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Reiseapotheke
Ein praktischer Begleiter - die Reiseapotheke © istock
Lesedauer: 6 Minuten
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Heute geht‘s um die Reiseapotheke und damit um das ungeliebteste Utensil jedes Urlaubs.

In Sachen Spaßfaktor kann sie weder mit dem Aufblasflamingo noch mit dem neuen Bikini mithalten, doch das einzige, was noch mehr nervt als sie zu packen, ist sie nicht dabei zu haben, wenn’s drauf ankommt. Also los!

Der Name verrät es bereits: die Reiseversion unterscheidet sich von der normalen Apotheke in Auswahl und Umfang. Das bringt die Frage mit sich, was da nun rein soll. Natürlich nur das Nötigste – blöd ist halt, dass man das erst retrospektiv mit Sicherheit definieren kann. Also vielleicht das Sinnvollste.

Damit du nichts vergisst, haben wir dir eine Auswahl zusammengestellt, mit der du deinen Urlaub gut überstehen solltest. Weiter unten findest du je nach Szenario ein paar weitere Empfehlungen:

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Pflaster

Ok, das ist offensichtlich: kleine Schnittwunden lassen sich damit schnell versorgen und die treten eigentlich ständig auf. Am besten ein paar verschiedene Größen und Varianten mitnehmen, ca. 15 Stück sind in der Regel ausreichend. Darüber hinaus gibt es spezielle Blasenpflaster mit Gelkissen, die Druck und Reibung reduzieren oder Herpespflaster, die eine saubere Abdeckung der betroffenen Stellen gewährleisten.

Verbandpäckchen

Wenn die am Start sind, hat es in der Regel etwas stärker gerumpelt aber auch das kann im Aktivurlaub schnell passieren: Ein Kopfsprung in unbekanntes Gewässer oder mal eben den Downhill mit dem Rentalbike ausgecheckt und schon zieht die Reiseapotheke auf der Beliebtheitsskala am Flamingo vorbei. Verbandpäckchen bestehen aus Mullkompressen zur Wundabdeckung, die direkt mit dem Verband vernäht sind. So wird die Wunde schnell vor Verschmutzung geschützt, die Blutung kann gestoppt werden und der Verband lässt sich überall am Körper fixieren. Klassischer Weise funktioniert das mit Sicherheitsnadeln, ein Knoten oder ein Stück Tape funktionieren genauso. Normalerweise sind die Dinger steril verpackt. 1-2 Verbandpäckchen pro Urlaub sollten genügen.

Tape

Ähnlich wie beim Schweizer Taschenmesser gibt es vermutlich auch für Klebeband kein Ende an Einsatzmöglichkeiten. Damit lassen sich Pflaster zusätzlich fixieren, Gelenke stabilisieren, Ausrüstung reparieren, Essensvorräte verschließen und so weiter und so fort. Wer mehrere Tage unterwegs ist, sollte auf jeden Fall eine kleine Rolle Tape dabeihaben.

Einmalhandschuhe

Sie sind mittlerweile Standard in jedem Erste-Hilfe-Set und schützen sowohl den Patienten wie auch sein Gegenüber vor Infektionen. Meist bestehen die Handschuhe aus Latex. Wer eine Latexallergie hat, kann auch auf Nitril-Modelle ausweichen.

Rettungsdecke

Das gute Stück wiegt kaum etwas und dient in erster Linie dem Schutz vor Wind, Kälte und Nässe. Ist ihr Einsatz in der Südsee eher die Ausnahme, sieht das bei einem Wanderurlaub ganz anders aus. Dabei hilft die Rettungsdecke nicht bei primären Verletzungen wie z.B. einem verstauchten Knöchel, der einen am Weitergehen hindert, sondern sie minimiert die Folgen der Verletzung wie z.B. eine Unterkühlung. Allerdings wärmt eine Rettungsdecke nicht, sondern reflektiert nur die vom Körper abgegebene Wärme. Daher ist es wichtig, dass man sich damit nicht auf einen kalten Boden setzt. Ob die silberne oder die goldene Seite nach außen zeigen soll, wird oft leidenschaftlich diskutiert, ist aber letztendlich so gut wie egal. Allerdings ist die goldene Seite im Gelände besser zu sehen, was dem Rettungsdienst die Arbeit erleichtert. Zurück zur Südsee: auch hier lässt sich die Rettungsdecke einsetzen – zum Beispiel als Sonnensegel bei einem Hitzschlag.

Zeckenzange und Pinzette

Während die Zeckenzange je nach Urlaubsort entweder sehr sinnvoll oder komplett nutzlos ist, kommt die Pinzette unterwegs ziemlich oft zum Einsatz. Sei es, um sich einen Spreißel aus dem Fuß zu ziehen oder um die USB-Buchse vom Handy zu reinigen.

Dreieckstuch

Ein durchaus sinnvolles Tool, das zum Ruhigstellen bei Brüchen oder für die Fixierung von Druckverbänden eingesetzt werden kann. Obwohl das Dreieckstuch sehr vielseitig ist, hat es einen kleinen Haken: man muss wissen, was man damit macht. Vielleicht ist das der Grund, warum es aus immer mehr Erste-Hilfe-Sets verschwindet.

Anleitung zur ersten Hilfe

Darin liegt die perfekte Überleitung zum nächsten Punkt: Im Urlaub begeben wir uns bewusst in Situationen, die nichts mit unserem Alltag zu tun haben. Dass dabei aufgrund mangelnder Erfahrung nicht alles ganz glatt läuft, ist relativ wahrscheinlich. Dummerweise trifft das auch auf den Umgang mit Reiseapotheken zu. Darum ist es sinnvoll, eine kurze Anleitung zur ersten Hilfe dabei zu haben, die einem im entscheidenden Moment schnell weiterhilft und so wertvolle Zeit spart.

Sam Splint

Die Universalschiene aus Aluminium, ist mit Schaumstoff ummantelt und lässt sich sehr flexibel zur Ruhigstellung von verletzten Gelenken und Knochen einsetzen. Das Ganze funktioniert so, dass die Schiene an den Körper angeformt und dann mit einem Verband fixiert wird. Durch den Aluminiumkern entsteht so ein Verband mit starker Stützfunktion.

Medikamente

Hast du die oben genannten Dinge dabei, bist du damit für die meisten Situationen schon ganz gut aufgestellt. Darüber hinaus ist es sinnvoll, die Reiseapotheke mit einem Schmerzmittel und persönlichen Medikamenten zu ergänzen. Weitere Kleinigkeiten, die deinen Urlaub retten sind: Oropax, Durchfalltabletten, Kondome, ein Desinfektionsspray sowie Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und eine Aftersun-Lotion.

Wer mit Kindern reist, hat sowieso das halbe Haus dabei, da kann man dann gut auch noch Fieberthermometer, -zäpfchen, Insektenspray, eine kühlende Salbe für Mückenstiche, Übelkeitstabletten und Hustensaft einstecken.

Geht’s in den Dschungel, besteht das Gepäck zu ca. 50% aus Medikamenten – hier ist ein spezialisierter Arzt die beste Informationsquelle.

Und sonst?

Wer seine Reiseapotheke selbst zusammenstellt und erweitert, verwendet dafür am besten ein neues Behältnis anstatt die zusätzlichen Teile in einen meist eh schon überfüllten Beutel dazuzuquetschen. Große Scheren, wie sie in alten Erste-Hilfe-Sets oft enthalten waren, lassen sich gut durch kleine Nagelscheren ersetzen.

In jedem Fall entscheiden vor allem das Reiseziel, die Art des Urlaubs sowie die Zusammensetzung der Reisegruppe über die Zusammenstellung der Reiseapotheke. Bei Anwendung derselben geht es aber immer nur um die Erstversorgung bzw. um die Behandlung kleinerer Blessuren. Für alles andere ist der Arzt zuständig. Damit auch das reibungslos läuft, ist eine Auslandskrankenversicherung eine gute Sache.

Ok, wer bis hier durchgehalten hat, ist jetzt offiziell urlaubsreif.

Wir wünschen eine gute Reise und viel Spaß dabei!

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