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Nils Politt (r.) musste sich beim Klassiker von Paris nach Roubaix im Endspurt Philippe Gilbert geschlagen geben
Nils Politt (r.) musste sich beim Klassiker von Paris nach Roubaix im Endspurt Philippe Gilbert geschlagen geben © Getty Images
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Nils Politt schnuppert in der Hölle des Nordens am Überraschungstriumph. Im Schlusssprint muss sich der Deutsche aber Philippe Gilbert geschlagen geben.

Dreckverschmiert, völlig fertig, aber überglücklich: Mit einem imposanten Kraftakt wie ein Stehaufmännchen hat Nils Politt bei der 117. Ausgabe von Paris-Roubaix einen Podestplatz eingefahren.

Der 25-Jährige musste nach 257 km durch die sogenannte "Hölle des Nordens" im Sprint nur dem Belgier Philippe Gilbert den Vortritt lassen und wurde starker Zweite.

"Das ist unglaublich", sagte der völlig entkräftete Politt (Katusha-Alpecin) nach der Zieldurchfahrt im altehrwürdigen Velodrom von Roubaix am Mikrofon der ARD. Nach einer famosen Fahrt beim spektakulären Höhepunkt der Klassikersaison überwogen beim Kölner die Glücksgefühle. "Gegen Gilbert zu verlieren ist keine Schande", sagte Politt, nachdem er seine Frau innig umarmt hatte.

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Politt zeigt sein Kämpferherz

Politt glänzte mit einer besonderen Widerstandsfähigkeit, kämpfte sich immer wieder verbissen heran, wenn er den Anschluss an die Spitze zu verlieren drohte. Im fürchterlich anspruchsvollen Sektor "Carrefour de l'Arbre" schien er erneut zurückzufallen, bevor er nicht vorhanden geglaubte Kräfte mobilisierte und sich zusammen mit Gilbert löste.

"Ich bin glücklich, dass ich mich getraut habe, einen Angriff zu wagen. Ich habe gedacht: alles oder nichts", sagte Politt, dem im Endspurt die Kraftreserven für den Sieg fehlten: "Gilbert hat gepokert, und ich war einfach nicht mehr endschnell." Für das Team Katusha ist das Ergebnis besonders wegen der Formschwäche von Topsprinter Marcel Kittel wie Balsam auf die geschundene Seele.

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Gut 60 Kilometer vor dem Ziel entwickelte sich die entscheidende Rennsituation. Politt, zuletzt schon starker Fünfter bei der Flandern-Rundfahrt, verschärfte in einer Verpflegungszone das Tempo und forderte die Top-Favoriten um den dreimaligen Weltmeister und Vorjahressieger Peter Sagan heraus.

Sagan und Degenkolb gehen leer aus

Der Slowake aus der deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe reagierte und fuhr mit den Belgiern Wout van Aert (Jumbo-Visma), Yves Lampaert (Deceuninck-Quick Step) sowie Sep Vanmarcke (EF Education First) zur Spitze, wo sich neben Politt auch Ex-Weltmeister Gilbert (Quick Step) befand. John Degenkolb verpasste diese Attacke und kam nicht an die Spitze heran, der 30-Jährige vom Team Trek-Segafredo hatte das Rennen 2015 als erst zweiter Deutscher nach Josef Fischer im Jahr 1896 gewonnen.

29 der berühmt-berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen über insgesamt 54,5 km Länge waren diesmal zu bewältigen - deren Folgen spüren die Profis noch tagelang. "Nach dem Rennen sind meine Finger so taub und die Gelenke so angeschwollen, dass ich den Drehverschluss einer Wasserflasche nicht mehr aufbekomme", erzählte Degenkolb, der am Ende als 28. über die Ziellinie rollte.

Schwere Stürze von van der Hoorn und Keisse

Wie jedes Jahr gehörten auch schwere Stürze zum Renngeschehen. Unter anderem erwischte es den Niederländer Taco van der Hoorn (Jumbo-Visma) heftig, auch der belgische Routinier Iljo Keisse (Quick Step) war betroffen.

Ein ähnliches Drama wie 2018, als der Belgier Michael Goolaerts nach einem Herzinfarkt während des Rennens stürzte und verstarb, blieb glücklicherweise aus.

Das Tempo war von Beginn an hoch, es entbrannte ein zäher Kampf um die beste Ausgangslage für die "Pave"-Sektoren und es dauerte entsprechend lange, bis sich eine Spitzengruppe formierte. In dieser versammelten sich dann gleich einige aussichtsreiche Profis wie auch Politt, der Teamkollege Marco Haller mit an seiner Seite hatte. Das Feld dahinter ließ der Gruppe wenig Spielraum, aber Politt hatte noch weiter Trümpfe in der Hinterhand.

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