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Nord- und Südkorea demonstrierten bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang © Getty Images
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Das Fazit der internationalen Presse nach Ende der Olympischen Winterspiele fällt zweigeteilt aus. Die Einigkeit wird gelobt, die Atmosphäre kritisiert. SPORT1 fasst die Reaktionen zusammen.

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang werden von der Weltpresse einerseits als erfolgreiche, effiziente "Messe des Wintersports" sowie als "historische Schau der Einigkeit" beschrieben.

Kritisiert wird aber auch die mitunter "sterile" Atmosphäre. Zudem trüben kritische Stimmen zur anstehenden Begnadigung des Russischen Olympischen Komitees trotz erneuter Dopingfälle in Südkorea das Bild.

SPORT1 zeigt die internationalen Pressestimmen nach dem Ende der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang.

USA

USA Today: "Nach der historischen Schau der Einigkeit erscheint alles möglich. (...) Die Winterspiele endeten Sonntagabend mit einem beeindruckendem Aufgebot aus Licht, Farben und Freude, eine Show, die passte zu den Spielen, die für ihre Effizienz, ihre Anständigkeit und ihre Möglichkeiten in Erinnerung bleiben werden. (...) Lassen Sie die Chemiker los, und lagern Sie den Urin, denn das IOC schert sich wirklich überhaupt nicht um Doping. Das ist der einzige Weg, die Entscheidung zu verstehen, dass die russische Suspendierung aufgehoben wird, sobald die Party in Pyeongchang vorbei ist."

Los Angeles Times: "Mit den Spielen von Pyeongchang endet auch der Mythos von fairen Wettbewerben. (...) Die neutrale Flagge wurde mit den anderen Flaggen zur Schlussfeier ins Stadion geführt. (...) Diese unbehaglichen Momente sind das, was man von dieser Zeremonie in Erinnerung behalten wird, nicht die K-Pop-Auftritte, Botschaften der Hoffnung und Solidarität oder extravagante Feuerwerke."

Italien

La Repubblica: "Die Messe des Wintersports ist zu Ende, wir können in Frieden gehen. Adieu Korea, ein Land, das sich auf Eis wiedervereint. Der Rest wird später auftauen. Die Kriegswinde sind weit entfernt. Der Sport hilft, um sich wiederzufinden, und das ist nicht nur eine Metapher. Ein Land, das seit 1953 getrennt ist und keine Beziehung außer einer Grenze hatte, spielt wieder zusammen Eishockey, was macht es schon aus, wenn es verliert."

Gazzetta dello Sport: "Um diese Olympischen Winterspiele zu bewerten, muss man sich die italienischen Protagonisten genau anschauen. Arianna Fontana, Sofia Goggia und Carolina Kostner sind die Königinnen dieser Winterspielen, bei denen die Männer wenig geglänzt haben."

England

Guardian: "Es droht ein böses Erwachen nach dem Ende der Spiele. Das Erbe der 'Friedensspiele' erscheint dubios, mit steigenden Kosten und den wieder zunehmenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel."

Österreich

Der Standard: "Südkorea hat seine zweiten Spiele nach jenen im Sommer 1988 nahezu perfekt organisiert. (...) Wenn Skispringen um Mitternacht enden oder Eiskunstlauf als Matinee läuft, braucht sich niemand über schwachen Zuspruch zu wundern. Dass Skirennen in einem Land der Nichtskifahrer für Massenbesuch sorgen würden, war nicht zu erwarten gewesen. (...) Es kann gut sein, dass die Spiele von Pyeongchang, die jetzt als nur grundsolide, aber nicht als faszinierend beschrieben werden, in vier Jahren wehmütige Erinnerungen wachrufen."

Kurier: "So geteilt wie die koreanische Halbinsel ist, so geteilt sind die Meinungen über diese Winterspiele. Die Vertreter der Nationen, die sich für den Eissport erwärmen können, gerieten regelrecht ins Schwärmen. Aus den Alpinnationen wie Österreich war hingegen großes Wehklagen über den fehlenden Olympia-Spirit zu vernehmen."

Schweiz

Neue Zürcher Zeitung: "Pyeongchang wird als Fußnote in die Liste der Olympiagastgeber eingehen. Wie die knapp 10.000 Einwohner zählende Gemeinde, die dem Anlass den Namen lieh, waren die ganzen Spiele eine Art Potemkinsches Dorf mit viel Kulisse und wenig Hintergrund. Den Koreanern fehlt die Sportbegeisterung von Norwegern oder Kanadiern, die die Spiele 1994 in Lillehammer und 2010 in Vancouver zum Erlebnis machten."

Blick: "Die Begeisterung für diese Spiele ist nicht übergeschwappt. Das hat zum einen mit der sterilen Atmosphäre in Korea zu tun. (...) Weit dramatischer: Viel zu viele Menschen stören sich am Gigantismus. Sie stören sich an den Schönrednern vom Internationalen Olympischen Komitee. An diesem Altherrenklub mit Thomas Bach an der Spitze, der alle Kritik weglächelt. Sie stören sich an den leeren Versprechungen, vom Gigantismus abzurücken. Und am Ende dann trotzdem den Kommerz und die 'neuen Märkte' als wichtigstes Argument zu sehen. Jetzt wird sich das IOC auch als Vermittler im Korea-Konflikt feiern. Mumpitz. Dieses Verhältnis wird nach den Spielen wieder so frostig sein wie zuvor."

Norwegen

Aftenposten: "Marit Björgen wurde zur Größten, Norwegen zu den Besten. Und nun ist alles Geschichte. Kein Wort wird während der Olympischen Spiele fleißiger benutzt. In jedem Fall wurde norwegische Sportgeschichte geschrieben, und wir nehmen mehr Medaillen mit als bei allen Winterspielen zuvor. Die Wettbewerbe sind seit 1994 mehr geworden, aber das Ergebnis ist dennoch das Größte."

Dagbladet: "Zusammengehörigkeit und Loyalität haben Norwegen zu einer Sensation in den Bergen gemacht. In zwei Wochen haben die olympischen Leistungen eines Mini-Landes mit 5,3 Millionen Einwohnern die Sportwelt verblüfft. Denn wie ist es möglich, dass das kleine Norwegen im Wintersport die USA aussticht, obwohl es viel mehr Amerikaner als Norweger gibt, die Ski fahren?"

Schweden

Expressen: "IOC-Boss Thomas Bach hielt eine lange, langweilige Rede in der er davon sprach, dass wir alle Freunde wären und wie wichtig es ist, die Spiele abzuhalten. Das ganze Spektakel wurde zur Erinnerung daran, dass der Sport in vielerlei Hinsicht eine Flucht aus der Realität ist. Eine aufwühlende, wilde und verlockende Flucht aus der Realität. Nach der wir uns trotz allem sehnen. Nun fühlt es sich etwas anstrengend an, dass es bis Peking 2022 vier lange Jahre sind."

Niederlande

AD: "Die gute Nachricht zuerst: In den vergangenen zwei Wochen flogen keine nordkoreanischen Testraketen durch die Luft, und es wurden auch keine Atomtests durchgeführt. Nach Meinung von politischen Beobachtern hat Kim Jong Un diplomatisches Gold gewonnen."

Trouw: "Was bleibt in der Region? In Pyeongchang, der ärmsten Region Südkoreas, stehen nun verschiedene Stadien, die Millionen gekostet haben. Zum Glück ist das olympische Stadion, das in den Bergen liegt, ein Pop-Up-Exemplar, das nach vier Veranstaltungen wieder abgebaut wird. Südkorea hofft, dass sich in dieser Region der Tourismus entwickelt, auch als Folge des Hochgeschwindigkeitszuges, der von Seoul aus gebaut worden ist."

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