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Radsport: Nils Politt läutet Generationswechsel nach Coup in Roubaix ein
Nils Politt fährt für das Team Katusha-Alpecin © Getty Images
Lesedauer: 3 Minuten
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Nils Politt steht nach seinem Husarenritt bei Paris-Roubaix sinnbildlich für den Generationswechsel im deutschen Radsport. Ein Konkurrent zollt ihm Respekt.

Für seine Heldentat in der "Hölle des Nordens" belohnt sich Nils Politt mit ein paar entspannten Tagen am Chiemsee.

Der Kölner sammelt mit seiner schwangeren Frau Annike in Oberbayern neue Kräfte für neue Ziele. Das herausragende Rennen vom Sonntag hat Politt auch für künftige Starts bei Paris-Roubaix angestachelt. "Ich werde wiederkommen und versuchen, den großen Stein zu holen", kündigte der 25-Jährige an.

Einstweilen beglückte Politt die kleinere Version der berühmten Trophäe, die er für Rang zwei erhielt. Doch die Verantwortlichen bei Katusha-Alpecin sind sicher, dass sie einen Klassikerchampion von morgen im Team haben. "Er wird garantiert in der Zukunft Monumente gewinnen, er ist der kommende Mann", sagte der belgische Katusha-Sportdirektor Dirk Demol, ein Experte für diese Art des anachronistischen Wettstreits.

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Konkurrent lobt Politt: "Nicht totzukriegen"

Was Politt über die mehr als 50 km auf mittelalterlichen Holperpisten in Nordfrankreich bot, war ein Beispiel für nimmermüden Kampfgeist und außergewöhnliche Willenskraft. Mehrfach schien Politt auf den gefürchteten Kopfsteinpflaster-Abschnitten die Energie zu verlassen, doch er bäumte sich immer wieder auf. Lohn war der Sprint um den Sieg gegen den Belgier Philippe Gilbert.

"Er ist einfach nicht totzukriegen. Da, wo andere zehnmal aufgeben, fährt Nils einfach weiter. Bei so einem Rennen ist das Gold wert", sagte Teamkollege Rick Zabel, der mit Politt regelmäßig im Kölner Raum trainiert. Auch der Sohn von Erik Zabel findet, dass noch vieles möglich ist, "wenn man sieht, dass der Junge erst 25 ist. Nils weiß selber nicht, wie stark er ist."

Generationswechsel im deutschen Radsport?

Dass Paris-Roubaix, die sogenannte Königin der Klassiker, ein Rennen nach seinem Geschmack sein würde, ahnte Politt bereits in jungen Jahren. Obwohl er bei der U23-Version mehrere Stürze erleiden musste, sagte er damals zu seinem Vater: "Ich komme hierher zurück." Beim ersten Start als Profi 2016 erreichte Politt das Ziel im altehrwürdigen Velodrom noch nicht, 2017 war er dann 27., im letzten Jahr 7. und diesmal Zweiter. 

Politts Auftritt war überdies ein Beleg für den bevorstehenden Generationswechsel im deutschen Radsport. Zwar haben John Degenkolb (30) oder der in einer Formkrise befindliche Marcel Kittel (30) weiter das Potenzial für Top-Leistungen, doch die Wachablösung zeichnet sich ab. "Ich denke, wir arbeiten uns gerade ran", sagte Politt.

Vaterfreuden bei Politt

Neben dem starken Allrounder trumpften dieser Tage beim deutschen Team Bora-hansgrohe auch Emanuel Buchmann (26) und Max Schachmann (25) auf, der deutsche Meister Pascal Ackermann (25) ist einer der kommenden Sprintstars. Andre Greipel (36) und Zeitfahr-Spezialist Tony Martin (33) befinden sich im Karriere-Herbst. "Es ist gut, dass in Deutschland auch junge Fahrer Erfolge einfahren", urteilte Politt, der die nächste Duftmarke am 1. Mai bei Eschborn-Frankfurt setzen möchte.   

Danach steht die Kalifornien-Rundfahrt als erste Station auf dem Weg zur Tour de France im Programm. Am Sonntag galt Politts Aufmerksamkeit nach einer kurzen Ansprache und einem Glas Sekt im Mannschaftsbus wieder ganz seiner schwangeren Frau. Dass der errechnete Geburtstermin auf die Tour fällt, quittierte Politt lächelnd. Künstlerpech.

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