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München - Rafael Nadal scheidet bei den French Open 2009 sensationell aus - für Roger Federer die Chance seines Lebens. Doch Haas droht zum Spielverderber zu werden.

Wir schreiben das Jahr 2009.

Roger Federer startet zum elften Mal bei den French Open in Paris. Noch nie konnte der Schweizer den Titel in Roland Garros gewinnen. Dabei wäre es so bedeutend, fehlt Federer doch nur diese eine Trophäe, um den Karriere-Grand-Slam perfekt zu machen.

Doch der Sieg scheint für den "Maestro" schier unerreichbar. Auch in diesem Jahr trauen ihm die wenigsten einen Triumph zu. Als Topfavorit zählt einmal mehr Federers Rivale Rafael Nadal. Der Spanier ist vierfacher Titelträger und hat bis dato noch kein einziges seiner 31 Spiele bei den French Open verloren. 

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Seit Federer selbst im Finale 2007 ist es nicht einmal einem Spieler gelungen, Nadal auch nur einen Satz abzunehmen. Novak Djokovic wird daher als stärkster Konkurrent um den Titel eingeschätzt.

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Söderling eliminiert Nadal

Doch am 31. Mai ändert sich die Lage komplett. Nadal verliert völlig überraschend gegen Robin Söderling, Nummer 25 der Welt, in vier Sätzen 2:6, 7:6, 4:6, 6:7.

Für den Schweden ist es der größte Erfolg seiner Karriere, für Nadal gleicht die Niederlage einem Debakel. Djokovic ist zu diesem Zeitpunkt schon raus - der Serbe scheitert bereits am Vortag an Philipp Kohlschreiber.

Und plötzlich ist Federer großer Turnierfavorit und der Weg zum Karriere-Slam scheint frei zu sein. Im Achtelfinale am 1. Juni trifft er auf Tommy Haas. Die Ausgangslage ist klar: Die letzten neun Aufeinandertreffen entschied Federer für sich. Doch es entwickelt sich ein großer Kampf.

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In Durchgang eins gibt der Schweizer bis zum 6:5 keinen einzigen Punkt bei eigenem Service ab - sein Aufschlag ist unantastbar. Erst im Tiebreak kassiert er gleich im ersten Spiel ein Mini-Break. Satzgewinn für Haas. 

Auch im zweiten Satz bringt Federer ein fast perfektes Servicespiel auf den Platz. Abgesehen vom Aufschlag gelingt aber nicht viel. Federer wirkt nervös und macht ungewohnt viele Fehler. Als er auch noch den zweiten Satz abgeben muss, bahnt sich die große Überraschung an.

Wendepunkt: Federer wehrt Break ab

Durchgang drei: Haas hat beim 4:3 die Chance zum Break. Viele sehen Federer schon die Koffer packen. Doch dann packt der Schweizer einen seiner Zauberschläge aus und knallt mit vollem Risiko seine Vorhand cross über das Feld. Der Ball des "Maestro" landet genau auf der Linie - Breakball abgewehrt.

"Nach dieser Vorhand beim Breakball habe ich an den Sieg geglaubt, das war mein erster sehr guter Schlag in dieser Partie", sagt Federer nach der Partie. Haas zieht den Hut: "Darum ist er Roger Federer."

Die Szene wird zum Wendepunkt. Beim Stand von 4:4 und 40:30-Führung von Haas unterläuft dem Hamburger einer von insgesamt drei Doppelfehlern. Kurz darauf gelingt Federer das Break zum 5:4, sein Service bringt er zum 6:4-Satzgewinn durch. "Wenn da zwei, drei Punkte anders laufen, muss er die Koffer packen", ärgert sich Haas hinterher.

Jetzt übernimmt Federer vollends die Kontrolle über das Spiel. Mit 6:0 und 6:2 stürmt er in 3:07 Stunden in die nächste Runde, der sich riesig über den Erfolg freut. Auf der anderen Seite bleibt ein enttäuschter Haas. "Es ist frustrierend, wenn du so nah dran bist. Das war wie ein Boxkampf und tut am Ende verdammt weh."

Nadal-Bezwinger Söderling wartet im Finale

Federer marschiert weiter Richtung Endspiel. Im Viertelfinale räumt er Gael Monfils in drei Sätzen aus dem Weg, im Halbfinale Juan Martin del Potro trotz 1:2-Satzrückstands. Im Finale wartet schließlich jener Söderling, der Federers größten Konkurrenten eliminiert hat.

Aber der Schweizer ist nicht mehr zu stoppen und lässt den Nadal-Bezwinger beim 6:1, 7:6 (7:1), 6:4 keine Chance. Mit seinem ersten Titel bei den French Open vervollständigt er nach Fred Perry (1935), Don Budge (1938), Rod Laver (1962), Roy Emerson (1964) und Andre Agassi (1999) als sechster Spieler auch den Karriere-Slam.

Es ist bis heute Federers letzter Triumph bei den French Open.

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