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IOC-Präsident Thomas Bach gibt sich beim Thema Tokio 2020 weiter zuversichtlich
IOC-Präsident Thomas Bach gibt sich beim Thema Tokio 2020 weiter zuversichtlich © Getty Images
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Thomas Bach gibt sich beim Thema Tokio 2020 weiter zuversichtlich. Doch die Situation in Belarus und im Gewichtheber-Weltverband IWF bereiten dem IOC-Präsidenten Sorge.

Viel Lob für die Olympia-Organisatoren, deutliche Worte in Richtung Belarus und Gewichtheber-Weltverband IWF:

Während Thomas Bach neuneinhalb Monate vor den Sommerspielen in Tokio trotz Corona-Pandemie und millionenschwerem Sparpaket demonstrativ Zuversicht zur Schau stellte, bereiten dem IOC-Präsidenten Berichte über Diskriminierungen in Belarus und beratungsresistente Sportverbände Sorgen. 

Umgerechnet 240 Millionen Euro sollen eingespart werden

Zuvor hatten die Olympia-Organisatoren die Zustimmung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gefunden. Umgerechnet 240 Millionen Euro wollen sie mit einem mehr als 50 Punkte umfassenden Maßnahmenpaket einsparen.

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"Jetzt, da wir in einer COVID-19-Welt leben, müssen wir uns die Frage stellen, ob das glitzernde Event, das wir bisher als normal angesehen haben, noch geeignet ist. Wir sind an einem Wendepunkt angekommen", sagte OK-Präsident Toshiro Mori am Mittwoch.

"Wir haben einen sehr präzisen und ermutigenden Bericht gehört", sagte Bach nach der IOC-Exekutivsitzung: "Es gab einen großen Fortschritt in den Bemühungen, die Olympischen Spiele fit für die Welt nach Corona zu machen."

Wie hoch das Gesamtbudget der Spiele ist, ist noch offen. Bisher wurden die zusätzlichen Kosten durch die Verlegung nicht öffentlich beziffert.

Nach Angaben der Organisatoren soll es bis Ende des Jahres ein überarbeitetes Budget geben, in dem auch die Kosten der Verlegung und der Zusatzmaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie berücksichtigt sind.

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IOC-Präsident Bach beunruhigt über die Lage in Belarus

Bereits im September waren erste Pläne zur Kostenreduzierung bekannt geworden. So soll es unter anderem weniger Personalkosten, weniger Ausgaben für Feierlichkeiten und weniger Dekoration der Sportstätten geben.

Auch sollen 10 bis 15 Prozent weniger akkreditierte Personen an den Spielen teilnehmen. Athleten sind davon nicht betroffen.

Derzeit erarbeitet eine Corona-Taskforce in Japan zudem Pläne, wie während der Spiele mit der Pandemie umgegangen werden könnte. Bach zeigte sich hoffnungsvoll, dass man in Zukunft Schnelltests und Impfstoffe zu den möglichen Anti-Corona-Werkzeugen hinzufügen könne.

Nach Berichten über politisch motivierte Diskriminierung von Sportlern zeigte sich Bach allerdings beunruhigt über die Lage in Belarus. Man habe mehrere Beschwerden von Athleten über das Nationale Olympische Komitee (NOK) beziehungsweise über angeschlossene Sportverbände des Landes erhalten. 

Der umstrittene Staatschef Alexander Lukaschenko, gegen den seit Wochen protestiert wird, ist auch Präsident des belarussischen NOK. In der vergangenen Woche war die bekannte Basketballerin Jelena Leutschanka wegen Protesten gegen Lukaschenko festgenommen worden.

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Gewichtheber-Weltverband IWF droht Ärger 

"Wir nehmen unser Mandat sehr ernst, um sicherzustellen, dass jedes NOK die Olympische Charta respektiert", sagte Bach: "Was wir hören, ist, dass Athleten sagen, dass sie von ihrem NOK aus politischen Gründen diskriminiert werden. Nicht-Diskriminierung ist ein grundlegender Wert der olympischen Bewegung. Deshalb sind wir so besorgt."

Auf die Frage, ob dem Land ein Ausschluss von den Olympischen Spielen in Tokio drohe, sagte Bach: "Ich denke, die Olympische Charta ist sehr klar: Ein NOK muss regelkonform sein. Im Falle einer Verletzung der Charta wird das IOC die Maßnahmen und Sanktionen ergreifen, die in der Charta vorgesehen sind."

Ärger droht nach jahrzehntelanger Misswirtschaft unter dem ehemaligen Präsidenten Tamas Ajan auch dem Gewichtheber-Weltverband IWF.

Zwar seien im Bereich der Anti-Doping-Arbeit Fortschritte zu erkennen, sagte Bach, allerdings habe man beim Thema guter Verbandsführung "starke Bedenken". Es gebe kaum Fortschritte bei den notwendigen Reformen der Verbandssatzung und bei der Akzeptanz unabhängiger Beratung.

"Wir werden diese Bedenken der IWF mitteilen", sagte Bach: "Wir werden weiterhin mitteilen, dass wir uns das Recht vorbehalten - wenn notwendig - weitere Maßnahmen zu ergreifen. Dies beinhaltet auch, den Platz des Gewichthebens im Programm der Olympischen Spiele 2024 in Paris zu überprüfen."

Der umstrittene Langzeit-Präsident Ajan war im April angesichts der schweren Vorwürfe der Doping-Vertuschung und Untreue zurückgetreten.

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