Bittere Pleite für Deutschland

Bittere Pleite für Deutschland

Herber Rückschlag für die deutsche Nationalmannschaft. Im ersten EM-Gruppenspiel leitet ein Eigentor gegen Frankreich eine unglückliche Niederlage ein.
Mats Hummels traf ins eigene Netz
Mats Hummels traf ins eigene Netz
© Imago
Lisa Obst
von SPORT1
am 15. Juni

Historischer Fehlstart für Deutschland bei der EM 2021!

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kassierte im ersten Gruppenspiel gegen Weltmeister Frankreich eine bittere 0:1 (0:1)-Niederlage und startete damit erstmals überhaupt mit einer Niederlage in eine EM-Endrunde.

"Es war ein brutal intensives Spiel, wir haben alles in die Waagschale geworfen und gefightet bis zum Schluss. Ich kann der Mannschaft kämpferisch keinen Vorwurf machen", sagte Löw im ZDF: "Was uns vielleicht gefehlt hat, war die Durchschlagskraft im letzten Drittel." (Die SPORT1-Einzelkritik)

Ein Eigentor von Mats Hummels (20.) besiegelte die Auftaktpleite. Der Dortmunder lenkte eine Flanke von Lucas Hernández unglücklich an Manuel Neuer vorbei ins eigene Netz. Es war das erste Eigentor einer deutschen Mannschaft bei einer EM. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Kimmich: "Punkt wäre verdient gewesen"

"Wir haben in meinen Augen ein gutes Spiel gemacht, wir hatten gute Chancen, nicht weniger als die Franzosen. Ein unglückliches Tor hat das Spiel entschieden", meinte Toni Kroos im ZDF. "Wir haben vieles sehr gut kontrolliert, ich habe sehr wenige französische Konter gesehen. Was uns gefehlt hat, war ein Tor. Wenn du das erste Spiel verlierst und hast nur drei Gruppenspiele, ist der Druck groß." (Die Stimmen zum Spiel)

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Joshua Kimmich ergänzte: "Ich würde schon sagen, dass wir auf jeden Fall nicht die schlechtere Mannschaft waren. Wir hatten die Dominanz im Spiel. Wir sind durch ein sehr unglückliches Gegentor in Rückstand geraden. Ansonsten gab es auf beiden Seiten relativ wenig Torchancen. Wir haben es verpasst, komplett ins Risiko zu gehen, komplett hinten aufzumachen. Schade, ein Punkt wäre verdient gewesen."

Die DFB-Auswahl spielte engagiert, viele Dinge klappten gut, ein wirklich strukturiertes Offensivspiel gehörte jedoch bis auf eine vielversprechende Drangphase in der zweiten Halbzeit nicht dazu, trotz der Bemühungen von Rückkehrer Thomas Müller. Der dreimalige Europameister ist damit schon vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (18.00 Uhr) erneut in München unter Zugzwang: Gegner ist dann Portugal. Der Europameister besiegte Gruppen-Außenseiter Ungarn deutlich mit 3:0(Ergebnisse und Spielplan der EM)

"Wir haben auf jeden Fall das Niveau, um mit den Topteams mitzuhalten. Frankreich ist ein Mitfavorit. Wir müssen im nächsten Spiel zeigen, dass wir auch ein Favorit sind", betonte Kimmich.

Hummels unterläuft historisches Eigentor

Vor den Augen des zukünftigen Bundestrainers Hansi Flick geriet Deutschland selbstverschuldet in Rückstand (20.). Dem unglücklichen Hummels unterlief das zweite deutsche Eigentor bei einem großen Turnier, das erste bei einer EM. Bei der WM 2014 war der Verteidiger mit seinem Siegtreffer im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) noch der große Held gewesen. (Tabellen der EM)

Nun wechselten sich Licht und Schatten ab beim Rückkehrer, der hilflos zusehen musste, als Adrien Rabiot nur den Pfosten traf (52.). Dafür verhinderte er mit einer großartigen Grätsche ein Tor durch Kylian Mbappé (77.), dem gleich zwei Treffer wegen Abseits aberkannt wurden.

Nach dem Gegentreffer war die DFB-Elf gegen pragmatisch abwartende Franzosen optisch sogar überlegen, Chancen zum Ausgleich boten sich ihr jedoch nur spärlich. Die beste besaß zunächst Serge Gnabry (54.), dessen Schuss aus kurzer Distanz aber über das Tor flog. Müller hatte zuvor eine Kopfballchance (22.), rieb sich ansonsten aber auf. Champions-League-Held Kai Havertz, der den Vorzug vor Leroy Sane erhalten hatte, war gegen die robusten Franzosen meist überfordert.

Kimmich früh verwarnt

Das deutsche Lager hatte in den vergangenen Tagen eine Fassade aus purem Selbstvertrauen hochgezogen. Gelassen und extrem fokussiert - das war die eindeutige Botschaft an die Franzosen, die sich besser gute Schienbeinschoner anziehen sollten: "Wir müssen eklig sein. Nicht immer nur lieb, lieb, lieb", forderte Antonio Rüdiger für den Umgang mit dem Weltsturm aus Mbappé, Antoine Griezmann und Karim Benzema.

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Kurz vor dem Anpfiff landete noch ein Gleitschirmflieger mit einem Motor auf dem Rücken auf dem Spielfeld - wenig später war dann zunächst Joshua Kimmich ein bisschen zu eklig zu Klubkollege Lucas Hernandez und sah dafür Gelb (7.). Und dann, nach einer Viertelstunde, hatten sich die Franzosen warmgespielt. Vor allem die Anspiele auf Mbappé kamen nun präziser. Prompt prüfte der Angreifer erstmals Manuel Neuer (17.).

Drei Minuten später waren all die guten defensiven Vorsätze nur noch Makulatur: Kimmich verschätze sich bei einem weiten Ball von Paul Pogba auf den aufgerückten Hernandez - dessen Hereingabe beförderte Hummels mit dem rechten Schienbein unhaltbar für Neuer ins eigene Tor. Als bisher einzigem Deutschen bei einem großen Turnier war ein solches Malheur bei der WM 1978 in Argentinien Berti Vogts unterlaufen: beim 2:3 gegen Österreich. 

Zwei Tore für Frankreich aberkannt

Den Franzosen spielte dies in die Karten, nun konnten sie spielen, wie sie Weltmeister geworden waren: warten auf Ballverluste, dann schnelles Umschalten. Sie taten dies mit dem Selbstvertrauen, das die Deutschen sich einzureden versucht hatten. Allerdings: Die DFB-Elf hielt gut dagegen, verdichtete das Zentrum, war giftig in den Zweikämpfen - nur: Nach vorne ging wenig bis nichts, es fehlten Ideen und Durchschlagskraft. Die beste Chance hatte Serge Gnabry, dessen Dropkick auf dem Tordach landete (54.).

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Die Niederlage hätte durchaus noch höher ausfallen können. Adrien Rabiot (52.) scheiterte am Pfosten. Zudem wurden zwei Treffer von Kylian Mbappé (66.) und Karim Benzema (85.) wegen Abseitspositionen aberkannt.

Mangelnden Einsatz und Willen musste sich die deutsche Mannschaft, in der Toni Kroos und Ilkay Gündogan als Doppelsechs durchaus zu gefallen wussten, in der Tat wahrlich nicht vorwerfen lassen. Sie hatte viel mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr angekommene Pässe und eine höhere Laufleistung. Heraus kam dabei: nichts - auch nicht in einer starken Phase nach der 55. Minute, als Frankreich tatsächlich ein wenig wackelte.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)