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7 Läufertypen - erkennst du dich wieder?
Laufen - ein Sport, der viele begeistert © getty
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Achtung: dieser Inhalt kann Schmunzeln hervorrufen und beruht auf einer beachtlichen Portion Selbstironie!

Es tut sich was: Im Park sprießt das erste Grün. Die Reifenhändler haben Hochbetrieb und sobald es am Wochenende sonnig ist, finden auch die Läufer wieder auf die Wege der Republik zurück. In der Vergangenheit waren diese Sportler relativ einfach in wenige Kategorien einzuordnen, doch mittlerweile begeistert der Laufsport so viele, dass man ein paar Neue entdecken kann.

Die Power-Mum

Sie ist über 45 Jahre alt, bescheiden und würde sich deshalb selbst nicht als sportlich bezeichnen. Nachdem die Kinder sie nicht mehr permanent beanspruchen, hat sie sich vor Jahren ein Hobby gesucht. Erst war das Laufen nur eine Maßnahme, um das eine oder andere Kilo loszuwerden. Doch da sie sich täglich die Schuhe schnürt, ist ihre Runde schnell von 3 auf 15 Kilometer gewachsen. Sie verfolgt keinen Trainingsplan, doch dank ihres Pensums hängt sie jüngere Kollegen beim Firmenlauf locker ab. Darauf bildet sie sich jedoch nichts ein. Laufen geht sie für sich, nicht um sich über ihre Leistung zu definieren. Von ihren Longruns am Wochenende postet sie Streckenfotos mit beachtlichen Zeiten und Distanzen. Dafür wird sie von ihren Freundinnen gleichermaßen bewundert und beneidet. Auf die Frage „30 Kilometer am Stück – wie machst du das?“ antwortet sie nur mit „weiß nicht, ich laufe halt so vor mich hin“. Ihr Outfit ist nebensächlich dezent. Am wichtigsten ist ihr, dass sie sich darin wohl fühlt.

Der Kämpfer

Vor ein paar Jahren ist er Vater geworden und seitdem kämpft er: gegen den Schlafmangel, gegen das Hüftgold, gegen das Alter. In unregelmäßigen Panikaktionen versucht er den offensichtlichen Verfall seines Körpers aufzuhalten und gleichzeitig den Trainingsrückstand der letzten Jahre mit einer Einheit aufzuholen. Sport heißt für ihn in erster Linie leiden. Mit zusammengebissenen Zähnen quält er sich über die Strecke, die er früher deutlich schneller geschafft hat und trauert dabei längst vergangenen Zeiten hinterher. Fotos von seinen Läufen gibt es nicht, da er vollauf damit beschäftigt ist, zu überleben. Weil Job, Familie und Hausbau nur wenig Freiraum zulassen, läuft er nicht dann, wenn er Lust darauf hat, sondern wenn er die Zeit dafür findet. Dass er als einziger noch in kurzen Spandextights unterwegs ist, stört ihn nicht. In seinem Leben geht es längst nicht mehr um Äußerlichkeiten. Überholt er unter Aufbietung aller Kräfte einen anderen Läufer, ballt er die Faust, verfällt jedoch in ein mehrtägiges Stimmungstief, wenn einer von den Jungen an ihm vorbeizieht. Zuhause angekommen gibt's noch vor dem Duschen zur Belohnung das erste Weißbier. Das hat er sich schließlich verdient.

Die Instamaus

Für sie ist das Wichtigste beim Laufen, dass Styling und Outfit passen. Schließlich geht es hier ums Business und nicht um den Sport. Dementsprechend viel Aufwand wird in die Inszenierung gesteckt. Um das perfekte Licht auszunutzen, ist sie nur im Sonnenaufgang bzw. -untergang unterwegs. Ihre einzige Laufeinheit sind Intervalle. Dabei legt sie jedoch maximal 10 Meter zurück, geht dann wieder zum Startpunkt und wartet, bis der Fotograf „nochmal“ ruft. Jedes Outfit trägt sie nur einen Tag lang. Da sie mit vielen verschiedenen Brands zusammenarbeitet, quillt ihr Kleiderschrank über. Darum landen die Schuhe nach dem Shooting nicht im Regal sondern bei Kleiderkreisel und Co. An Wettkämpfen nimmt sie nicht teil, dafür postet sie ab und zu auch Bilder von ihrem Frühstück mit Porridge, Obst und Pancakes wobei sie immer nur einen Orangensaft trinkt. Andere Läufer inspiriert sie gerne mit Sätzen wie „Be unique. Be different“ oder mit #runeveryday, würde bei Regen aber nie vor die Tür gehen.

Die Anfängerin

Sie ist der größte Fan der Instamaus. Wichtigstes Laufutensil ist das Handy, denn ohne die richtige Playlist läuft gar nichts. Sie hat exakt das Outfit an, das die Instamaus vor zwei Wochen gepostet hat und erhofft sich, dass sie mit ein wenig Training bald genauso aussieht, wie ihr großes Vorbild. Laufen an sich findet sie doof. Für sie ist es ein notwendiges Übel auf dem Weg zum Instafame. Gern läuft sie in der Gruppe mit anderen Leidensgenossinen, aber öfter als einmal im Monat muss das auch wieder nicht sein. Ihre Ambition besteht darin, den Lauf so schmerzfrei wie möglich hinter sich zu bringen.

Der Trailrunner

Er kauft sich kein Laufequipment, er investiert. In einen Trinkrucksack, Kompressionssocken, Regenjacke, Handschuhe, Stirnlampe, Gels und die angesagtesten Shorts. Wenn die von seiner Lieblingsbrand kommen, dürfen sie gern auch so viel kosten wie ein Kurzurlaub. So ausgerüstet läuft er auf den atemberaubendsten Trails durch die Alpen oder eben durch den Wald oder wenigstens durch den Stadtpark zur Arbeit. Er träumt davon, einmal den UTMB zu finishen und kennt die Namen aller Anstiege auswendig. Dass die sich auf 10.000 Höhenmeter summieren, verdrängt er dabei. Obwohl er zwischendurch auch gern auf der Straße läuft, würde er das in seiner Trail-Community nie zugeben. Ein Lauf ist für ihn erst dann ein guter Lauf, wenn man die Farbe seiner bunten Schuhe nicht mehr erkennen kann. Seine Leistung misst er nicht in Kilometern oder Sekunden. Ihm geht es ausschließlich darum, das größtmögliche Abenteuer zu erleben. Dementsprechend ist jeder Lauf „epic“ und selbstverständlich ist er unendlich „greatful“ wenn die Aussicht wieder „awesome“ ist. Auch denkt er darüber nach, sich die Silhouette seines Lieblingsbergs auf die Wade tätowieren zu lassen.

Der Alte

Sein Outfit ist noch von damals aus dem Verein. Den Club gibt es längst nicht mehr, aber das ist kein Grund, die Klamotten zu entsorgen. Singlet und Splitshorts haben ihm bisher gute Dienste geleistet, das werden sie auch in Zukunft tun. Die Jahre im Schützengraben haben ihn so abgehärtet, dass er im Winter maximal eine zusätzliche Mütze braucht und Läufe über 50 Kilometer auch ohne Versorgung übersteht. Sein Schnauzer ist kein ironisches Hipsteraccessoire, sondern der ernst gemeinte Ausdruck seiner Männlichkeit. Ob es regnet oder die Sonne scheint, interessiert ihn nicht. Sein Pensum wird eisern durchgezogen. Schließlich steht bald einer der nächsten Wettkämpfe an. Die hat er bereits ein Jahr im Voraus geplant. Vor Ort freut er sich immer, wenn er dort andere Veteranen noch einmal trifft. Längst geht es ihm dabei nicht mehr um Zeiten oder Platzierungen. Der Alte ist froh, wenn er die Distanz schafft. Genauso wie das Medical Team, das jedes Mal drei Kreuze macht, wenn er tief gebeugt an ihrem Zelt vorbeigewackelt ist. Sein Trippelschritt ist langsam aber unaufhaltsam. Da außer ihm niemand in derselben Altersklasse antritt, ist er Dauergast bei Siegerehrungen, auf denen er ungläubig bestaunt wird. Wenn er so weitermacht, wird er uns alle irgendwann überholen.

Der Crossfitter

Mit 25 Jahren strotzt er nur so vor Kraft, Ausdauer und Selbstvertrauen. Seinen Astralkörper stählt er bei 4-6 Einheiten pro Woche im angesagten Crossfitstudio. Immer dabei: Boosterdrink und Snapback Cap. Laufeinheiten sind ein Teil seiner Weekly Challenge, doch bei ihm heißen sie Cardio. Seine Run-Challenges werden bewusst kurzgehalten, damit auf keinen Fall wertvolle Muskelmasse abgebaut wird. Um ganz sicher zu gehen, integriert er zwischendurch Push-ups, Squats oder den örtlichen Trimm-dich-Pfad. Neben dem Styling achtet er penibel auf seine Ernährung, die zum Großteil aus Eiweißpräparaten und Vorgekochtem ohne Salz besteht. Wie bei der Anfängerin ist Laufen auch beim Crossfitter nur ein Mittel zum „Shredden", das bevorzugt in der „Preseason" eingesetzt wird. Sobald der Körper richtig „ripped" aussieht, geht es dann mit einem satten „Pump" an den Baggersee. An Wettkämpfen nimmt er nur teil, wenn die Challenge ihn „triggert". Dabei erzielt er über kurze Distanzen richtig gute Ergebnisse, überlässt die langen Kanten aber gerne den Alten.

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