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Alexander Zverev ist bei den Australian Open an Nummer vier gesetzt © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images
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München - Alexander Zverev will bei den Australian Open endlich auch bei einem Grand Slam glänzen. Boris Becker verrät exklusiv, was Zverev noch fehlt. SPORT1 analysiert seine Chancen.

Fünf Turniersiege - darunter die beiden Masters-Turniere in Rom und Montreal - der Sprung auf Weltranglistenplatz vier und die Teilnahme an den ATP-Finals in London.

Alexander "Sascha" Zverev hat 2017 die beste Saison eines 20-Jährigen seit Novak Djokovic vor zehn Jahren hingelegt - einen Schönheitsfleck hatte sie doch: Bei den Grand Slams kam der Hamburger nie über das Achtelfinale hinaus. Auch nicht bei den Australian Open.

Das soll sich in diesem Jahr ändern. Während Zverev 2017 noch das Erreichen der ATP-Finals als Ziel ausgegeben hatte, liegt in diesem Jahr der Fokus klar auf den Majors.

Die erste Gelegenheit dazu bietet sich bei den Australian Open (täglich im LIVETICKER).

SPORT1 beantwortet vorab die wichtigsten Fragen zu Zverevs Chancen.

Was spricht für Zverev in Melbourne?

Seine Gesundheit! Zverev ist einer von wenigen Topspielern, der eine problemlose Vorbereitung absolvieren konnte.

Novak Djokovic, Stan Wawrinka und Milos Raonic waren oder sind noch angeschlagen, Andy Murray und Kei Nishikori mussten sogar absagen. Diese fünf waren vor den Australian Open 2017 auf Rang eins bis fünf in der Weltrangliste.

Außerdem hat sich der Hamburger bisher in jedem Jahr stetig weiterentwickelt. Nachdem 2017 ein klarer Sprung in der Athletik und teils auch in Sachen mentaler Reife zu sehen war, wollen sein Trainerteam um Supercoach Juan Carlos Ferrero nun Zverevs Spiel bei Big Points verbessern.

"Es geht bei ihm aktuell darum, sein bestes Tennis in den richtigen Momenten zu spielen. Ich denke, mit Ferrero, Jez Green (Fitnesscoach, Anm. d. Red.) und seinem Dad hat er die richtigen Leute im Team. Es ist nur eine Frage der Zeit", sagte Roger Federers Ex-Coach Paul Annacone.

Was fehlt ihm noch bei Grand Slams?

Vor allem Erfahrung. Dieser Ansicht ist zumindest Tennis-Ikone Boris Becker, der Zverevs Schläge und Athletik als geringere Probleme ansieht.

"Wenn man so hoch gesetzt ist, reist man normal eine Woche vorher an. Über drei Wochen an einem Ort braucht man viel Konzentration und Disziplin. Man darf sich nie ablenken lassen. Das fällt den Jüngeren oft schwerer. Das kann man nicht lernen, das muss man erleben", sagte Becker auf SPORT1-Nachfrage.

Zverevs größte Baustelle ist sein schwacher Volley. Dabei wäre sein Power-Tennis prädestiniert dafür, häufig ans Netz zu rücken und so die Punkte abzukürzen.

Doch ohne Zutrauen in seinen Volley lässt er sich oft in lange Ballwechsel verstricken, was ihm gerade in Best-of-five-Partien bei Grand Slams wertvolle Energie raubt.

Eine Statistik der Australian Open zeigt, dass Murray, Rafael Nadal und Grigor Dimitrow am meisten Energie pro Ballwechsel aufwenden - doch schon auf Rang vier folgt Zverev. Dieser besitzt aber weder Murrays noch Nadals Athletik, um mit diesem kraftraubenden Spielstil Grand Slams gewinnen zu können.

Wie ist seine Form?

Ausbaufähig. Beim Hopman Cup verlor Zverev drei seiner vier Partien. Gegen David Goffin war er chancenlos. Thanasi Kokkinakis bot er zwar einen großen Kampf, zog jedoch bei den Big Points den Kürzeren.

Im Finale spielte Zverev gegen sein Idol Federer zumindest einen guten Satz, ehe dieser sein Level steigerte und der Deutsche nur einen Tag nach dem Drei-Satz-Krimi gegen Kokkinakis einbrach.

Was in Perth im Einzel und in den Mixed-Partien mit Angelique Kerber deutlich wurde: Sein Volley hat sich auch über die Saisonpause nicht verbessert und bleibt sein großes Sorgenkind. Allerdings zeigte sich Zverev in Runde 1 beim 6:1, 7:6 und 7:5 über Thomas Fabbiano insgesamt recht stabil.  

Wie ist die Auslosung?

Undankbar. Einige Experten bezeichnen den an Nummer vier gesetzten Zverev sogar als den Verlierer der Auslosung. Bereits in Runde drei könnte er auf Kokkinakis treffen. Sein Bruder Mischa Zverev musste in der ersten Runde verletzungsbedingt aufgeben. (Der Spielplan der Australian Open)

Falls er die dritte Runde übersteht, könnte danach Novak Djokovic warten. Sollte der sechsmalige Australian-Open-Sieger wieder fit sein, wie er zuletzt beim 6:1, 6:4 gegen Dominic Thiem andeutete, wäre das für Zverev eine kaum zu lösende Aufgabe. 

Kann Zverev in Melbourne gewinnen?

Möglich, aber unwahrscheinlich. Ein Triumph gleich bei den Australian Open erscheint aufgrund der Rahmenbedingungen unrealistisch, dazu ist vor allem Federer zu gut in Form.

Zverev hat zudem einen steinigen Weg vor sich, der ihm bereits in Woche 1 in Down Under viel Energie rauben wird.

Kleiner Trost für die deutsche Nummer eins, falls es in diesem Jahr nicht klappen sollte: Rekordsieger Federer scheiterte mit 20 Jahren in der ersten Runde der French Open und in Wimbledon.

Sein erster Grand-Slam-Triumph gelang ihm erst mit 21 Jahren und knapp elf Monaten. Demnach hätte Zverev noch bis 2019 Zeit.

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