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Giro d' Italia: Pascal Ackermann stellt sogar Sagan in Schatten
Pascal Ackermann feierte bereits zwei Etappensiege beim Giro d' Italia © Getty Images
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Pascal Ackermann sorgt derzeit beim Giro d' Italia für Furore und lässt sogar Teamkollege Peter Sagan hinter sich. Die One-Man-Show des Slowenen ist vorbei.

Der märchenhafte Aufstieg von Pascal Ackermann beim Giro d'Italia passt ins Bild.

Das deutsche Team Bora-hansgrohe ist mit einer erstaunlichen Leistungsdichte unter den besten Radsport-Mannschaften der Welt angekommen - und längst keine One-Man-Show mehr.

"Am Anfang war es das Team von Peter Sagan", sagt Senkrechtstarter Ackermann, "man merkt gerade, dass sich etwas verändert."

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Es sind nicht nur die Triumphe des jungen Pfälzers, es sind auch die begeisternden Auftritte von Maximilian Schachmann und die anhaltend positive Entwicklung von Emanuel Buchmann, die dem Rennstall mit Sitz im oberbayerischen Raubling eine derzeit außergewöhnlich positive Resonanz bescheren. 23 Bora-Siege sind es in der laufenden Saison bereits, nur Deceuninck-Quick Step (29) hat mehr, und gut die Hälfte holten die drei (Super-)Männer.

Ackermann, Buchmann und Schachmann im Fokus

Mit den Erfolgen der einheimischen Fahrer wächst für Bora die Aufmerksamkeit hierzulande. "Die mediale Präsenz ist höher, wenn ein Deutscher gewinnt", stellt Teamchef Ralph Denk fest. Auf Schachmann, dem ein außergewöhnliches Rundfahrertalent attestiert wird, fokussiert sich einiges, doch im Moment sticht Ackermann heraus. "Was das Interesse angeht, sind bei mir Welten zwischen letztem und diesem Frühjahr", sagt er selbst.

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Ackermann führt wie Denk zahlreiche strategische Veränderungen ins Feld, die in der Debütsaison (2017) des aufstrebenden Sprinters angestoßen wurden. "Es ist alles durchdacht, wir haben fünf Trainer, die weltklasse sind", erklärt Ackermann. Dazu wird viel Zeit und Energie in Windkanaltests oder die Entwicklung der optimalen Bekleidung gesteckt. Denk verdeutlicht: "Wir haben in vielen Bereichen gut und hart gearbeitet und quergedacht. Es kommt jetzt eins zum anderen."

Denk hat die ersten, schwierigen Schritte auf diesem Weg noch in einem weit weniger durchprofessionalisierten Umfeld vollzogen - eine Erfolgsgeschichte wie die aktuelle war damals nicht absehbar. 2010 hob er die Equipe als Team NetApp aus der Taufe, zwei Jahre später stand die Mannschaft erstmals bei der Italien-Rundfahrt am Start, 2014 folgte das Debüt bei der Tour de France.

Sagan bringt Rennstall Aufmerksamkeit

Den Durchbruch und große internationale Beachtung erfuhr die Mannschaft aber erst, als zur Saison 2017 der Popstar der Branche verpflichtet wurde. Mit dem Slowaken Peter Sagan stieß Bora in neue Sphären vor, doch die geschätzt vier Millionen Euro Jahresgage für den dreimaligen Weltmeister banden viel Budget. "Es blieb uns gar nichts übrig, als junge Fahrer zu entwickeln", sagt Denk.

Maximilian Schachmann
Maximilian Schachmann ist der zweite deutsche Hoffnungsträger © Getty Images

Buchmann und Ackermann waren die ersten ganz jungen Top-Talente, die den Weg zu Bora fanden. Das Team setzte auch auf sie, weil Transfers der deutschen Stars wie Marcel Kittel, John Degenkolb oder Tony Martin nicht zustande kamen. "Das jetzt ist aber die schönere Geschichte, wir ernten die Früchte", sagt Denk, ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme mit.

Das Team hat es mit seinen beiden bis Ende 2021 (Bora) bzw. 2020 (hansgrohe) gebundenen Hauptsponsoren geschafft, eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen - offenkundig ein Faustpfand. "Wenn wir zu Rennen fahren, dann ist es so, als würden wir Kumpels treffen. Das ist mir extrem wichtig", betont Ackermann, der seine Giro-Siege der nicht zuletzt formidablen Vorarbeit von Michael Schwarzmann und Rüdiger Selig verdankt. Ende vorläufig nicht in Sicht.

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