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Roger Federer und Rafael Nadal prägen eine Tennis-Ära
Roger Federer und Rafael Nadal prägen eine Tennis-Ära © imago/ZUMA Press
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München - Rafael Nadal gegen Roger Federer: Die wohl größte Rivalität, die der Tennissport jemals zu bieten hatte. SPORT1 erzählt die Geschichte des ewigen Duells.

Rivalitäten machen den Sport greifbar, emotional und spannend. Ohne Rafael Nadal und Roger Federer wäre die Sportwelt um einiges ärmer - sie gehören zu den größten Identifikationsfiguren des Sports.

Björn Borg gegen John McEnroe, Pete Sampras gegen Andre Agassi, Steffi Graf gegen Martina Navratilova - die Liste der Tennis-Rivalitäten ist lang. Ein legendäres Duell reiht sich dort ein und ist schon jetzt ein Fall für die Geschichtsbücher: Rafael Nadal gegen Roger Federer.

Echte Rivalen - aber keine Feinde

Das Duell der beiden Ausnahmespieler ist Kult, prägte Generationen. Vor allem Menschen der jüngeren Generation verbinden Tennis nicht nur mit den Sportlern, sondern auch mit den Persönlichkeiten Nadal und Federer. 

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Der Sport kennt viele Rivalitäten, ein Aspekt sticht bei Nadal-Federer besonders heraus: Seit jeher war das Verhältnis der beiden Tennis-Legenden von Respekt geprägt. Beide sind als Sieger, aber auch im Angesicht der Niederlage große Sportsmänner und damit ein Vorbild für alle jungen Athleten. Trotz aller Fairness lieferten sich die beiden immer wieder unerbittliche Kämpfe und schlugen Schlachten, von denen man noch Jahrzehnte erzählen wird.

Schlüsselmoment Wimbledon 2008

Unvergessen bleibt das Wimbledon-Finale 2008, als Nadal nach vier Stunden und 48 Minuten als Sieger vom Platz ging und den lange ersehnten ersten Wimbledon-Titel gewann. Für viele ist es das beste Tennismatch aller Zeiten. Roger Federer war damals nur noch einen Sieg von seinem sechsten Wimbledon-Titel entfernt, galt auf Rasen als unschlagbar. Darüber hinaus musste sich Nadal dem Schweizer die beiden vorherigen Jahre jeweils im Finale geschlagen geben - keine guten Vorzeichen also.

Doch der Spanier legte furios los: Die ersten beiden Sätze gingen vergleichsweise schnell an ihn. In der einsetzenden Dämmerung von London wurden die hohen Erwartungen an das Spiel aber nicht enttäuscht. Federer kam zurück, gewann die Sätze drei und vier im Tiebreak und wehrte in Satz fünf Matchbälle ab. Nach fast fünf Stunden hochklassigem Tennis musste Federer schließlich beim Stand von 7:7 sein Service abgeben und Nadal besiegelte das Ende der jahrelangen Dominanz des Schweizers.

Roger Federer gratulierte Rafael Nadal nach dem Wimbledonfinale 2008 zum Sieg
Roger Federer gratulierte Rafael Nadal nach dem Wimbledonfinale 2008 zum Sieg © Getty Images

Über das epische Match in Wimbledon hat Regisseur Andrew Douglas 2018 - zehn Jahre später - einen Film gedreht. "Strokes of Genius" - Die Dokumentation gibt es HIER.

Rasen-König Federer wurde auf seinem Lieblingsterrain von einem Sandspezialisten geschlagen - Nadal schaffte etwas, das viele nicht für möglich hielten. Beide halten bis heute Rekorde für die längste Siegesserie auf einem Belag: Federer auf Rasen (65) und Hartplatz (56), Nadal auf Sand (81). Bezeichnend: Alle Serien wurden von dem jeweils anderen gebrochen.

Eleganz vs. Power

Die Gesamtbilanz auf allen Belägen ist hingegen eine klare Angelegenheit. Rafael Nadal gewann 23 Spiele gegen den Rivalen, Federer nur 15. Bei den Grand-Slam-Titeln hat jedoch der Schweizer die Nase vorn, er steht aktuell bei 20 Titeln, Nadal bei 17 - elf Titel gewann er alleine bei den French Open in Roland Garros. 

Die Rivalität von "Rafa" und "FedEx" charakterisiert sich aber nicht über Statistiken. Vielmehr ist es die Gegensätzlichkeit der Spielentwürfe: Federer definiert sein Spiel über Eleganz, Präzision und Serve-and-Volley - wo hingegen Nadal über Kraft, Ausdauer, Spin und eine unermüdliche Mentalität kommt.

Bei beiden Spielern ist die Vorhand der Paradeschlag, wenn auch grundverschieden ausgeführt. Niemand im Tennis-Zirkus schlägt einen Topspin so hoch wie Nadal, der Mallorquiner trifft den Ball mit einer von anderen Spielern unerreichten Rotation.

Rafael Nadal spielt die Vorhand mit extrem viel Topspin
Rafael Nadal spielt die Vorhand mit extrem viel Topspin © Getty Images

Federers Vorhand ist flacher, was Vorteile auf den schnelleren Belägen mit sich bringt. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen sind der Grund, warum das Duell so viele Zuschauer begeistert und haben es zu dem gemacht, was es ist - Ein Zweikampf zwischen den Besten.

Wer ist der Beste?

Doch wer ist nun wirklich der Beste aller Zeiten? An dieser Frage scheiden sich selbst die Experten und ehemaligen Spieler, es ist die Messi-Ronaldo-Debatte des Tennis. Für beide Seiten gibt es Fürsprecher. Die australische Tennis-Legende Rod Laver hält Federer für den größten Spieler aller Zeiten: "Wenn ich mir Roger anschaue, was er alles erreicht hat, muss ich sagen, er ist der Beste der Geschichte."

Andre Agassi, selbst achtfacher Grand-Slam-Sieger bricht hingegen eine Lanze für Nadal: "Für mich ist Nadal die Nummer eins und Federer die Nummer zwei. Federer war vier Jahre lang der mit Abstand Beste - er kämpfte allerdings gegen Andy Roddick und Lleyton Hewitt. Nadal musste sich in der goldenen Generation des Tennis durchsetzen, die Gegner hießen Federer, Murray und Djokovic."

Federer: "Ich bin Rafas größter Fan"

Die Protagonisten selbst begegneten sich immer mit Respekt und Anerkennung, sind auch abseits des Platzes befreundet. Nadal ist für seine bodenständige Art bekannt, über die Rivalität sagte er einst: "Wenn irgendjemand sagt, ich wäre besser als Roger, dann hat er keine Ahnung von Tennis. Wenn er bei hundert Prozent ist, spielt er in einer anderen Liga", schwärmte "Rafa" von seinem Rivalen.

Den Ball spielt Federer wieder zurück: "Ich bin Rafas größter Fan. Niemand hat so eine starke Mentalität wie er, sein Spiel ist einfach unglaublich. Ich bin glücklich, dass wir so viele epische Matches gegeneinander bestreiten konnten." 

Roger Federer (l.) und Rafael Nadal treffen bei den French Open jeweils auf deutsche Gegner
Roger Federer (l.) und Rafael Nadal treffen bei den French Open jeweils auf deutsche Gegner © Getty Images

Federer spricht die unglaubliche Mentalität an, durch die sich der Spanier aus Manacor immer wieder von herben Rückschlägen erholt hat. Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück - und stets kam er stärker wieder. Das setzt aber neben einem unbändigen Willen auch eine Qualität voraus, die nur wahre Champions auszeichnet: Die stetige Weiterentwicklung des eigenen Spiels. Diese Fähigkeit stellen beide in den letzten Jahren unter Beweis.

Wer stillsteht, verliert früher oder später. Das haben sowohl Nadal als auch Federer früh erkannt und dementsprechend gehandelt. Federer stellte sein Spiel ob des zunehmenden Alters 2017 um: Er ist deutlich aggressiver und will den Punkt früh beenden, um Kräfte zu sparen. Auch Nadal entwickelte sich vom reinen Rückschlagwunder zum ausgewogenen Spieler mit Matchplan. Sah man ihn früher allenfalls im Training mal am Netz, gehört das Volleyspiel nun fest zum Spiel des Mallorquiners.

Beide Spieler haben so den Weg zur Weltspitze wieder gefunden. Gewinner dabei sind nicht nur die Spieler - Gewinner ist der Sport. Allzu viele Duelle wird es nicht mehr geben - die Vorfreude wird also umso größer sein, wenn es ein weiteres Mal heißt: Der "Stier aus Manacor" gegen den "Maestro".

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