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Bist du ein Lawinenchecker? Mach den Test!

Immer wieder schneit es in den Bergen, die Social Media-Feeds sind schon voller Powdershots und es beginnt in den Füßen zu kribbeln. Mit anderen Worten: die Freeridesaison hat begonnen. Gerade nach einem langen Sommer lohnt es sich, kurz noch einmal einige Punkte in Sachen Lawinen und wie man sie vermeidet durchzugehen.

Wir haben dir 9 Fragen zusammengestellt, die dir zeigen, ob du ein Lawinenchecker bist.

Ready? Dann kann’s ja los gehen.

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1. Wie viele Menschen sterben  pro Jahr in den Alpen in einer Lawine?

  • 50
  • 100
  • 200

Antwort: Pro Jahr sterben in den Alpen ca. 100 Menschen an den Folgen einer Lawine. Die meisten Lawinenunglücke passieren dadurch, dass Wintersportler die Lawinen selbst auslösen. Große Lawinenverschüttungen ohne eigene Auslösung sind durch einen guten Lawinenlagebericht stark zurückgegangen.

2. Es wird wärmer.

  • Dadurch steigt das Lawinenrisiko.
  • Dadurch sinkt das Lawinenrisiko.

Antwort: Beides kann zutreffen. Warum? Weil es auf die Umstände ankommt: Bei sehr kalten Temperaturen verbindet sich frisch gefallener Neuschnee nur langsam mit dem vorhandenen Altschnee. Steigen die Temperaturen nach einer extremen Kälteperiode bis zum Gefrierpunkt an, verbessert das die Verbindungen der verschiedenen Schneeschichten, was die Lawinengefahr reduziert.

Steigt die Temperatur jedoch in kurzer Zeit stark an und das weit über den Gefrierpunkt hinaus, dann wird die Schneedecke destabilisiert. Denn die Kristalle schmelzen zu Wasser. Die Folgen sind Nassschneelawinen, wie sie im Frühjahr an sonnenbeschienenen Hängen ab der Mittagszeit regelmäßig auftreten.

3. Ab welchem Gefälle können Lawinen abrutschen?

  • 20 Grad
  • 25 Grad
  • 35 Grad

Antwort: Ab ca. 25 Grad kann eine Lawine abrutschen. Allerdings ist das auch in etwa die Hangneigung, ab der das Freeriden Spaß macht. D.h. in flacheren Hängen zu bleiben ist ziemlich schwierig. Hinzu kommt, dass ab erheblicher Lawinengefahr nicht nur der Bereich der Spur sondern der komplette Hang in die Geländebeurteilung mit einbezogen wird. Denn ein Bruch, der im flachen Gelände erzeugt wird, kann sich von dort ins Steilgelände fortpflanzen und dann eine Lawine auslösen. 

4. Ab welchem Gefälle spricht der LLB von sehr steilem Gelände?

  • Ab 35 Grad
  • Ab 40 Grad
  • Ab 45 Grad

Antwort:

Mäßig steil:       unter 30 Grad

Steil:                30-34 Grad

Sehr steil:         35 bis 39 Grad

Extrem steil:     ab 40 Grad

5. Wie verändert sich das Gefahrenpotential von einer Lawinengefahrenstufe zur nächsten?

  • Das Gefahrenpotential steigt um 20%
  • Das Gefahrenpotential steigt um 50%
  • Das Gefahrenpotential steigt um 100%

Antwort: Das Gefahrenpotential steigt mit jeder Stufe um 100%. D.h. jede Stufe weist doppelt so viele Gefahrenstellen auf wie die vorangegangene. Anders ausgedrückt: Bei Stufe 5 sind bis zu 100% der Hänge auslösegefährdet. Bei Stufe 4 sind es bis zu 50% der Hänge. Bei Stufe 3 sind es maximal 25%. Bei Stufe 2 immer noch maximal 12% und bei Lawinengefahrenstufe 1 sind ca. 5% potentiell auslösbar. Damit wird auch schnell klar, warum die meisten Lawinenunfälle bei Stufe 3 passieren. Die graduell ansteigenden Zahlen der Lawinengefahrenstufen (1 gering 2 mäßig 3 erheblich 4 groß 5 sehr groß) suggerieren einen graduellen Anstieg der Lawinengefahr. Doch genau das ist nicht der Fall, denn das Gefahrenpotential steigt exponentiell.

D.h. die Bezeichnung der einzelnen Stufen spiegelt ein wesentlich deutlicheres Bild der Gefahr wieder. Ein weiterer Punkt der damit einhergeht: je größer die Lawinengefahrenstufe, desto größer der Bereich, den sie abdeckt. Zum Vergleich: Lawinengefahrenstufe 1 deckt alle Fälle von 0 bis 5% ab. Lawinengefahrenstufe 3 deckt alle Fälle von 13% bis 24% ab.

Dadurch wird klar, dass die Zahl im Lawinenlagebericht nur ein sehr kleiner Teil der Gesamtinformation ist und dass es für die Risikobeurteilung stark darauf ankommt, auch alle weiteren Informationen aus dem LLB aufzunehmen und vor Ort zu analysieren.

6. Welche Faktoren sorgen für eine Lawinenauslösung?

  • Triebschnee, ein Sturz und Lawinengefahrenstufe 3
  • Eine Schwachschicht in der Schneedecke, ein Initialbruch und mehr als 25 Grad Hangneigung
  • Eine große Gruppe ohne Sicherheitsabstände, ein Nordhang und 50 cm Neuschnee

Antwort: Für die Auslösung einer Lawine braucht es eine Schwachschicht in der Schneedecke, einen Initialbruch, der dafür sorgt, dass diese Schwachschicht die Last der darüber liegenden Schneedecke nicht mehr halten kann und kollabiert. Als letzte Zutat ist ein ausreichendes Gefälle von mehr als 25 Grad nötig, sonst bleibt der Schnee auch nach der Auslösung einfach liegen. Bei den beiden anderen Szenarien fehlt die Hangsteilheit, d.h. hier kommt es nicht zwingend zur Auslösung.

7. Es ist März und in der letzten Nacht war der Himmel bedeckt.

  • Das bedeutet eine günstige Lawinensituation.
  • Das bedeutet eine ungünstige Lawinensituation.

Antwort: Besonders im Frühjahr spielt der Temperaturverlauf eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Lawinenrisikos. Durch Sonneneinstrahlung verliert die Schneedecke tagsüber normalerweise an Festigkeit, so dass Touren früh begonnen und früh beendet werden sollten. In klaren Nächten kann die tagsüber gespeicherte „Wärme“ der Schneedecke in die Atmosphäre abstrahlen. Dadurch kühlt die Schneedecke aus, gefriert und verfestigt sich. Das Ergebnis ist der bekannte Harschdeckel. Ist der Himmel in der Nacht dagegen bedeckt, liegen die Wolken wie eine Barriere zwischen Schnee und Atmosphäre. D.h. sie speichern die Wärme, die nicht entweichen kann und damit bleibt die Schneedecke aufgeweicht. Sie ist damit weniger stabil. Das bedeutet eine ungünstige Lawinensituation.

8. Warum kommt die Bergwacht bei einem Lawinenunglück meistens zu spät?

  • Die Technik der lokalen Bergwachtorganisationen ist oft nicht auf dem neuesten Stand.
  • 15 Minuten nach der Verschüttung nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit der Opfer stark ab.
  • Umfangreiche Sicherheitsvorschriften machen es unmöglich, die Lawinensuchhunde schnell genug in den Helikopter zu bringen.

Antwort: In den ersten 15 Minuten liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit von Lawinenopfern bei ca. 90%. Danach steigt die Todesrate aufgrund von Erstickung und Unterkühlung stark an, so dass nach 45 Minuten nur noch 25% aller Lawinenopfer lebendig geborgen werden können. Die organisierte Rettung ist im Schnitt nach ca. 40 Minuten an der Unfallstelle. Dementsprechend wichtig ist ein gutes Risikomanagement zur Prävention und eine funktionierende Kameradenrettung im Ernstfall. Beides kann man lernen und üben.

9. Lawinenairbag oder LVS-Gerät – was ist sicherer?

  • Der Lawinenairbag, da nur er eine Verschüttung verhindern kann.
  • Das LVS-Gerät, da nur damit eine Ortung des Verschütteten möglich ist.

Antwort: Gerade wenn man ins Freeriden einsteigt, merkt man schnell, dass das ein eher kostenintensiver Sport ist. Da liegt es auf der Hand, sich zu fragen welche Ausrüstungsgegenstände wirklich notwendig sind. LVS-Gerät und Airbagrucksack sind jedoch nicht austauschbar. Zwar werden beide im Zusammenhang mit Lawinen eingesetzt, jedoch handelt es sich um komplett unterschiedliche Systeme und Zielsetzungen:

Der Airbag hat den Vorteil, dass er eine Verschüttung verhindern kann. D.h. er wirkt präventiv. Sein Nachteil liegt darin, dass das nicht automatisch passiert, denn der Freerider muss ihn selbst auslösen. Zudem funktioniert er nur solange die Lawine fließt. Kommt der Strom um den Airbag zum stehen und wird von hinten weiterer Schnee nachgeschoben, ist die Verschüttung unvermeidlich.

Im Gegensatz dazu handelt es sich beim LVS-Gerät um Notfallequipment. D.h. es kommt zum Einsatz, wenn der Notfall bereits eingetreten ist. Da jeder zu Beginn der Tour sein Gerät in den Sendemodus stellt, entfällt die Aktivierung in der Lawine. Zudem bietet eine Ortung per Signal die zuverlässigste Möglichkeit, Verschüttete schnell zu finden. Soviel zum egoistischen Teil. Aber das LVS-Gerät hat ja auch noch eine Suchfunktion und die kann man nur nutzen, wenn man selbiges dabei hat.

Anders ausgedrückt: das LVS-Gerät ist der Standard für alle, die sich abseits gesicherter Pisten bewegen. Ein Airbagrucksack ist eine sinnvolle Ergänzung.

Alles gewusst? Gratuliere! In Sachen Lawinen macht dir niemand etwas vor. Trotzdem lohnt es sich, sein Wissen regelmäßig aufzufrischen.

Neues gelernt? Sehr gut! Mehr Infos zu Lawinen und wie man sie vermeidet findest du beim Alpenverein, in Bergschulen und auf Lawinenkursen, wie sie z.B. vom SAAC angeboten werden.

In jedem Fall wünschen wir eine unfallfreie Saison mit jeder Menge guter Turns.

Viel Spaß dabei.

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