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John Degenkolb (M.) wird im Sprint auf den Champs-Elysees Zweiter
John Degenkolb (M.) wird im Sprint auf den Champs-Elysees Zweiter © Getty Images
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Geraint Thomas macht seinen Tour-Triumph perfekt, entthront den bisherigen Sky-Dominator Chris Froome. John Degenkolb verpasst beim Paris-Finale den Sieg hauchdünn.

Geraint Thomas zeigte die Siegerfaust, dann rollte er Arm in Arm mit dem geschlagenen Titelverteidiger Chris Froome über die Ziellinie in Paris. Der alte applaudierte dem neuen Champion der Tour de France aus dem alles dominierenden Team Sky gar anerkennend.

Zum sechsten Mal in sieben Jahren ging der Tour-Sieg an die britische Equipe. Diesmal jedoch trug der Waliser Thomas auf den Champs Elysees das Gelbe Trikot, er entthronte seinen Teamkollegen, der in der Niederlage Größe zeigte.

John Degenkolb in Paris knapp geschlagen

John Degenkolb sprintete nur hauchdünn an einem deutschen Happy End vorbei, war völlig außer Puste und trotz des zweiten Platzes beim Tour-Schlussakkord mit sich im Reinen. "Es war ein guter Sprint von mir, die Vorbereitung durch die Mannschaft hat wie gewünscht geklappt. Ich habe alles rausgelassen, aber ein anderer war stärker", sagte Degenkolb in der ARD: "Es hat nicht viel gefehlt, aber eben ein bisschen."

Dieser andere war der Norweger Alexander Kristoff, der amtierende Europameister, er überspurtete Degenkolb erst auf den letzten Metern. Zwei Wochen nach seiner Sternstunde in Roubaix hatte der nahe Frankfurt lebende Thüringer nach den letzten 116 km des wichtigsten und größten Radrennens der Welt im prestigeträchtigen Sprint auf dem Prachtboulevard nur beinahe die größten Reserven.  

Triumphator Thomas war bei seiner "Tour d'Honneur" in Champagnerlaune, stieß bereits auf dem Weg ins Zentrum von Paris mit seinen Kollegen an und posierte auch mit Froome für Siegerfotos. Die erfolgsverwöhnten deutschen Radstars mussten sich dagegen mit einem Etappensieg Degenkolbs begnügen.

Ex-Sieger schon raus

Die Sieger der vergangenen Jahre hatten den Massensprint in Paris diesmal gar nicht erreicht. Die deutschen Top-Sprinter Marcel Kittel (2013, 2014) und Andre Greipel (2015, 2016) waren ebenso in den Alpen ausgeschieden wie Dylan Groenewegen (2017) und auch Mark Cavendish (2009 bis 2012).

Nach der traditionellen Einrollphase auf dem Weg ins Zentrum der französischen Hauptstadt entbrannte auf den verbleibenden der insgesamt 3351 Kilometern seit dem Tour-Start vor drei Wochen eine verbissene Hatz um den letzten Tagessieg. Ausreißer rechneten sich größere Chancen aus, weil die Phalanx der starken Sprinter diesmal ausgedünnt war.

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Thomas im sicheren Windschatten

Thomas hielt sich stets im Windschatten seiner Sky-Teamgefährten auf, um jeder Gefahr aus dem Weg zu gehen. Attackiert wurde sein Gelbes Trikot wie üblich nicht mehr. Der Kölner Nils Politt versuchte für das gebeutelte Team Katusha-Alpecin der längst ausgeschiedenen Kittel und Tony Martin noch einmal Akzente zu setzen, aber nicht zuletzt die deutsche Equipe Bora-hansgrohe des Slowaken Peter Sagan investierte viel Energie in den erhofften Massensprint.    

Der geschlagene Froome ertrug mit Stil den misslungen Versuch, als Erster seit dem unglückseligen Marco Pantani (1998) den Giro d'Italia und die Tour in einem Jahr zu gewinnen. Ohne Murren akzeptierte er Thomas' Überlegenheit und fügte sich in seine Rolle.

Diesmal trug er auf dem Schlussabschnitt nur die schon zur Gewohnheit gewordenen gelben Applikationen am Sky-Rennoutfit, im begehrenswerten Maillot jaune strahlte sein einstiger Edelhelfer. "Ich muss auch Froomey einen großen Dank aussprechen. Er hat sich am Ende meinem Sieg verschrieben", sagte Thomas.

Emotionen beim Sieg

Den letzten Hauch eines Zweifels an seinem Sieg hatte er beim Einzelzeitfahren nach Espelette zerstreut. Der Souverän dieser Tour hatte jederzeit alles im Griff und Rang drei hinter dem Niederländer Tom Dumoulin und Froome reichte am Samstag locker, um seinen Vorsprung zu behaupten. Einer innigen Umarmung mit seiner Frau folgte eine ebensolche mit dem umstrittenen Sky-Teamchef Dave Brailsford, bei der Thomas die Tränen kamen.

Weder durch das Tohuwabohu um die Salbutamol-Affäre von Froome, noch durch die permanenten Buhrufe und teils gar körperlichen Anfeindungen in Frankreich ließ sich die oft skeptisch beäugte, aber beherrschende Equipe dieses Jahrzehnts aus dem Tritt bringen. Sky und Thomas waren nicht zu gefährden, Brailsford prostete aus dem Auto mit einem triumphierendem Lächeln und erhobenem Daumen seinen Stars zu.

   

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