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Autofahren in Großbritannien stellt den deutschen Touristen vor einige Herausforderungen. SPORT1 zeigt, was unter anderem beim Linksverkehr zu beachten ist.

Fahren Sie mit einem Auto durch Großbritannien, müssen Sie sich im Straßenverkehr so stark umstellen, wie in keinem anderen europäischen Land. Schließlich müssen Sie sich nicht nur an ein an den Linksverkehr gewöhnen, sondern auch an ein anderes Längen- und Geschwindigkeitsmaß.

SPORT1 gibt Ihnen einige Tipps an die Hand, um den britischen Verkehr sicher zu meistern.

Tempolimits und Bußgelder in Großbritannien

Distanzen sind in Großbritannien in Meilen angegeben. Eine Meile entspricht etwa 1,6 Kilometern. Möchten Sie eine Strecke von Meilen annäherungsweise in Kilometer umrechnen, müssen Sie etwa die Hälfte dazuzählen. Gleiches gilt für Geschwindigkeitswerte. Sie werden in mph (miles per hour) angegeben.

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Es gelten die folgenden Geschwindigkeitsbegrenzungen:

  • Autobahnen & Schnellstraßen: 70 mph (112 km/h)
  • Landstraßen: 60 mph (96 km/h)
  • Innerorts: 30 mph (48 km/h)

Neben punktuellen Geschwindigkeitsmessungen gibt es in Großbritannien auch abschnittsbezogene Geschwindigkeitsmessungen. Dabei wird die Durchschnittsgeschwindigkeit gemessen, mit der sich ein Fahrzeug zwischen zwei Messpunkten bewegt hat. Die Abschnitte können zwischen etwa 300 Metern und 50 Kilometern lang sein. Da die Systeme automatisch die Fahrzeuge erfassen, kann sich kein Verkehrsteilnehmer der Kontrolle entziehen.Laut Angaben des Automobilclub von Deutschland (AvD) beträgt das Bußgeld bei einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts bis zu 1.167 Euro. Auf Autobahnen sind bis zu 5.834 Euro fällig.

SPORT1 rät: Halten Sie sich besser grundsätzlich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Sie können kaum vermeiden erwischt zu werden und die Strafen sind empfindlich hoch.

Laut Angaben des Automobilclub von Deutschland (AvD) beträgt das Bußgeld bei einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts bis zu 1167 Euro. Auf Autobahnen sind bis zu 5834 Euro fällig.

So funktioniert die Autobahnmaut

Die Nutzung britischer Straßen ist größtenteils gebührenfrei. Nur auf vereinzelten Teilabschnitten muss eine Maut bezahlt werden. Das betrifft unter anderem die M6 nördlich von Birmingham. Sie können die Maut dort bar in Euro oder britischen Pfund oder mit einer Kreditkarte zahlen. Nur für Vielfahrer lohnt sich, das elektronische Zahlungssystem zu nutzen. Es bringt bei jeder Buchung einen Rabatt von fünf Prozent. Die Leihe des für die Abrechnung notwendigen Geräts ist allerdings mit Gebühren verbunden.

Um manche Brücken und Tunnel benutzen zu können, müssen Sie ebenfalls eine Gebühr bezahlen. Da betrifft unter anderem die Dartford Crossing (M25). Hierbei müssen Sie beachten, dass Sie die Gebühr nicht mehr bar vor Ort zahlen können. Sie müssen sie entweder im Vorfeld oder bis spätestens 24 Uhr am Folgetag bezahlen. Dies geht online, per Post, telefonisch oder an einer Verkaufsstelle von Payzone.

Eine weitere Besonderheit bei der Mautabrechnung ist die Tamar Bridge (A28). Fahren Sie von Saltash nach Plymouth, fällt die Maut an. Die Gegenrichtung können Sie gebührenfrei benutzen.

Außerdem müssen Sie für diese Abschnitte eine Mautgebühr bezahlen (Gebühren für Pkw):

  • Humber Bridge (A15): 2,50 britische Pfund (2,90 Euro)
  • Tyne Tunnels (A19): 1,70 britische Pfund (1,97 Euro)
  • Dunham Bridge (A57): 0,40 britische Pfund (0,46 Euro)
  • Mersey Tunnels: 3.60 britische Pfund (4,18 Euro)

Bei diesen Straßen befinden sich die Mautstationen stets auf einer Seite des Abschnitts und werden vor Ort abgerechnet. Vielfahrer oder Verkehrsteilnehmer, die elektronische Abrechnungssysteme nutzen, erhalten Rabatte auf die Maut. Die Maut können Sie mit Bargeld oder mit einer Kreditkarte bezahlen.

Im März 2019 wurde die für Cleddau Bridge (A477) mautfrei erklärt. Die Angaben in gedruckten Reiseführern werden diese also noch ausweisen.

Besondere Sicherheitsvorschriften in Großbritannien

Befinden sich Minderjährige im Auto, darf darin nicht geraucht werden. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld von etwa 60 Euro rechnen. Ausgenommen davon sind Cabrios.

Besondere Verkehrsregeln in Großbritannien

Linksverkehr

Das wichtigste Kriterium ist der Linksverkehr. Das bedeutet nicht nur eine Umgewöhnung, sondern hat auch eine Vielzahl unterschiedlicher Auswirkungen. Die vielleicht wichtigste betrifft das Überholen. Auf der Autobahn gilt es, die linke Spur zu wählen. Möchten Sie an Ihrem Vordermann vorbeifahren, müssen Sie nach rechts ausscheren.

Außerdem sollten Sie den linken Scheinwerfer abkleben. Damit können Sie verhindern, dass der entgegenkommende Verkehr geblendet wird. Entsprechende Aufkleber sind für wenige Euro erhältlich.

Aufpassen sollten Sie, wenn Sie abbiegen. Schließlich sind wir es gewohnt, nur auf den von links kommenden Verkehr zu achten, wenn wir rechts abbiegen. So wie es bei uns häufig eine separate Spur zum Rechtsabbiegen gibt, gibt es in Großbritannien eine Spur zum Linksabbiegen. Dabei gilt es darauf zu achten, dass dies einfacher möglich ist, da Sie den entgegenkommenden Verkehr nicht kreuzen.

Abbiegen

Eine generelle links-vor-rechts-Regel (analog zur rechts-vor-links-Regel) gibt es allerdings nicht.

Die Fahrtrichtung im Kreisverkehr ist genau wie bei uns im Uhrzeigersinn. Auch in Großbritannien haben die Fahrzeuge im Kreisverkehr Vorrang.

Alkohol am Steuer

Die Promillegrenze in Großbritannien liegt bei 0,8 Promille.

Bei den folgenden Punkten gelten für Pkw-Fahrer in Großbritannien dieselben Vorgaben wie in Deutschland:

  • Kindersitze
  • Telefonieren am Steuer
  • Gurtpflicht

Das ist in britischen Städten zu beachten

Gelbe und rote Markierungen

Finden Sie auf der Straße eine einfache gelbe oder rote Markierung vor, handelt es sich um ein zeitlich begrenztes Parkverbot. Die begleitende Beschilderung gibt Auskunft, wann das Parkverbot gilt. Eine doppelte Markierung zeigt, dass es sich um ein generelles Parkverbot handelt.

Citymaut in Großbritannien

Für Autofahrer gibt es zwei Abgaben in und um London:

  • Congestion Charge: Diese Abgabe müssen alle mehrspurigen Fahrzeuge leisten. Sie wird werktags zwischen 7 und 18 Uhr erhoben und kostet 11.50 £ (etwa 13,10 €).
  • ULEZ: Alle Fahrzeuge, die nicht mindestens der Euro6-Norm für Diesel-Fahrzeuge und der Euro4-Norm für Benzin-Fahrzeuge entsprechen, müssen pro Tag 12,40  £ (etwa 14,70 €) zahlen, um in die Ultra Low Emission Zone (ULEZ) einfahren zu dürfen.

SPORT1-Tipp: Vermeiden Sie, mit dem eigenen Auto nach London zu fahren. Während eines mehrtägiges Aufenthaltes können erhebliche Gebühren anfallen. Nutzen Sie besser Park-&-Ride- bzw. ÖPNV-Angebote.

LEZ: Nur für Wohnmobile und Lkw

Im Großraum London gibt es eine Umweltzone. Sie wird als Low Emission Zone (LEZ) gekennzeichnet. Als Pkw-Fahrer sind Sie davon nicht betroffen. Bewegen Sie ein Wohnmobil oder einen Van, das Leergewicht von 1.205 kg gilt als Maßstab, müssen Sie das Fahrzeug vor Beginn der Einfahrt in die Umweltzone registrieren.

Egal ob Congestion Charge, ULEZ oder LEZ, Sie müssen zunächst ein Fahrzeug online registrieren, um die Gebühr zahlen zu können. Dies geht auf der Homepage der Stadt London. Dort können Sie auswählen, ob Sie für einen bereits vergangenen oder einen zukünftigen Tag zahlen möchten. Alternativ können Sie sich für das atomatische Abrechnungssystem Auto Pay anmelden. Es bietet den Vorteil günstigerer Gebühren.

Kraftstoffpreise in Großbritannien

In der Regel sind die Preise für Benzin und Diesel in Großbritannien vergleichbar mit den Preisen in Deutschland (Quelle: ADAC).Autobahn-Tankstellen sind deutlich teurer. Deshalb lohnt es sich zum Tanken abzufahren. Besonders günstig sind Tankstellen, die an Supermärkte angegliedert sind.

Da das Tanken an der Autobahn teurer ist als an anderen Tankstellen, lohnt es sich, einen kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Besonders günstig sind Tankstellen, die an Supermärkte angegliedert sind.

Tankstellen sind häufig zwischen 7 und 22 Uhr geöffnet, an Landstraßen und Autobahnen sogar rund um die Uhr. An Tankautomaten kann zum Teil auch außerhalb der Öffnungszeiten getankt werden. Als Zahlungsmittel werden Kreditkarten und Bargeld akzeptiert.

Das ist vor der Reise wichtig

Reise mit dem Auto nach Großbritannien

Wenn Sie mit dem eigenen Auto nach Großbritannien reisen möchten, müssen Sie entweder mit dem Zug durch den Eurotunnel fahren oder mit einer Autofähre auf die Insel übersetzen.

Durch den Eurotunnel nach Großbritannien reisen

Die Preise für die einfache Zugfahrt beginnen bei 30 britischen Pfund (35 Euro) inklusive Passagiere. Darüber hinaus gibt es verschiedene Pakete, die je nach Zeitpunkt der Buchung unterschiedlich teuer sind. Der Zug verkehrt ausschließlich zwischen Folkestone und Coquelles. Sollten Sie sich kurzfristig für eine Fahrt entscheiden, sind in der Regel auch für den aktuellen Tag noch Plätze verfügbar. Grundsätzlich gilt: Je früher Sie buchen, desto niedriger ist der Preis für die Zugfahrt.

Mit einer Fähre nach Großbritannien reisen

Wenn Sie mit der Fähre nach Großbritannien fahren möchten, können Sie zwischen mehreren Anbietern auswählen, die unterschiedliche Strecken bedienen. Einfache Tickets für die Fähre kosten ebenfalls etwa 30 britische Pfund (35 Euro). Die wichtigsten Fährverbindungen sind Dover-Calais sowie Dover-Oostende. Die Überfahrt dauert zwischen 80 und 90 Minuten.

SPORT1-Tipp: Achten Sie darauf, dass die britische Zeit eine Stunde hinter der deutschen Zeit liegt.

Derzeit ist die Einreise in Großbritannien noch unbürokratisch möglich. Wie sich die Situation nach einem Austritt aus Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) gestaltet, steht derzeit noch nicht fest.

Rechtslenker Mietwagen in Großbritannien

Sollten Sie vor Ort einen Mietwagen in Anspruch nehmen, handelt es sich um einen Rechtslenker. Auf der anderen Seite zu sitzen, ist sicherlich ungewohnt. Um den Umgang mit dem Auto zu erleichtern, empfiehlt es sich, ein Auto mit einem Automatikgetriebe zu verwenden. Denn der Schalthebel befindet sich an einer ungewohnten Position. Das gilt übrigens auch für die Hebel am Lenkrad. Der Blinkhebel und der Hebel für den Scheibenwischer sind vertauscht.

Sind Sie auf nicht zu stark befahrenen Straßen unterwegs und haben somit keine Orientierung zu anderen Verkehrsteilnehmern, sollten Sie beim Abbiegen besonders aufpassen, dass Sie nicht auf die falsche Straßenseite fahren.

Was muss ich im Auto haben?

Für das Warndreieck, den Verbandkasten und die Warnweste gibt es keine Mitführpflicht. Dennoch ist es empfehlenswert, die Utensilien dabei zu haben. Um bei einer Verkehrskontrolle Strafen zu entgehen, sollten Sie in Großbritannien folgende Dinge im Fahrzeug haben:

  • Verbandkasten
  • Fahrzeugschein
  • Führerschein

SPORT1 rät: Lassen Sie wichtige Reisedokumente sowie den Fahrzeug- und den Führerschein nicht im Auto. Bei einem Fahrzeugdiebstahl verlieren Sie diese ebenfalls. Mit dem Fahrzeugschein können sich Diebe als berechtigte Fahrzeugführer ausgeben.

Im Übrigen wird der in Deutschland gemachte BF17-Führerschein (Begleitetes Fahren mit 17 Jahren) in Großbritannien nicht anerkannt.

Geltende Notfallrufnummern

  • Feuerwehr: 999
  • Polizei: 999
  • Rettung: 999
  • Europaweiter Notruf: 112
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