich weiterbringt. So ehrlich muss ich leider Gottes sein. Das wird mir jeder Schalke-Fan nachsehen. Es kann daher ein anderer Verein als Schalke sein. Am wichtigsten ist mir, dass man dort von Anfang an einen klaren Plan mit mir hat. Wie bei Atalanta.