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BMW Open by FWU 2019 - Alexander Zverev beißt ins Racket
BMW Open by FWU 2019 - Alexander Zverev beißt ins Racket © Getty Images
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München - Die Formkrise von Deutschlands bestem Tennisspieler hält auch bei seinem Lieblingsturnier in München an. Alexander Zverev wirkt ratlos. Roger Federer hat einen Rat.

Alexander Zverev wirkte geknickt und emotional angefasst, als er das Pressezentrum des ATP-Turniers in München betrat. Vor einer knappen Dreiviertelstunde war er im Viertelfinale der BMW Open ausgeschieden.

"So habe ich ihn schon ganz lange nicht mehr gesehen, mit so einem traurigen Gesichtsausdruck", sagte ein langjähriger Wegbegleiter des Deutschen, der die Familie Zverev seit geraumer Zeit kennt und begleitet, zu SPORT1.

Ausgerechnet in München, bei seinem erklärten Lieblingsturnier, das er die beiden Jahre zuvor gewonnen hatte, war nun Schluss – gegen einen bis dato nur Tennisexperten bekannten Chilenen namens Cristian Garin. "Es läuft gerade einfach alles gegen mich", haderte Zverev und wirkte auch ziemlich ratlos: "Letztes Jahr habe ich solche Matches gewonnen, dieses Jahr verliere ich sie oft."

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Zverevs Neustart misslingt

Dabei hatte München ein Neustart für Zverev werden sollen. Seit der Finalteilnahme beim ATP-500-Turnier im mexikanischen Acapulco Anfang März konnte Zverev keine zwei Partien bei einem Turnier gewinnen. Bis auf die Niederlage gegen den späteren Turniersieger Fabio Fognini (18.) in Monte Carlo unterlag der Weltranglistendritte dabei immer Spielern, die im Ranking deutlich jenseits der 40 notiert sind – viel zu wenig für Zverevs Ansprüche.

Ganz offensichtlich hat Deutschlands bester Tennisspieler derzeit in erster Linie mit sich selbst zu tun. Wer ihm auf dem Court gegenüber steht, ist dabei im Moment eher zweitrangig. Es braucht viel Matchpraxis, es braucht auch Spiele, in denen es eng zu geht, in denen Zverev kritische Phasen überstehen muss und diese auch erfolgreich meistert.

Gegen Garin gab es diese Momente zuhauf. Ein Erfolg über den 47. der Weltrangliste nach drei abgewehrten Matchbällen im zweiten Satz hätte für Zverev einen Schritt aus der Formkrise bedeuten können.

Schwere Wochen stehen Zverev bevor

Stattdessen herrschte Tristesse. Zverev rang auf der Pressekonferenz nach dem Match nach Worten. Die Frage eines Journalisten, ob es für ihn momentan auch ein mentales Problem gebe, wollte er nicht beantworten.

Vor Turnierstart hatte Zverev noch private Probleme offenbart: Trennung von der Freundin, der Vater krankheitsbedingt einige Wochen nicht dabei. Alexander Zverev Senior überraschte seinen Sohn dann bei dessen ersten Einsatz in München mit seiner Anwesenheit, doch im Viertelfinale half auch die Unterstützung des Papas nicht.

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Viel Zeit zum Nachdenken bleibt Zverev unterdessen nicht. Der 22-Jährige muss ab Montag beim Masters in Madrid, das er vergangenes Jahr gewann, und dem unmittelbar folgenden Masters in Rom, wo er 2018 erst im Finale Rafael Nadal unterlag, sehr viele Weltranglistenpunkte verteidigen.

Gelingt dies nicht, wird der Hamburger deutlich Federn lassen müssen. Selbst eine Top-Ten-Platzierung wäre dann in Gefahr.

Federer: "Er muss sich selbst helfen"

Vielleicht hilft Zverev der Rat des wohl besten Tennisspielers aller Zeiten. "Er muss sich selbst helfen, es wird ihn stärker machen", sagte Roger Federer zu tennisnet.com. "Er muss das als Herausforderung sehen, als Chance auch, noch mehr auf eigenen Füßen zu stehen", glaubt der Schweizer: "Ich weiß, wovon ich spreche. Auch ich hatte diese Momente, in denen ich dachte: Es geht nicht weiter. Aber es ging weiter."

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Ab dem 26. Mai stehen die French Open in Paris auf dem Programm. Für Zverev muss der "Selbstheilungsprozess" also schnell kommen, will er nicht beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres früh die Koffer packen müssen. Vielleicht muss er auch bereit sein, kurzfristig genau das in Kauf zu nehmen, um mittel- bis langfristig wieder erfolgreich Tennis zu spielen. 

Geduld ist nun gefragt. Geduld der Fans gegenüber dem deutschen Aushängeschild, aber noch viel mehr Geduld des ehrgeizigen Zverevs gegenüber sich selbst.  

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