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Prokop trat Bach (Foto) gegenüber häufig kritisch auf
Prokop trat Bach (Foto) gegenüber häufig kritisch auf © AFP/SID/BEHROUZ MEHRI
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Clemens Prokop, früherer Präsident des DLV, beurteilt die Zwischenbilanz des wiedergewählten IOC-Chefs Thomas Bach kritisch.

Clemens Prokop, früherer Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), beurteilt die Zwischenbilanz des wiedergewählten IOC-Chefs Thomas Bach kritisch. Bach sei vor acht Jahren "mit großem Elan gestartet" und habe im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) durchaus Reformen angestoßen, "allerdings ist seine Leistung dann ganz stark getrübt worden durch den Umgang mit dem Doping-Skandal in Russland", sagte Prokop dem Donaukurier.

"Es gibt also eine Bilanz, die Licht und Schatten aufweist. Nur darf man die Schattenseiten bei dem Jubel, der ihm jetzt innerhalb des IOC entgegenbrandet, nicht übersehen", sagte der 63-Jährige. Selten sei "der Widerspruch zwischen den Worten von Thomas Bach und seinen Taten so eklatant zum Ausdruck gekommen wie im Fall Russland".

Auch mit Blick auf die Athletinnen und Athleten stellt er Bach ein schlechtes Zeugnis aus. "Es genügt nicht, die Interessen der Athleten in Reden zu betonen. Man muss für sie kämpfen, man muss für sie einstehen. Das habe ich in dem Zusammenhang bei Thomas Bach vermisst", sagte Prokop, der trotz der Beteuerungen des IOC-Präsidenten "eine Reihe von Fragezeichen" für die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) sieht.

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"Es ist nach wie vor eine kritische Situation: Zum einen ob bei der sich jetzt wieder abzeichnenden dynamischen Entwicklung der Pandemie Spiele für die Athleten überhaupt möglich sind", sagte Prokop: "Zum anderen stellt sich die Frage, ob in der Vorbereitung auf diese Spiele Chancengleichheit besteht."

Für Bachs zweite Amtszeit in den kommenden vier Jahren hat Prokop keine großen Hoffnungen auf einen Kurswechsel. "Ich denke, Thomas Bach wird seine Sportpolitik so fortsetzen, wie er es in den letzten acht Jahren gemacht hat und wie es ihm auch innerhalb des IOC als großer Erfolg angerechnet wird", sagte er. Prokop hofft allerdings, "dass das IOC sich seiner politischen Macht bewusst wird oder diese nutzt".

Prokop war von 2001 bis 2017 DLV-Präsident, Bach gegenüber trat er häufig kritisch auf. Im vergangenen März, wenige Tage vor der Verlegung der Sommerspiele ins Jahr 2021, hatte er Bachs Eignung als "Krisenmanager" infrage gestellt und ihm Konzeptlosigkeit vorgeworfen.

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