Schweiz jubelt gegen Wales zu früh

Schweiz jubelt gegen Wales zu früh

Im zweiten Spiel der Gruppe A trennen sich Wales und die Schweiz unentschieden. Die Eidgenossen können die Führung nicht nach Hause bringen und haben am Ende Pech.
Xherdan Shaqiri (r.) und die Schweizer trennen sich 1:1 von Wales
Xherdan Shaqiri (r.) und die Schweizer trennen sich 1:1 von Wales
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. SPORT1
von SPORT1
am 12. Juni

Die "goldene Generation" der Schweiz hat auf dem Weg zu ihren ambitionierten Zielen bei der Fußball-EM gleich zum Auftakt einen Dämpfer hinnehmen müssen. Die Mannschaft von Nationaltrainer Vladimir Petkovic kam gegen Wales mit Superstar Gareth Bale nach einer schwachen Vorstellung nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus und verpasste den ersten wichtigen Schritt in Richtung K.o.-Phase. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Zwar gingen die Eidgenossen gegen das Überraschungsteam der vergangenen EM durch den Gladbacher Breel Embolo (49.) in Führung, Kieffer Moore (74.) traf allerdings zum verdienten Ausgleich. Das vermeintliche 2:1 der Schweiz durch den unmittelbar zuvor eingewechselten Mario Gavranovic wurde wegen einer Abseitsstellung zu Recht nicht anerkannt (85.).

"Wir haben wie immer viel Biss und Charakter gezeigt", sagte Kapitän Bale. "Wir haben sehr hart gearbeitet, jetzt müssen wir dieses Ergebnis als Sprungbrett nehmen. Ich bin stolz auf die Jungs." Es fühle sich in der Umkleidekabine "wie ein Sieg an", meinte auch Nationalcoach Robert Page.

Der EM Doppelpass mit Toni Schumacher und Oliver Pocher am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Schweizer starten mit Bundesliga-Quintett

Die Schweizer Mannschaft, die nicht wenige als die beste in der Geschichte der Alpenrepublik sehen, entwickelte im Nationalstadion von Baku, wo 30.000 Zuschauer kommen durften, zu selten Gefahr in der Offensive - und steht am Mittwoch gegen Italien in Rom im Kampf um das Achtelfinal-Ticket bereits unter Druck. (Tabelle & Gruppen der EM 2021)

"Ich bin ein bisschen frustriert, weil wir die Chance zum zweiten Tor hatten und sie nicht genutzt haben. Vielleicht waren wir nach dem ersten Tor zu passiv. Wir hatten den Sieg verdient, aber jetzt ist es ein Unentschieden und das ist schade", erklärte Embolo.

Sommer bedient: Haben heute zwei Punkte verloren

Auch Yann Sommer zeigte sich nach dem Remis enttäuscht: "Wir waren zeitweise sehr passiv, standen viel zu tief. Wir hatten eine schlechte Phase und wurden dafür hart bestraft."

Und weiter: "Wir hatten das Spiel im Großen und Ganzen gut im Griff. Wenn wir effizienter sind, ist das kein Thema am Schluss. Aber wir haben phasenweise in der zweiten Halbzeit ihr Spiel angenommen. Da müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen. Wir haben heute zwei Punkte verloren."

Die Schweizer hatten ihre Ziele vor dem Turnierstart in aller Deutlichkeit formuliert, nachdem sie bei der WM 2014, der EM 2016 und der WM 2018 jeweils bereits im Achtelfinale gescheitert waren. Es sei ein sehr guter Zeitpunkt, "um Geschichte zu schreiben", betonte Kapitän Granit Xhaka. Erstmals seit 1954 wollen die Eidgenossen wieder bei einem großen Turnier ins Viertelfinale einziehen.

In Sommer, Nico Elvedi, Embolo (alle Borussia Mönchengladbach), Manuel Akanji (Borussia Dortmund) und Kevin Mbabu (VfL Wolfsburg) standen gleich fünf Bundesliga-Profis in der Startelf der Schweizer, die sich in der Anfangsphase aber gegen den kompakt stehenden Gegner schwer taten. Vor dem Anpfiff waren beide Teams auf die Knie gegangen und hatten damit ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt.

Embolo dreht nach der Pause auf

Wales suchte nach Ballgewinnen immer wieder Bale, die beste Chance hatte aber Sturmtank Moore (15.) per Kopf. Erst nach Sommers Parade und dem sehenswerten Hackenabschluss von Fabian Schär (20.) fand die Nati besser ins Spiel.

Doch aus dem deutlichen Plus an Ballbesitz schlug die Schweiz gegen immer passivere Waliser deutlich zu wenig Kapital - einzig der frühere Frankfurter Haris Seferovic (27./41.) sorgte für Gefahr.

Nach dem Seitenwechsel sorgte vor allem Embolo mit mehreren guten Aktionen in kurzer Zeit für neuen Schwung. Der Angreifer zwang Keeper Danny Ward erst zu einer Glanzparade, ehe er bei der folgenden Ecke von Xherdan Shaqiri die Führung erzielte. Nur drei Minuten später stürmte Embolo erneut durch die gesamte walisische Abwehr und bediente Mbabu, der jedoch verzog.

Vermeintlicher Siegtreffer wird zurückgenommen

Der walisische Nationalcoach Robert Page, der den wegen häuslicher Gewalt angeklagten Ryan Giggs bei dieser EM weiter auf der Trainerbank vertritt, ließ seine Mannschaft im Anschluss etwas früher attackieren.

Wales schaffte es zwar nur selten, Bale oder Aaron Ramsey in Szene zu setzen, dafür belohnte Moore die offensivere Ausrichtung gegen nachlassende Schweizer per Kopf mit dem Ausgleich. "Für mich persönlich ist es toll. Wir hätten gerne einen Sieg geholt, aber das Remis bringt uns auch in eine gute Position. Es ist nie gut, in Rückstand zu geraten, aber wir haben das Comeback geschafft und das ist sehr positiv für uns", ließ der Torschützte nach Schlusspfiff wissen.

Kurz vor Schluss feierten die Eidgenossen dann zwar noch einmal ausgelassen, aber eben auch nur kurz: Gavranovic traf per Volleyabnahme zum vermeintlichen Siegtor, der VAR kassierte den Treffer jedoch wieder ein, weil der ehemalige Schalker einen Schritt im Abseits gestanden hatte.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)