Einzelkritik: Müller versagen Nerven

Einzelkritik: Müller versagen Nerven

Deutschland scheidet im Achtelfinale der EM aus. Gegen England vergibt das DFB-Team zwei Großchancen und scheitert an einem effizienten Gegner. Die SPORT1-Einzelkritik.
Thomas Müller ist weiterhin ohne EM-Tor
Thomas Müller ist weiterhin ohne EM-Tor
© Imago
Florian Plettenberg
Patrick Berger
von Patrick Berger, Florian Plettenberg
am 30. Juni

Deutschland scheidet mit einer 0:2-Niederlage gegen England im Achtelfinale der EM aus. (Ergebnisse und Spielplan der EM)

Dabei vergibt das DFB-Team in der Offensive zwei entscheidende Großchancen und leistet am Ende zu wenig, um mit den effizienten Engländer mithalten zu können (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

Die SPORT1-Einzelkritik.

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MANUEL NEUER: Ein Nachmittag zum Vergessen für einen Torwart. Neuer hatte eigentlich nicht viel zu tun – und musste nach einer turbulenten Schlussphase trotzdem zwei Mal hinter sich greifen. An beiden Gegentoren machtlos! Der Welttorhüter hielt in der ersten Halbzeit gut gegen Raheem Sterling (16.). SPORT1-Note: 3

ROBIN GOSENS (bis 87.): Es war nicht sein Spiel. Weil England mit einer Fünferkette spielte, bekam der Held aus dem Portugal-Spiel kaum Platz zur Entfaltung. Blieb nach vorne total blass. Hinten machte es Gosens, der nach überstandenem Infekt ordentlich pumpte, dagegen okay. SPORT1-Note: 4

ANTONIO RÜDIGER: Meldete sich rechtzeitig fit und machte lange Zeit einen soliden Job. Beim entscheidenden Gegentor ließ er allerdings Torschütze Sterling sträflich aus den Augen. Auch beim 0:2 durch Kane hing er mit drin. Ganz bitter! SPORT1-Note: 5

Hummels' überragende Grätsche zu wenig

MATS HUMMELS: Der Weltmeister machte bis zur Schlussphase ein bockstarkes Spiel. Hummels hielt den Laden hinten dich, grätschte gut gegen Sterling (28.) und noch überragender gegen den einschussbereiten Kane (44.). Bei beiden Gegentreffern hing er aber mit drin. Vor dem entscheidenden 0:2 übte der Abwehrchef zu wenig Druck auf den ballführenden Shaw aus. Musste nach Abpfiff vom 14 Jahre jüngeren BVB-Kollegen Jude Bellingham getröstet werden. SPORT1-Note: 3

MATHIAS GINTER (bis 87.): Machte – wie schon gegen Frankreich und Portugal – ein richtig gutes Spiel. Der Gladbacher war in der Luft total stark und machte seine Sache gegen die pfeilschnellen Angreifer Sterling und Jack Grealish gut. Wurde aus taktischen Gründen ausgewechselt. SPORT1-Note: 3 (Ergebnisse und Spielplan der EM)

JOSHUA KIMMICH: Weinte nach dem Abpfiff bitterlich! Beide Gegentore fielen über seine Seite. Kimmich stand unter Dauerdruck und musste immer wieder Lösungen gegen die schnellen Bukayo Saka und Sterling finden. Das klappte leider nur bedingt. Der Bayern-Antreiber war defensiv derart gefordert, dass er nach vorne kaum Impulse setzen konnte. Den Kampf und die Einstellung konnte man ihm allerdings zu keiner Phase des Spiels absprechen. SPORT1-Note: 4,5

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TONI KROOS: Haben wir sein letztes Spiel im DFB-Trikot gesehen? Gut möglich, schließlich denkt Kroos über einen Rücktritt nach. In seinem (wohl) letzten Länderspiel forderte Kroos im Zentrum viele Bälle und scheute keinen Zweikampf. Der Real-Star fegte oft kompromisslos dazwischen. Hatte aber auch den einen oder anderen üblen Fehlpass drin – wie zum Beispiel in der 21. und 74. Minute. Wie schon in den Spielen zuvor hatte er keinen großen Einfluss im Spiel nach vorne. SPORT1-Note: 4

LEON GORETZKA: Ein belebendes Element im deutschen Spiel. Der Bayern-Star gab den ersten Torschuss des Spiels (4.) ab. Lief viel, nahm die englische Härte an und holte sich viele Bälle. Half auch hinten aus. Leider konnte er die bittere Pleite nicht verhindern. SPORT1-Note: 3

Werner und Müller vergeben Großchancen

KAI HAVERTZ: Wenn Deutschland mal gefährlich wurde, dann war Havertz beteiligt. Der Chelsea-Star hatte einige richtig gute Offensivaktionen. Immer in Bewegung und mit vielen guten Dribblings. Glänzte mit einem Sahne-Pass aus der Tiefe auf Chelsea-Kumpel Timo Werner (32.). Blieb leider aus einer aussichtsreichen Position per Freistoß in der Mauer hängen (8.). SPORT1-Note: 2

TIMO WERNER (bis 68.): Rutschte überraschend für Serge Gnabry in die Startelf. Der Wahl-Londoner fand zu keiner Zeit ins Spiel. Hatte die dickste Chance in der ersten Halbzeit, als er nach einem genialen Havertz-Pass aus sieben Metern aus halblinker Position an Pickford scheiterte (32.). Löw schlug an der Seitenlinie verzweifelt die Hände über den Kopf. Den muss er einfach machen! SPORT1-Note: 5

THOMAS MÜLLER (bis 90.+2): Ist! Das! Bitter! Er hatte den 1:1-Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber nach einem Konter frei vorm englischen Tor (82.). Da versagten sogar dem Weltmeister, der sich total motiviert zeigte und vor Anpfiff die rund 2000 deutschen Fans anpeitschte, vor 45.000 Zuschauern in Wembley die Nerven. Müllers EM-Fluch hält an: In 15 Spielen traf er nie! SPORT1-Note: 5

Einwechselspieler ohne Wirkung

SERGE GNABRY (ab 68.): Der Ex-Arsenal-Spieler kam diesmal nur von der Bank. Er konnte leider keine entscheidenden Impulse setzen. Bitter: Vor dem 0:2 verlor er entscheidend den Ball an Luke Shaw. SPORT1-Note: 5

EMRE CAN (ab 87.): Der BVB-Star kam in der Schlussphase noch mal für Ginter – allerdings zu spät. Seine kämpferischen Eigenschaften hätte man vielleicht früher gebrauchen können.

LEROY SANÉ (ab 87.): In seiner früheren Heimat England kam der Flügelflitzer erst kurz vor Schluss. Konnte nicht mehr viel ausrichten.

JAMAL MUSIALA (ab 90.+2): Der Jung-Star, der in England aufwuchs, kam in seiner zweiten Heimat leider viel zu spät.

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