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Rechtes Bein, linkes Bein – was kann daran schwierig sein? Wandern ist im Grunde nicht komplizierter als der Weg vom Sofa zum Kühlschrank.

Trotzdem gibt es einige Faktoren, die deine nächste Wanderung noch schöner machen können. Die drei wichtigsten haben wir dir hier zusammengefasst:

Vorbereitung ist der erste Schritt

Als ich mit meiner Frau den Traumpfad München-Venedig gegangen bin, waren wir in der Zeit davor ziemlich eingespannt, so dass es nicht viele Möglichkeiten gab, um groß zu trainieren. Also sind wir zwei Monate vorher immer am Freitagabend zum Essen gegangen. Und zwar wörtlich: Wir haben uns ein Restaurant gesucht, das ca. eine Stunde zu Fuß entfernt war, dort die Woche ausklingen lassen und dann einen entspannten Verdauungsspaziergang zurück gemacht. Das hat erstaunlich gut funktioniert.

Aber auch bei Tageswanderungen lohnt sich eine gewisse Vorbereitung. Natürlich kann man einfach der Linie in der Wander-App hinterherlaufen, aber wer sich den Weg vorab auf der Karte anschaut, entdeckt alternative Strecken und Hütten, die vielleicht nicht direkt am Weg liegen, aber trotzdem ein lohnendes Ziel sein können. Natürlich gehört zur Vorbereitung auch immer ein Blick aufs Wetter. Denn das hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf den Rucksackinhalt. Der sollte nicht unter dem was-muss-mit-Aspekt gepackt werden, sondern vielmehr unter dem Aspekt:

Was kann daheim bleiben?

Kurz gesagt: erstaunlich viel. Auf besagtem München-Venedig Trip haben wir knapp einen Monat aus unseren Rucksäcken gelebt und nichts vermisst. Für mich genügte die 40-Liter Variante, meine Frau ist sogar mit einem 30-Liter Rucksack ausgekommen. Das geht, wenn man mit zwei Garnituren unterwegs ist und eine davon jeden Tag wäscht. Für alles andere gilt: Das Gewicht-Genuss-Verhältnis muss stimmen. Anders ausgedrückt: Wenn der Nutzen eines Gegenstandes sein Gewicht nicht rechtfertigt, bleibt er im Schrank.

Wenn ein Gegenstand mehrere Zwecke abdeckt – umso besser. So lässt sich die Regenhose wunderbar als Zweithose benutzen. Anstatt die ganze Karte mitzunehmen, genügt es oft, sich den entsprechenden Ausschnitt zu kopieren. Die Rückseite lässt sich dann gleich noch als Tagebuch nutzen. Und so weiter und so fort. Wer hier ein bisschen kreativ wird, entdeckt garantiert noch viele weitere Möglichkeiten Gewicht zu sparen – auch ohne großen Verzicht. Denn der größte Komfort auf einer Wanderung, ganz gleich welcher Länge, besteht immer noch in einem leichten Rucksack.

Bei all den schönen Outdoor-Gadgets ist es jedoch leicht, das aus den Augen zu verlieren. So hatte ein Mitreisender auf einer der ersten Hütten einen faltbaren Kleiderbügel aus Metall dabei. Andere trugen Steigeisen und ein gebundenes Lehrbuch übers Hochtourengehen durch die Landschaft. Nur für den Fall, dass sie spontan Lust bekommen, auf dem Weg noch einen Gletscher mitzunehmen. Ob hier die Rechnung Komfort vs. Gewicht aufgeht, muss jeder selbst entscheiden.

Auf Tageswanderungen lässt sich dieser Minimalismus relativ gefahrlos ausprobieren. Wer nur für ein paar Stunden unterwegs ist, kann sich sehr genau überlegen, ob es z.B. die wasserdichte Outdoorjacke sein muss, oder ob bei angekündigten 14 Stunden Sonnenschein vielleicht auch einfach eine dünne Windjacke genügt. Ob man an einer Hütte bzw. an einem Bach vorbeikommt oder ob man wirklich 2 Liter Getränke durch die Gegend schleppen muss.

Rucksack

Der sollte passen – zur Rückenlänge und Unternehmung. Wer einen großen Rucksack besitzt, tendiert auch eher dazu, den voll zu machen, schließlich ist ja genug Platz da. Aber Vorsicht: das wird ganz schnell ziemlich schwer. Wer dieses Phänomen kennt und sich selbst überlisten will, startet bewusst mit kleinen Rucksäcken. 15-20 Liter reichen für Tagesausflüge in der Regel. Dann kommt auch nur das mit, was wirklich, wirklich, wirklich nötig ist. Wie man herausfindet welche Sachen das sind? Ganz einfach: Nach der Tour penibel unterscheiden, was gebraucht wurde und was nicht. Alles Ungenutzte darf nächstes Mal daheim bleiben. Einzige Ausnahme: Das Erste-Hilfe-Packet. Aber auch die sind oft sehr klobig verpackt. Wenn das der Fall ist, einfach in eine Tüte umfüllen.

Apropos Tüte: je schlichter der Rucksack, desto leichter ist er auch. Mehr Taschen, mehr Reißverschlüsse und mehr Fächer bedeuten in erster Linie mehr Gewicht und dann hat man ja eigentlich noch nichts dabei. Gerade deutsche Rucksackhersteller produzieren gern Produkte, die einem Atomkrieg standhalten und über Generationen vererbt werden können. So sehr ich den nachhaltigen Aspekt einer langen Nutzung schätze, so sehr bezahlt man ihn mit einem hohen Gewicht.

Schuhe

Alles, was man je über Schuhe wissen wollte, erfährt man im Sportfachhandel. Dem kann ich hier nichts hinzufügen. Außer vielleicht noch, dass ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe, mir meine Füße präventiv zu tapen. Neuralgische Punkte sind die Fersen und Zehen. Hier schützt ein Tape die Haut und verhindert effizient die Blasenbildung. Andere ziehen zwei Socken übereinander an. Anscheinend funktioniert beides.

Auf lasst uns fröhlich wandern!

Stimmt man diesen Klassiker deutscher Wanderlieder auf dem Weg zur Neureuth an, erntet man garantiert und zu Recht schiefe Blicke. Doch so überholt die Verse der Wandergesellen vergangener Tage sind, darin steckt doch ein wahrer Kern. Denn die stärksten Motive für diesen Sport, der keiner sein will sind Entspannen, Kraft tanken, Natur genießen. Dementsprechend sollten wir alles dafür tun, um unterwegs eine möglichst gute Zeit zu haben. Das geht schon bei der Einstellung an: Wer sich keine Gedanken um Zeitvorgaben, Instagram-Output und Höhenmetersammlungen macht, lebt deutlich entspannter und das wirkt sich direkt auf die Laune aller Teilnehmer und somit auf den Erfolg der Unternehmung aus.

Weitere Tipps für einen konfliktarmen Tag in Wald und Feld sind attraktive oder zumindest nicht nervende Wanderpartner, mindestens drei Gesprächsthemen, bei denen keine großen Kontroversen herrschen und ein relativ homogenes Tempo. Dann kann immer noch einiges schief gehen, aber die Chancen, dass das nicht passiert stehen ziemlich gut.

Zusammenfassend lässt sich sagen, die drei wichtigsten Punkte für schöne Touren sind: eine solide Vorbereitung, leichte Ausrüstung und gute Laune. Siehst du das ähnlich? Oder ganz anders? Was sind deine Erfahrungen auf den Wegen der Welt

Schreib uns einfach, wir freuen uns über jeden Kommentar.

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