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Rafael Nadal, Rod Laver und Roger Federer zählen zu den besten Tennisspielern aller Zeiten © Getty Images
Lesedauer: 10 Minuten
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München - Tie-Break, Hawk-Eye und No-Ad-Regel: Tennis kann manchmal ganz schön kompliziert sein. Die wichtigsten Tennisregeln einfach erklärt von SPORT1.

Tennis - für die meisten Leute klingt dieser Sport immer noch nach Eleganz und Tradition. Dabei ist der Tennissport in den letzten Jahren immer mehr mit der Zeit gegangen, hat einst lieb gewonnene Traditionen hinter sich gelassen und den Breitensport in Deutschland erobert.

Internationale Superstars wie die lebenden Legenden Roger Federer und Rafael Nadal haben das Rückschlagspiel zu einer der beliebtesten Sportarten auf der Welt gemacht. Für viele Experten leben wir sogar in einem "goldenen Zeitalter" des Tennis.

Wenn man dabei neben Federer und Nadal auch an Novak Djokovic und die deutsche Tennis-Hoffnung Alexander Zverev denkt, scheint das mit dem "Goldenen Zeitalter" nicht so weit hergeholt zu sein.

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Doch neben den Taschen der Superstars sind auch die Regelbücher über den traditionsreichen Sport prall gefüllt. Was war nochmal ein Tie-Break? Wie viele Schiedsrichter gibt es?

Diese und alle weiteren Fragen zur Zählweise, dem gültigen Spielfeld und den Besonderheiten im Doppel erklärt SPORT1

Die Spielarten: Einzel und Doppel

Im Einzel tritt, wie der Name bereits vermuten lässt, ein einzelner Spieler gegen einen anderen Akteur an.

Spielen dagegen zwei Spieler in einem Team gegen eine andere Paarung an, spricht man von Doppel. Dabei wird je nach Zusammensetzung der Paarungen noch zwischen Herrendoppel, Damendoppel und gemischtem Doppel (auch "Mixed" genannt) unterschieden.

Tennis kann auf unterschiedlichen Belägen gespielt werden, wobei in den europäischen Ländern vor allem Sandplätze überwiegen. In den USA lernen die jungen Spieler den Sport dagegen eher auf Hardcourts, während speziell in Großbritannien viele Rasenplätze existieren.

In der Halle auf Teppich wird dagegen immer seltener gespielt, da es den Partien durch die hohe Geschwindigkeit häufig an Attraktivität mangelt.

Das Spielfeld

Das Spielfeld hat eine rechteckige Form und ist durch das Netz in zwei Hälften geteilt. Das gesamte Feld ist 23,77 Meter (78 Fuß) lang und für das Einzel etwas über 8,23 Meter breit. Beim Doppel erhöht sich die Breite des Feldes auf 10,97 Meter (36 Fuß).

Die etwas seltsam scheinenden Zahlen ergeben sich daher, dass die Spielfeldmaße ursprünglich in der Längeneinheit "Fuß" definiert wurden.

Das Netz in der Mitte des Feldes ist nicht überall gleich hoch. An den Seiten (1,07 Meter/3,5 Fuß) ist es etwas höher als in der Mitte (0,91 Meter/3 Fuß). 

Das Spielfeld wird durch die Grundlinie auf beiden Seiten und Seitenlinien begrenzt, wobei diese Linien Bestandteil des Spiels sind. Das heißt, ein Ball, der die Linie auch nur minimal berührt, ist im Feld.

Das Ziel des Spiels

"Gewinnen" wäre wohl als Antwort auf die Frage nach dem Ziel zu kurz gedacht. Grob gesagt ist das Ziel, den Ball ein Mal mehr als der Gegner über das Netz in ein begrenztes Spielfeld zu schlagen. Das darf allerdings nicht irgendwie geschehen, sondern muss natürlich regelkonform ablaufen.

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Roger Federers (Bild) Paradeschlag, um einen Punkt zu erzielen, ist die Vorhand © Getty Images

Das heißt unter anderem: Man darf den Ball nur einmal mit dem Schläger treffen und der Ball darf nur einmal in der eigenen Hälfte auftreffen. Springt der Ball ein zweites Mal auf der eigenen Seite auf, macht der Gegner den Punkt.

Zudem darf der Ball nicht den Körper des Spielers berühren, sonst ist der Punkt verloren. Ebenso ist es dem Spieler verboten, das Netz mit einem Körperteil oder dem Schläger zu berühren.

Jeder Punkt beginnt mit einem Aufschlag, für welchen jeder Spieler zwei Versuche hat. Bringt ein Spieler den Ball mit dem ersten Aufschlag und auch mit dem zweiten Aufschlag nicht im Aufschlagfeld des Gegenspielers unter, spricht man von einem Doppelfehler.

Das Aufschlagrecht wechselt nach jedem absolvierten Spiel. 

Die Zählweise

Um ein Match für sich zu entscheiden, muss ein Tennisspieler eine vorher festgelegte Anzahl an Sätzen gewinnen.

Bei allen Turnieren der Damen und fast allen der Männer sind zwei Gewinnsätze nötig ("Best of Three"). Nur bei Grand Slams und im Davis Cup brauchen die Herren drei Sätze ("Best of Five") für den Sieg.

Sätze unterteilen sich in Spiele - Spiele in Punkte

Ein Satz unterteilt sich in einzelne Spiele, bei denen das Aufschlagsrecht wechselt. 

Um ein Spiel zu gewinnen, braucht der Spieler im Normalfall vier Punkte, wobei der erste mit 15, der zweite mit 30 und der dritte mit 40 gezählt wird. Der vierte kann schon zum Spielgewinn reichen. Allerdings benötigt man zum Spielgewinn zwei Punkte Vorsprung.

Wenn es 40:30 steht und der Zurückliegende den nächsten Punkt gewinnt, spricht man von Einstand (40:40). Dann geht es in die Verlängerung. Der darauf folgende Punkt bringt einem Spieler einen Vorteil.

Sollte er auch den nächsten Punkt gewinnen, holt er sich das Spiel. Verliert er diesen aber, geht es zurück auf Einstand.

Daher rührt auch der Name für die beiden Spielhälften des Tenniscourts. Die rechte Seite wird als Einstandseite bezeichnet, weil von dort immer bei Einstand aufgeschlagen wird. Die linke Seite heißt analog dazu eben Vorteilseite.

Deshalb wird 0, 15, 30, 40 gezählt

Für die doch recht eigentümlich Zählweise mit den Zahlen 0, 15,30 und 40 gibt es mehrere Erklärungsansätze.

Laut der am weiten verbreitesten liegt der Ursprung in der Vorgänger Sportart von Tennis, dem Jeu de Paume. Dieses wurde in Frankreich im Mittelalter noch mit der Hand gespielt. 

Bei jedem Punkt ging es um eine Geldmünze, den "Gros Tournois", der gleich viel Wert hatte wie 15 "Denier", die damals kleinere Währung. Es wurde also nicht nach Punkten, sondern mit Geld, das man vom Gegner bekam abgerechnet.

Im Laufe der Geschichte wurde aus 45 dann 40. Warum? Auch dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen sollen sich die Adligen geweigert haben im Verlauf des Spiels den vollen Betrag zu bezahlen. Zum anderen könnte die Schiedsrichter beim Zählen das "cinq" von "quarant cinq" (also 45) aus Bequemlichkeit weggelassen haben.

Der Satzgewinn

Der Satzgewinn folgt einem ähnlichen Muster wie der Spielgewinn. Ein Spieler gewinnt einen Satz, wenn er sechs Spiele mit einem Vorsprung von mindestens zwei Spielen für sich entscheidet (zum Beispiel 6:4).

Haben beide Spieler fünf Spiele gewonnen (5:5), geht der Satz zunächst in eine Verlängerung von zwei Spielen, bei der sich jeder Akteur den Satz mit 7:5 sichern kann. Steht es jedoch auch nach zwölf Spielen Unentschieden (6:6), entscheidet ein Tiebreak, wer den Satz gewinnt.

Der Tie-Break

Im Tie-Break wechselt das Aufschlagsrecht im Gegensatz zu den Spielen immer wenn die Summe der gespielten Punkte ungerade ist, um Chancengleichheit zu gewähren. Den Tiebreak gewinnt man mit sieben erzielten Punkten und zwei Punkten Vorsprung.

Hat man diese zwei Punkte Vorsprung nicht - steht es also 7:6 - geht der Tiebreak so lange in die Verlängerung, bis ein Akteur mit zwei Punkten Vorsprung führt. Erst dann ist der Satzgewinn realisiert.

Matchgewinn bei Grand-Slam-Turnieren 

Bei Grand-Slam-Turnieren existiert im entscheidenden Satz - abgesehen von den US Open - normalerweise kein Tiebreak. Es wird so lange weiter gespielt, bis ein Spieler zwei Spiele Vorsprung hat.

Der längste Satz der Tennis-Geschichte ereignete sich folglich beim Wimbledon-Turnier 2010, als John Isner gegen Nicolas Mahut einen legendären fünften Satz mit 70:68 für sich entscheiden konnte. Das Match dauerte insgesamt über elf Stunden und wurde an drei Tagen ausgetragen.

Um solche Marathon-Matches in Zukunft zu vermeiden, entschieden die Organisatoren von Wimbledon im Oktober 2018, beim Stand von 12:12 im fünften Satz zukünftig das Match in einem Tie-Break entscheiden zu lassen.

Auch der nationale Tennisverband Australiens plant, bei den Australian Open in den entscheidenden Sätzen einen Tie-Break einzuführen. 

Anders als in Wimbledon soll dieser aber nicht beim Stand von 12:12 gespielt werden, sondern klassisch bereits bei 6:6 - also genauso wie bei den US Open.

Doch im Gegensatz zu den US Open wäre es in Melbourne dann kein normaler Tiebreak, sondern der sogenannte Match-Tie-Break. Gewonnen hat bei diesem der Spieler, der zuerst mindestens zehn Punkte und gleichzeitig zwei Punkte Vorsprung erreicht hat. 

Kurios: Tritt die Revolution in Kraft, gäbe es bei allen vier Grand Slams komplett unterschiedliche Zählweisen, denn bei den French Open gibt es keine Form von Tiebreak-Entscheidung. 

Ausnahme im Doppel: Die "No-Ad-Regel"

Um das Doppel auch für die Fernsehzuschauer attraktiver zu machen, hat die ATP (Spielervereinigung der Männer) vor einigen Jahren Änderungen vorgenommen.

So wird anstelle eines dritten Satzes der Match-Tie-Break bis 10 Punkte gespielt, der das Match bei Satzgleichstand entscheidet.

Zudem entfällt bei einem Einstand innerhalb eines Spiels das gesamte Prozedere mit Vorteil und Co. Es wird ganz einfach ein entscheidender Punkt gespielt, bei dem die Rückschläger entscheiden dürfen, von welcher Seite aufgeschlagen wird.

2017 Australian Open - Day 14
Beim Doppel gibt es im Vergleich zum Einzel minimal unterschiedliche Regeln © Getty Images

Diese Regel kommt nur bei ATP-Turnieren und den Grand-Slam-Turnieren im "Mixed"-Doppel zum Tragen und wird "No-Ad-Regel" genannt.

Schiedsrichter im Tennissport

Ähnlich wie in anderen Sportarten gibt es beim Tennis ein richtiges Schiedsrichtergespann.

Ein Head-Schiedsrichter (englisch: "umpire"), der üblicherweise auf einem Hochstuhl sitzt, um das Feld überblicken zu können, wird von mehreren Linienrichtern unterstützt. Diese beurteilen, ob ein Ball "gut", also im Feld war oder doch ins Aus gesegelt ist.

2017 Australian Open - Day 5
Die Schiedsrichter nehmen bei quasi jedem offiziellen Turnier auf einem Hochstuhl Platz © Getty Images

"Aus" wird durch einen lauten Ausruf und einem seitlich gestreckten Arm angezeigt. Wenn die Linienrichter etwa auf Kniehöhe ein "V" bilden, hat der Ball die Linie doch noch erwischt.

Der Head-Schiedsrichter kann den Ruf des Linienrichters jederzeit überstimmen (sogenanntes "Overrule"). Zusätzlich gibt es einen Oberschiedsrichter, der sich nicht auf dem Platz befindet, aber von einem Spieler gerufen werden kann, wenn es Probleme mit dem Head-Schiedsrichter gibt.

Früher wurden bei offiziellen Turnieren auch noch Netzrichter eingesetzt, die beurteilen mussten, ob ein Aufschlag das Netz touchiert hat (in diesem Fall muss es eine Wiederholung geben).

Technischer Fortschritt: Das "Hawk-Eye"

Seit einigen Jahren übernimmt diese Aufgabe ein technisches Hilfsmittel, welches dem Schiedsrichter eine Netzberührung mit einem Ton mitteilt. Zudem gibt es bei einigen Turnieren und allen Grand Slams (Ausnahme French Open) die Möglichkeit, Entscheidungen per Videobeweis überprüfen (challengen) zu lassen.

Jeder Spieler hat pro Satz drei Mal die Möglichkeit, das sogenannte "Hawk Eye" zu bemühen. Liegt er mit seiner Vermutung richtig, behält er die "Challenge", also die Anrufungsmöglichkeit.

Liegt er allerdings falsch, verliert er sie. So wird verhindert, dass jeder strittige Ball ständig von den Spielern überprüft wird.

Sollte die Partie in den Tie-Break gehen, erhalten die Spieler jeweils eine zusätzliche Möglichkeit.

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