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Einzelkritik: Dahmen als Elfer-Held

Einzelkritik: Dahmen als Elfer-Held

Finn Dahmen wird im Elfmeterschießen für die deutsche U21 bei der EM zum Killer. Viele andere deutsche Helden zeigen Licht und Schatten.
Mit zwei gehaltenen Elfmetern gegen Dänemark war U21-Nationalkeeper Finn Dahmen der Gewinner des EM-Viertelfinales. Von Trainer Stefan Kuntz gab es ein Sonderlob.
Lukas von Hoyer
Lukas von Hoyer
von Lukas von Hoyer

Es war ein echtes EM-Drama mit einem Happy End. 

Die deutsche U21-Nationalmannschaft steht nach einem Elfer-Krimi gegen Dänemark im Halbfinale der U21-Europameisterschaft. Dort kommt es zum Klassiker Niederlande gegen Deutschland (U21-EM: Niederlande - Deutschland, Donnerstag 21 Uhr im LIVETICKER)

An diesen kann nach dem aufreibenden Match aber zunächst wohl keiner denken. Ein emotionaler Fight, der mindestens einen Helden hervorgebracht hat. Die SPORT1-Einzelkritik. 

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Dahmen wird zum Elfer-Helden

Finn Dahmen: Es dauerte über 45 Spielminuten, bis sich der Keeper des FSV Mainz 05 auszeichnen konnte, in der ersten großen Gefahrensituation war er dann hellwach. Im eins gegen eins machte er den Winkel gegen Jacob Bruun Larsen stark zu und bewahrte das DFB-Team vor dem Rückstand. In der Schlussphase machte er die kurze Ecke zu und sicherte die Verlängerung. In der Spieleröffnung mit dem ein oder anderen feinen Pass. Bei den Gegentreffern blieb Dahmen machtlos, im Elfmeterschießen wurde der Mainzer, der in der Gruppenphase noch böse gepatzt hatte, durch zwei gehaltene Elfer dann zum Helden. SPORT1-Note: 1

Josha Vagnoman: Defensiv weitestgehend stabil, wurde mit zunehmender Spieldauer aber wackliger. Lief die rechte Seite hoch und runter, agierte in der Offensive aber unglücklich und ungenau. Im zweiten Durchgang unauffälliger und in der Entstehung des ersten Gegentreffers zu passiv. Zu Beginn der Verlängerung war für ihn Schluss. SPORT1-Note: 3,5

Amos Pieper: Anfangs souverän, dann ließ er zu Beginn des zweiten Durchgangs Jacob Bruun Larsen aus den Augen, der dadurch alleine vor Dahmen auftauchte. Beim Gegentor stand er schlecht und griff dann nicht energisch ein. Danach wirkte er etwas verunsichert. Im Elfmeterschießen trug er dann seinen Teil zum Weiterkommen bei. SPORT1-Note: 4,5

Nico Schlotterbeck: Der etwas stärkere der beiden Leuchttürme in der Innenverteidigung. Schlotterbeck köpfte alles weg, baute sicher auf und ließ kaum etwas durchkommen. Dann verteidigte er das Gegentor im Verbund mit Pieper allerdings naiv. Auch danach das ein oder andere Mal zu spät dran. Verwandelte seinen Elfmeter sicher. SPORT1-Note: 3

David Raum: Schlug eine Flanke nach der anderen in den Strafraum der Dänen. Zudem war Raum giftig in den Zweikämpfen und fiel als Dauerläufer auf der linken Seite auf. Den Führungstreffer in der Verlängerung - in der er noch immer Bärenkräfte zu besitzen schien - bereitete er vor. In den letzten Minuten musste er sich dann angeschlagen durchbeißen. Ein starkes Spiel des Fürthers, der sich der TSG Hoffenheim anschließen wird. SPORT1-Note: 1,5

Anton Stach: Von Beginn an sehr bemüht und eifrig. Warf sich in jeden Zweikampf und setzte auch offensiv Akzente. Sein Distanzschuss kurz vor der Pause zischte hauchdünn am Pfosten vorbei. Im zweiten Durchgang baute er jedoch stark ab und Kuntz nahm in folgerichtig eine Viertelstunde vor Schluss raus. SPORT1-Note: 3

Nmecha rettet Deutschland die Verlängerung 

Arne Maier: Der Kapitän ging mit Einsatzfreude und der nötigen Härte voran. Er traf den Ball nach einer Viertelstunde nicht gut, ansonsten hätte er für die Führung sorgen können. In der Folge stand er nicht immer richtig und verlor auch den ein oder anderen Zweikampf. Maier ging aber immer voran und verwandelte unter Druck den zweiten Elfmeter des DFB-Teams souverän. SPORT1-Note: 2,5

Ridle Baku: Hatte die erste Chance des DFB-Teams, als er aus rund 20 Metern deutlich verzog. Im Offensivspiel zunächst gut eingebunden und mit einigen guten Kontakten. Wie der Rest des Teams baute er allerdings nach einer halben Stunde ab, traute sich kaum mehr ins eins gegen eins und ließ sein Tempo vermissen. Nach 75 Minuten war Schluss. SPORT1-Note: 3,5

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Florian Wirtz: Ein schwächeres Spiel des 18-Jährigen, der sein fast grenzenloses Potenzial nur selten aufblitzen lassen konnte. Offensiv mit wenigen gelungen Aktionen. Als Anspielstation zwar präsent, mit dem Ball fiel dem Leverkusener allerdings ungewohnt wenig ein. Kurz vor dem Ausgleich musste er für Lars Lukas Mai weichen. Ein kluger Wechsel von Kuntz, wie sich herausstellte. SPORT1-Note: 4

Mergim Berisha: Ackerte und lief die Dänen schnell und fleißig an. Nach 20 Minuten ließ er dann die größte Chance im ersten Durchgang liegen: Er hatte im Strafraum nach einer Flanke plötzlich eine Menge Platz, jagte die Kugel aber gefühlte Meter neben den Pfosten. Danach kaum mehr ins Kombinationsspiel eingebunden. Wenn doch, war der Ball meist weg. Berisha konnte seine Form aus Salzburg nicht ins Team integrieren. SPORT1-Note: 4

Lukas Nmecha: Fast das ganze Spiel war herzlich wenig von dem deutschen Mittelstürmer zu sehen - doch dann war er da, als er am meisten gebraucht wurde. Nach einem verlängerten Eckball drückte er den Ball irgendwie über die Linie, in Rücklage alles andere als einfach. Danach war ihm ein eine breite Brust anzumerken - auch beim Elfmeterschießen. Der 22-Jährige blieb eiskalt, als er vom Punkt treffen musste. SPORT1-Note: 2

Jaeckel schießt DFB-Team ins Halbfinale

Jonathan Burkardt: Betrat in der 64. Spielminute den Rasen und fügte sich schnell ein. Er hängte sich rein und zeigte in der Verlängerung dann seine herausragenden Fähigkeiten. Der Mainzer traf zunächst zur zwischenzeitlichen Führung und scheiterte dann wenige Minuten vor dem Elfmeterschießen am Pfosten. Von den Dänen aus dem Spiel nicht in den Griff zu kriegen. Dann verschoss er den ersten Elfmeter allerdings fast schon kläglich. SPORT1-Note: 2,5

Karim Ademyemi: Brachte sofort Gefahr ins deutsche Offensivspiel und zeigte seinen unwiderstehlichen Zug zum Tor. Zu Beginn der Verlängerung wurde Ademyemi zum Linksverteidiger umfunktioniert und hatte die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber am dänischen Keeper Oliver Christensen. Er blieb auch danach ein Unruheherd - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. SPORT1-Note: 2,5

Lars Lukas Mai: Er kam in der 88. Spielminute in die Partie, um mit seiner Kopfballstärke einen Lucky Punch zu realisieren. Erst Sekunden war der Bayer auf dem Feld, als er einen Eckball für Nmecha verlängerte. In der Verlängerung dann Licht und Schatten: Er verschuldete den Elfmeter, der zum 2:2 führte - danach rettete Mai allerdings kurz vor der Linie und verhinderte dadurch den K.o. Blieb im Elfmeterschießen cool. SPORT1-Note: 2,5

Mateo Klimowicz: Nach seiner Einwechslung unauffällig, ackerte in der Verlängerung aber für den ein oder anderen platten Kollegen mit. Viel Einsatz und Kampfgeist und ein starker Wille. SPORT1-Note: 3

Paul Jaeckel: Nach seiner späten Einwechslung zunächst nicht ganz sicher, allerdings auch mit keinem großen Aussetzer. Im Elfmeterschießen schlug dann seine große Stunde, der Fürther schoss die deutsche U21 ins Halbfinale. SPORT1-Note: 2,5