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2017 French Open - Day Three
2017 French Open - Day Three © Getty Images
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Paris - Das Aus von Hoffnungsträger Alexander Zverev nach dem Debakel von Angelique Kerber macht die deutsche Bruchlandung bei den French Open perfekt. Bei Zverev bestätigen sich Befürchtungen.

Alexander Zverevs Schläger spiegelte den Zustand des deutschen Tennis bei den diesjährigen French Open in Paris perfekt wider.

Nach dem Wutausbruch des 20-Jährigen im Erstrundenmatch gegen den Spanier Fernando Verdasco (4:6, 6:3, 4:6, 2:6) lag das Racket zerbrochen am Boden und warf bei Sonnenschein einen traurigen Schatten.

Ein ähnliches Bild gibt das deutsche Tennis beim größten und wichtigsten Sandplatzturnier der Welt ab. Dabei hatte der DTB mit der Weltranglistenersten Angelique Kerber und Zverev zwei Speerspitzen, die auch von Experten weit vorn gesehen wurden. Zumindest weiter als bloß die erste Runde.

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Doch nun steht das schlechteste deutsche Abschneiden seit 2008 zu Buche. Damals erreichte mit Sabine Lisicki lediglich ein Profi die zweite Runde. 2017 sind es mit Tatjana Maria und Carina Witthöft doppelt so viele, wenn man es etwas zynisch ausdrücken mag.

Zverev weckte Hoffnungen

Das Erstrunden-Aus von Kerber gegen die Russin Ekaterina Makarowa (2:6, 2:6) war dabei weniger überraschend als die Pleite von Zverev. Kerber steckt schon länger in der Krise.

Zverev dagegen hatte in den vergangenen Wochen große Hoffnungen geweckt. Er gewann die Turniere in München und Rom, in der italienischen Hauptstadt bezwang er dabei den Serben Novak Djokovic im Finale.

Mit Fernando Verdasco erwischte der 20-Jährige jedoch einen Auftaktgegner, der sich auf Sand wohlfühlt und mit 33 Jahren zu den Erfahrenen seiner Zunft gehört. Im Gegensatz zu Zverev hat der Linkshänder viele Best-of-Five-Matches bestritten und kennt die größten Courts der Welt seit Jahren.

Kohlmann schon vorher skeptisch

Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann war bereits vor der Erstrundenpartie Zverevs im Gespräch mit SPORT1 skeptisch.

"Verdasco ist ein schwieriges Los, dazu Best-of-Five. Es ist eine Herausforderung, das zuletzt Gezeigte über zwei Wochen hier in Paris zu leisten", meinte Kohlmann: "Ich bin gespannt, ob er das schon hinbekommt." Er tat es nicht.

Auch Toni Nadal, Onkel und Trainer von Rafael Nadal, verfolgte das Zverev-Match in einem Sponsorenzelt im TV. Er verbuchte die Niederlage bei SPORT1 unter der Rubrik Lehrgeld: "Er ist sehr jung und er kann noch alles verbessern. Ich bin sicher, dass er die Nummer eins sein kann. Aber das hängt von ihm ab."

Zumindest zeigte sich Zverev selbstkritisch: "Ich habe absolute Scheiße gespielt."

An der Unterstützung der deutschen Fans liegt es nicht, dass sich die schwarz-rot-goldenen Reihen fast komplett gelichtet haben. Geduldig warten in Paris die zahlreichen Anhänger in langen Schlangen an den Außenplätzen, um die DTB-Cracks wie Andrea Petkovic, Mona Barthel und Philipp Kohlschreiber zu sehen.

Kurze Strohfeuer bei Kohlschreiber, Petkovic und Co.

Petkovic hatte zwar bei ihrem Match einen "guten Spirit", wie Ex-Profi Alexander Waske auf der Tribüne bemerkte, am Ende half aber auch dieser nichts beim 4:6, 6:3 und 3:6 gegen Varavana Lepchenko (USA) und ihrer sechsten Auftaktniederlage in Folge.

Kohlschreiber lieferte sich gegen den Australier Nick Kyrgios beim 3:6, 6:7, 3:6 ein enges Match, doch die letzten Prozent fehlten den Deutschen. Und Dustin Brown spielte gegen den Franzosen Gael Monfils gewohnt unterhaltsam für die Zuschauer, aber auch nicht erfolgreich.  

Jan-Lennard Struff musste feststellen, dass man sich gegen einen Topspieler wie Tomas Berdych (CZE) bei einem Grand-Slam-Turnier keinen desaströsen Fehlstart erlauben darf. Er bäumte sich beim 1:6, 1:6, 6:4 und 4:6 zwar auf, aber zu spät.

Die letzten deutschen Hoffnungen ruhen nun auf Witthöft und Maria. Die zweite Reihe des DTB kann die schwache Bilanz ein wenig aufpolieren.

Dass in der zweiten Turnierwoche die Sonne über Paris ohne Deutsche im Turnier aufgeht, ist aber leider wahrscheinlicher.

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