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Surfen an der Eisbachwelle in München
Surfen an der Eisbachwelle in München © Oliver Farys
Lesedauer: 5 Minuten
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So langsam wird’s Frühling und während die einen die Firnsaison in den Bergen ausnutzen so lang es geht, schielen die anderen schon wieder auf den Sommer mit all seinen Möglichkeiten. Eine davon: Riversurfing. Wir haben uns das Ganze mal angeschaut – und dir das Wichtigste kurz zusammengefasst.

Darum geht’s

Wie der Name schon sagt, findet Riversurfen statt im Meer auf einem Fluss statt. Damit löst der Sport das Problem vieler Surfer, die nicht am Meer wohnen und nicht auf ihren Sport verzichten wollen. Statt großem Travelbudget braucht man nur ein fließendes Gewässer, optimalerweise mit einer stehenden Welle. Die bildet sich, wenn das Wasser über Hindernisse im Bachbett fließt. Ob natürlich oder künstlich angelegt, spielt dabei keine Rolle. Auf der Welle blickt der Surfer stromaufwärts, bewegt sich aber nicht von der Stelle, während das Wasser unter ihm durchströmt. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten, um Flüsse und Surfen zu verbinden.

Beim Bungeesurfing hält der Surfer ein elastisches Seil in der Hand, das in der Regel an einer Brücke befestigt ist. Mit dem Seil in der Hand lässt sich der Surfer stromabwärts treiben, bis es maximal gespannt ist. Dann bringt er sein Brett in Position und nutzt den Reboundeffekt, um sich einige Meter flussaufwärts katapultieren zu lassen. Sieht in etwa so aus.

Eine andere spannende Alternative bietet das Upstreamsurfing, bei dem der Surfer mit einem Flaschenzug, der an einer Brücke befestigt ist über den Fluss gezogen wird. Das ganze System zu erklären ist etwas aufwändig, doch die Entwickler haben dafür eine eigene Seite gebaut, auf der sie alles sehr anschaulich darlegen.

Das ist besonders gut

Der größte Vorteil am Riversurfen ist, dass der Sport die Reise zu den klassischen Surfspots ersetzt. Schließlich wohnen nur die wenigsten an der Küste. Auf dem Fluss kann dagegen jeder ohne großen Aufwand einsteigen. Zudem lassen sich mit etwas Kreativität und Eigeninitiative auch neue Surfspots erschließen. So gibt es in Wolfratshausen bei München aktuell eine Aktion, die sich um die Installation einer stehenden Welle in der Loisach bemüht.

Ein weiterer Vorteil am Surftrip ohne Flieger ist die bessere CO2-Bilanz. Und im Gegensatz zu den Wellen am Meer läuft eine Flusswelle 24 Stunden täglich. D.h. die Surfsession kann sich nach dem restlichen Plan für den Tag richten statt umgekehrt.

Das brauchst du unbedingt

Ein kurzes, breites Surfboard mit großem Volumen eignet sich für die Flusswellen oft besser als längere dünne Bretter, die für den Ozean designt wurden. Neben einem Wetsuit ist auch ein Helm am Anfang kein Luxus. Dann noch etwas Wax und schon kann’s losgehen. Beim Upstream- oder Bungeesurfing kommt dann noch die Spezialausrüstung dazu. Wer einfach nur auf einer stehenden Welle surft, kann das Equipment zudem easy mit Fahrrad oder Skateboard transportieren.

Das Mekka der Szene

In München lockt die legendäre Eisbachwelle (E1) nicht nur Locals sondern auch Surfer aus aller Welt, was irgendwo paradox ist, wenn man sich überlegt, dass der Eisbach ja in erster Linie eine Alternative für die Surfreise darstellt. Die Welle ist beeindruckend, doch nicht unbedingt anfängergeeignet. Wer neu auf dem Brett ist, findet an der Floßlände einen sanfteren Einstieg. Für Fortgeschrittene eignet sich die zweite, deutlich kleinere Eisbachwelle (E2) etwas flussabwärts. Den größten Komfort inklusive Kurs und Stange zum Festhalten bietet die Jochen Schweizer Arena in Taufkirchen. Die künstliche stehende Welle bietet optimale Bedingungen, um sich in einer Halle verletzungsfrei ans Riversurfen heranzutasten. https://www.jochen-schweizer.de/arena/arena-indoor-surfen,default,pd.html Aber auch in Österreich baut man künstliche Wellen. Weitere Spots finden sich vor allem in Österreich und Süddeutschland. 2020 wird Surfen erstmals olympisch, was den Sport wahrscheinlich noch beliebter machen wird. Der Bedarf nach stehenden Wellen wird damit vermutlich noch ansteigen.

Auf keinen Fall

Im Gegensatz zum Surfen im Ozean befinden sich die Spots zum Riversurfen oft mitten in der Stadt. D.h. hier prallen die unterschiedlichsten Interessen aufeinander und nicht jeder lebt den Mahalo-Spirit. So war das Surfen auf der Eisbachwelle bis vor wenigen Jahren illegal. Mittlerweile wird es von der Stadt geduldet, doch damit das so bleibt, sind die Locals sehr daran interessiert, dass hier keine Unfälle passieren, die den Gegnern der Welle frischen Wind in die Segel blasen. Diese Situation resultiert dann schon mal in einem etwas harschen Ton gegenüber unerfahrenen Neulingen. Die bessere Strategie ist also, sich erst an der Floßlände die nötigen Skills zu erarbeiten bevor man das Biest im Englischen Garten bezwingt.

Helden

Nach eigenen Angaben war Arthur Pauli einer der ersten, die vor vierzig Jahren das Surfpotential der Münchner Flüsse erkannte. Wie damals alles angefangen hat, erzählt er hier. Heute sind es Dudes wie Gerry Schlegel und Tao Schirrmacher, die das Riversurfen auf ein neues Niveau heben. Tao gibt dem Riversurfen eine weitere Komponente, indem er Dinge aus dem Fluss fischt und zu einer eigenen Ausstellung zusammenstellt. Teile davon kann man hier sehen. Bei den Ladies hat sich vor allem Laura Haustein einen Namen am Eisbach gemacht.

Wichtiges Smalltalk-Wissen

Alles, was du je über die Geschichte des Riversurfens in München wissen willst, beleuchtet „Keep Surfing“ von Regiesseur Bjoern Richie Lob. Zum Trailer geht’s hier entlang.

Riversurfing eignet sich perfekt für alle, die…

… eigentlich Hawaiianer sind, aber im Körper eines Münchner Studenten stecken. Sie finden im Riversurfing eine kreative Spielwiese, die Sport und Rebellentum perfekt verbindet.

 

Könnte man doch eigentlich mal ausprobieren. Jetzt weißt du ja wo’s geht.

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