46 Mal Rot! Der dreckigste Profi

46 Mal Rot! Der dreckigste Profi

Von wegen Sergio Ramos! Gegen Gerardo Bedoya ist die Real-Legende ein Waisenknabe. Bedoya flog in seiner Karriere 46 Mal vom Platz, ist aber auch ein Titelgarant.
Gerardo Bedoya (r.) bei einer der typischen Aktionen für seine Karriere im Trikot von Colombian Santa Fe
Gerardo Bedoya (r.) bei einer der typischen Aktionen für seine Karriere im Trikot von Colombian Santa Fe
© Getty Images
Eric Böhm
von Eric Böhm
am 25. Juli

Gegen diesen Mann ist Sergio Ramos ein Engel der Fairness.

Während die Legende von Real Madrid in Europa mit 26 Platzverweisen und den meisten Karten der Real-, La-Liga-, Clásico- und Champions-League-Historie unerreicht ist, fehlen ihm Lichtjahre zum Weltrekordhalter.

Gerardo Bedoya kann vermutlich über Ramos nur schmunzeln. Der Kolumbianer hat die zweifelhafte Ehre, als dreckigster Spieler der Fußball-Geschichte zu gelten.

Bedoya im Guinness-Buch der Rekorde

Mit seinen 46 Roten Karten in 20 Jahren im Profigeschäft steht das "Beast", wie er auch genannt wird, sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

"Wenn er im TV auftritt, hat der Moderator häufig eine Rote Karte dabei oder trägt Schienbeinschoner", sagte der kolumbianische Journalist Carl Worswick der BBC.

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"Wenn er Rot sieht, verliert er jede Kontrolle"

Seine "Highlights", wie ein Tritt gegen einen am Boden liegenden Kontrahenten, gibt es auf YouTube zu sehen, aber an der Figur Bedoya ist mehr dran, als man auf den ersten Blick wahrnimmt.

"Er ist das komplette Gegenteil von dem, was man erwartet. Neben dem Spielfeld ist er eine komplett andere Person als auf dem Platz. Dort ist er eine explosive Persönlichkeit. Wenn er Rot sieht, verliert er jede Kontrolle", erklärt Worswick.

Das gilt für ihn offenbar selbst als Trainer. Auf seiner ersten Station als Assistent flog er nach nur 21 Minuten ebenfalls vom Platz.

MADRID, SPAIN - FEBRUARY 26: Zinedine Zidane, Manager of Real Madrid acknowledges Sergio Ramos of Real Madrid as Sergio Ramos of Real Madrid leaves the pitch after receiving a red card during the UEFA Champions League round of 16 first leg match between Real Madrid and Manchester City at Bernabeu on February 26, 2020 in Madrid, Spain. (Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)
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Große Titel und Vereine

Zwischen 1995 und 2015 spielte Bedoya für 14 Klubs in Kolumbien, Argentinien und Mexiko - unter anderem auch für namhafte Teams wie Boca Juniors oder Deportivo Cali.

"El General" war durchaus ein talentierter Spieler. Im defensiven Mittelfeld beheimatet, absolvierte er zwischen 2001 und 2009 49 Länderspiele für Kolumbien, unter anderem gelang ihm im Halbfinale der Copa América mit einem Weitschuss das wichtige 1:0 gegen Honduras, wodurch der einzige große Titel Kolumbiens im Finale gegen Mexiko erst möglich wurde.

In insgesamt 637 Profispielen gelangen ihm immerhin 56 Tore. Bei Racing in Argentinien ist er seit 2001 ebenfalls eine Legende. Damals bedeutete sein Ausgleichstreffer in der 86. Minute gegen den verhassten Rivalen River Plate das wichtige Remis, das Racing den ersten Titel seit 35 Jahren sicherte. 2012 verhalf er in seiner Heimat Independiente Santa Fe zur ersten Meisterschaft seit 37 Jahren. "Die Fans von Santa Fe liebten ihn, weil er sich immer zu 100 Prozent in Zweikämpfe warf", sagt Worswick.

Gerardo Bedoya (r.) gewann 2001 mit Kolumbien die Copa America
Gerardo Bedoya (r.) gewann 2001 mit Kolumbien die Copa America

Rekord für die Ewigkeit

Trotzdem bleiben vor allem die Roten Karten sein Vermächtnis. Schon auf seiner zweiten Profistation bei Deportivo Cali sammelte er in drei Jahren 14 Platzverweise.

2012 kassierte er im Bogotá-Derby zum 41. Mal Rot, weil er Millonarios-Star Yhonny Ramírez erst mit dem Ellbogen schlug und dann an den Kopf trat. Trotz seiner originellen Verteidigung nach dem Spiel ("normalerweise bin ich nicht so") wurde er für 15 Spiele gesperrt.

Zum Vergleich: Ramos bräuchte mit 34 Jahren noch 20 Platzverweise, um Bedoya einzuholen. Wohl nur in Südamerika kann ein solcher Spieler trotzdem verehrt werden.

"Er war ein Gewinner. Die Leute sehen heute immer das Negative. Er war ein Anführer und ein sensibler Mensch, der immer anderen geholfen hat. Er hat ein großes Herz", sagte sein ehemaliger Teamkollege Omar Vásquez der BBC.

In Südamerika eine Legende, im Rest der Fußballwelt wird der heute 44-Jährige wohl für immer der dreckigste Spieler der Fußball-Geschichte bleiben.