Gold-Hoffnung Dreßen exklusiv über den Druck bei Olympia
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München und Pyeongchang - Thomas Dreßen steht seit seinem Coup bei der Abfahrt in Kitzbühel im Rampenlicht. Bei SPORT1 spricht er über seine persönlichen Ziele bei Olympia und die Zeit danach.

Der sensationelle Sieg auf der Streif katapultierte Thomas Dreßen Ende Januar mit einem Schlag ins Rampenlicht.

Auf der berühmten Abfahrtsstrecke in Kitzbühel holte der 24-Jährige in Kitzbühel nicht nur seinen ersten Weltcup-Sieg, er trug sich in die Geschichtsbücher seines Sports ein. Seine Rekordfahrt bedeutete den ersten Abfahrtssieg für einen deutschen Fahrer seit 14 Jahren, den ersten deutschen Erfolg auf der Hahnenkamm-Abfahrt seit Sepp Ferstl im Jahr 1979.

Mit diesem historischen Erfolg im Rücken tritt Dreßen nun zu seinen ersten Olympischen Spielen in Pyoengchang an. Dort will er beweisen, dass der Sieg auf der Streif keine Eintagsfliege war. Allerdings muss er sich noch etwas gedulden - die Abfahrt am Sonntag um 3 Uhr deutscher Zeit wurde wegen starken Windes abgesagt. (Zeitplan der Olympischen Spiele)

Er hat prominente Fans: US-Ski-Legende Bode Miller zählt ihn in Südkorea sogar zu den Medaillenkandidaten. Im SPORT1-Interview spricht Dreßen über den Trubel nach seinem Kitzbühel-Coup und seine persönlichen Ziele für Pyoengchang.

SPORT1: Sie haben aufregende Tage und Wochen hinter sich. Können Sie sich erinnern, wie viele Autogramme Sie in der letzten Zeit geschrieben haben?

Thomas Dreßen: Nein, nicht wirklich. Aber ich freue mich über jedes, das ich geben darf, über jeden, der eines von mir möchte. Ich hoffe, dass ich die Erwartungen der Fans erfülle.

SPORT1: Wie anstrengend war die letzte Zeit für Sie - gerade nach dem Sieg in Kitzbühel und dem Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen?

Dreßen: Weniger anstrengend als man vielleicht glauben würde, denn es waren nur zwei zusätzliche TV-Termine. Ansonsten haben wir es von den Interviews relativ ruhig gehalten. Von dem her war es kein Stress.

SPORT1: Sie haben einen der größten Siege der jüngeren deutschen Alpin-Geschichte gefeiert. Haben Sie überhaupt schon realisiert, welche Tragweite dieser Sieg auch für den deutschen Skisport hat?

Dreßen: Nein. Aber das ist jetzt auch nichts, womit ich mich wirklich befasse. Für mich geht es letztendlich um meine Leistung und den Erfolg des Teams. Der ist ja das ganze Jahr über schon vorhanden und es freut mich natürlich extrem, dass ich in Kitzbühel gewonnen habe. So wirklich realisiert, was da passiert ist, habe ich aber noch nicht. Aber dazu habe ich nach der Saison noch genügend Zeit.

SPORT1: Sie sind über Nacht zur deutschen Ski-Hoffnung bei Olympia geworden. Wie schwierig ist es, mit dieser Erwartungshaltung umzugehen?

Dreßen:  Druck hat man nur, wenn man ihn auch zulässt. Ich selber mache mir aber nicht wirklich Druck. Ich sehe mich weiterhin als Außenseiter. Das ist als Kitzbühel-Sieger natürlich ein wenig schwieriger, aber ich bin noch relativ jung und von daher auch noch nicht so erfahren wie manch Anderer. Ich probiere einfach weiterhin meine Leistung zu bringen und dann schauen wir, was dabei rauskommt.

SPORT1: Haben Sie spezielle Personen in ihrem Umfeld, die Ihnen helfen, den Fokus zu bewahren, Leute, die Sie davor bewahren, überhaupt ansatzweise abzuheben?

Dreßen: Grundsätzlich glaube ich nicht, dass ich der Typ bin, der abhebt. Trotzdem schauen unsere Betreuer und das Trainerteam von Haus aus darauf, dass wir alle bodenständig sind. Ich bin aber auch so erzogen worden. Von daher glaube ich auch nicht, dass da eine Gefahr besteht.

Thomas Dreßen bei seinem Sieg im Januar in Kitzbühel
Thomas Dreßen bei seinem Sieg im Januar in Kitzbühel © Getty Images

SPORT1: Hätten Sie sich so eine schnelle Entwicklung erträumt?

Dreßen: Als Athlet will man immer das Beste. Dass das jetzt in so kurzer Zeit geklappt hat, freut mich natürlich. Ganz oben bin ich ja aber noch nicht, und letztendlich geht es darum, dort hin zu kommen und sich auch dort zu halten.

SPORT1: Bode Miller hat im SPORT1-Interview gesagt, Sie gehören für ihn zu den Olympia-Favoriten. Was sagen Sie dazu? Ist eine Medaille ihr klares Ziel?

Dreßen: Grundsätzlich denke ich, dass das jeder, der bei Olympia dabei ist, irgendwo als Ziel hat. Ich gehe aber nicht mit dem Gedanken dorthin, dass ich auf Biegen und Brechen eine Medaille gewinnen muss. Wie ich immer sage, ist meine persönliche sportliche Leistung mein Ziel. Dass ist das, was ich beeinflussen kann. Auf alles andere habe ich keinen Einfluss. Für mich ist das Wichtigste, dass ich meine Leistung bringe. Und wenn ich die am Ende des Tages gebracht habe, muss ich mit dem Ergebnis zufrieden sein. Was dann letztendlich rauskommt, werden wir sehen.

SPORT1: Was bedeutet Olympia für Sie? Es ist ihre erste Teilnahme, welche Gefühle löst der Gedanke an Olympia in Ihnen aus?

Dreßen: Erstens macht es mich stolz, dass ich dabei sein darf, und zweitens probiere ich natürlich, mein Land würdig zu vertreten. Dadurch steht wiederum meine Leistung im Vordergrund, und die versuche ich abzurufen.

SPORT1: Und wenn die Leistung stimmt, wird die Hütte noch mehr abgerissen als nach dem Kitzbühel-Sieg?

Dreßen: Das weiß ich noch nicht. Das hängt davon ab, wie gut man in Korea feiern kann.

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