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"Ole, Ole"-Rufe: Nächster bizarrer Auftritt von FIFA-Präsident Infantino vor WM 2022

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"Ole, Ole"-Rufe: Nächster bizarrer Auftritt von FIFA-Präsident Infantino vor WM 2022

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Infantino „ist zu weit gegangen“

Infantino „ist zu weit gegangen“

Gianni Infantino hat die umstrittene WM in Katar verteidigt und der westlichen Welt eine Doppelmoral vorgeworfen. Die Kritik daran ist gewaltig.
Bizarrer Auftritt von Gianni Infantino: Der FIFA-Präsident will die vielstimmige Kritik an der WM in Katar kontern - und findet Worte, die für Aufsehen sorgen.
SID
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von SID

Der internationale Aufschrei war kaum verhallt, da legte Gianni Infantino den nächsten bizarren Auftritt hin.

Nur wenige Stunden nach seiner denkwürdigen Pressekonferenz peitschte der umstrittene FIFA-Präsident auf der Bühne des Fanfestivals in Doha mit „Ole, Ole“-Rufen die Menge an. Die massive Kritik ließ ihn offenbar kalt. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

„Er ist zu weit gegangen“, sagte FIFA-Kritikerin Lise Klaveness bei CNN: „Es ist ein bisschen gefährlich, den Westen gegen den Osten zu polarisieren.“ Und für Nicholas McGeehan, den Direktor von FairSquare, ließen Infantinos Aussagen darauf schließen, „dass der FIFA-Präsident seine Argumente direkt von den katarischen Behörden erhält“.

In einem exakt einstündigen Monolog hatte Infantino am Samstag zu einem skurrilen Rundumschlag gegen seine Kritiker ausgeholt. Scheinheilig, rassistisch, ungerecht sei der Umgang mit den WM-Gastgebern. „Diese einseitige Moralpredigt ist reine Heuchelei“, rief er den rund 400 Journalisten in Doha zu.

Amnesty Internation kritisiert Infantinos groteske Aussagen

Verurteilungen Katars aus der westlichen Welt seien vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte unangebracht. „Für das, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren getan haben, sollten wir uns für die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, den Menschen moralische Lektionen zu erteilen“, argumentierte der umstrittene Weltverbandschef.

Katar biete Arbeitsmigranten „eine Perspektive“, sagte Infantino. „Wir alle wissen, dass es illegale Arbeit in Europa gibt. Wenn ihr euch wirklich um das Schicksal dieser Menschen scheren würdet, bietet das, was Katar macht, Chancen. Legale Chancen. Gebt ihnen Arbeit, gebt ihnen Sicherheit.“

Amnesty International kritisierte Infantino dafür scharf. „Dadurch, dass er legitime Kritik an Menschenrechtsverletzungen beiseite wischt, würdigt er den enormen Preis herab, den Arbeitsmigranten gezahlt haben, um sein Flaggschiff-Projekt möglich zu machen“, sagte Sprecher Steve Cockburn. Indem sie „eine Art Kulturkrieg“ ausrufe, weiche die FIFA zudem ihrer Verantwortung aus. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der WM).

In diese Kerbe schlug auch Klaveness. Nach Ansicht der norwegischen Verbandschefin habe Infantinos Monolog gezeigt, dass er unter Druck steht. „Die Kritik ist berechtigt“, bekräftigte die Skandinavierin: „Nicht an Katar an sich, sondern an der FIFA und den internationalen Fußballverbänden.“

Infantino sorgt für Kopfschütteln

Es gab kaum ein Thema, das Infantino bei seinem Rundumschlag nicht in Angriff nahm. So verurteilte er auch Medienberichte über angeblich „gekaufte“ Fanparaden im Vorfeld der WM-Endrunde als fremdenfeindlich. „Das ist Rassismus, purer Rassismus - das muss aufhören. Jeder in der Welt hat das Recht, für wen auch immer zu sein“, sagte der 52-Jährige und fragte: „Kann jemand, der wie ein Inder aussieht, nicht für Deutschland oder Spanien sein?“ (DATEN: Gruppen und Tabellen der WM).

Erst am Freitag war DFB-Präsident Bernd Neuendorf („Irritiert und verstört“) deutlich auf Distanz zum FIFA-Boss gegangen. Die Bauarbeiten für die WM-Stadien und die zusätzliche Infrastruktur sollen angeblich tausende Arbeitsmigranten das Leben gekostet haben. Zudem wurden im Vorfeld der WM die Menschenrechtssituation in Katar sowie fehlende Rechte für Frauen und die LGBTQ-Gemeinschaft angeprangert.

Infantino behauptete, die Rechte von LGBTQ in Katar würden während der Weltmeisterschaft geschützt - und solidarisierte sich auf kuriose Art mit so ziemlich allen Gruppen.

„Heute fühle ich mich katarisch, heute fühle ich mich arabisch, heute fühle ich mich afrikanisch, heute fühle ich mich schwul, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Gastarbeiter“, sagte der gebürtige Schweizer - und erntete dafür nicht nur im vollbesetzten Kongresscenter von Doha ungläubiges Kopfschütteln.