WADA reagiert auf ARD-Doku

WADA reagiert auf ARD-Doku

Die ARD präsentiert Recherchen zu Übertragungen von Dopingsubstanzen über die Haut. Die WADA reagiert.
Die WADA nimmt Stellung zu den Recherchen der ARD
Die WADA nimmt Stellung zu den Recherchen der ARD
© AFP/SID/ERIC THOMAS
SID
von SID
am 17. Juli

Aus Sicht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sind die jüngsten ARD-Recherchen zu Übertragungen von Dopingsubstanzen über die Haut kein Grund für grundsätzliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Anti-Doping-Systems.

Der WADA sei diese Möglichkeit "gut bekannt", hieß es in einem Statement am Samstag. Dies werde aber "als ein sehr seltenes Ereignis betrachtet, basierend auf der geringen Anzahl solcher Fälle, die in der Vergangenheit aufgetreten sind."

Recherchen der ARD-Dopingredaktion hatten ergeben, wie Sportler ungewollt zu Dopern werden können: Im Rahmen des Experiments, das von der Ethikkommission der Universität Köln genehmigt worden war, wurden Probanden geringe Mengen verschiedener Anabolika mittels einer Trägersubstanz über minimalen Hautkontakt verabreicht. (Alles Wichtige zu Olympia)

Bei allen Probanden ergaben die Erstauswertungen der Proben massiven Dopingverdacht. Die verbotenen Substanzen waren zum Teil schon eine Stunde nach der Applikation und bis zu 15 Tage lang nachweisbar.

Die WADA betonte, das Potenzial sei "wissenschaftlich auf eine sehr kleine Anzahl von verbotenen Substanzen beschränkt", die durch die Haut aufgenommen werden könnten. Man sei aber im Austausch mit den Filmemachern und begrüße die Begutachtung der Forschung durch weitere Wissenschaftler, "um zu beurteilen, ob neue Daten ans Licht gebracht wurden."

Die WADA betonte, dass ein Verstoß nicht automatisch zu einer Sanktion gegen eine Person führe und fügte an, dass "die Manipulation von Athletenproben, wie in der Dokumentation hervorgehoben, eine kriminelle Handlung" sei.

Innerhalb des Prinzips der strikten Haftung im Anti-Doping-Bereich gebe es "Flexibilität während der verschiedenen Schritte des Prozesses" für Athleten, die nachweisen können, dass sie nicht die Schuld tragen. Athletinnen und Athleten könnten weiter auf das zu ihrem Schutz entwickelte System vertrauen.

Rainer Cherkeh, Fachanwalt für Sportrecht und Richter am Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) erklärte dagegen, das Prinzip der "strict liability" und des Beweismaßes des WADA-Codes müssten auf Basis der Befunde dieses Experimentes neu bewertet werden. "Bei in der Vergangenheit liegenden, strittigen Dopingfällen rechne ich in Einzelfällen mit Wiederaufnahmeverfahren vor dem CAS", so Cherkeh weiter.

MEHR DAZU