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Bei den French Open kann Novak Djokovic etwas Besonderes gelingen. Dass der Serbe heute so erfolgreich ist, hat viel mit seinen Erlebnissen im Krieg zu tun.

Was Novak Djokovic an seinem zwölften Geburtstag erlebte, unterscheidet sich wesentlich von dem, was andere Kinder erfahren. Für den serbischen Tennis-Superstar gab es nicht etwa Kuchen und Geschenke, sondern Bomben und Angst.

Als Djokovic zwölf Jahre alt wurde, gipfelte ein jahrelang andauernder Streit auf dem Balkan in einem Beschuss der serbischen Hauptstadt Belgrad. Mittendrin: Novak Djokovic.

Weit weg von seinen Eltern, die versuchten, an der Grenze zum Kosovo als Skilehrer und Restaurantbesitzer Geld zu verdienen, verbrachte er Teile seiner Kindheit bei seinem verwitweten Großvater. Die Zeit zwischen März und Juni 1999 prägte dabei sein Leben und vor allem seine Karriere für immer.

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In einem Hochhaus, das optisch einem Gefängnis sehr nahe kam, suchte er Schutz vor den Angriffen. Jede Nacht, wenn die Sirenen ertönten, rannten der Sportler, seine Familie und die Nachbarn aus den umliegenden Häusern gemeinsam in einen durch mehrere Stahltüren gesicherten Keller.

Bombenangriffe jede Nacht

"Als der Alarm los ging und die Flugzeuge zu summen begannen, wusste man nie, an welcher Stelle die Bomben einschlagen würden", erinnert sich Djordjo Milenic, ein Freund von Djokovics Opa, im BBC-Interview.

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Der 15-fache Grand-Slam-Sieger denkt ebenfalls mit Schrecken an die damalige Zeit zurück. "Zweieinhalb Monate lang sind wir jeden Morgen zwischen zwei und drei Uhr wegen der Bombenangriffe aufgewacht", so der 32-Jährige in einem Interview mit CBS.

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"In gewisser Weise haben mich diese Erfahrungen zu einem Champion gemacht. Sie haben uns alle härter gemacht, und hungriger nach Erfolg."

Bekannt in jungen Jahren

Schon damals, in den Schwierigkeiten des Krieges, hatte er die Zielstrebigkeit, die ihn zur Nummer eins der Tennis-Welt machte. Während seine Freunde Spiele spielten und Drogen nahmen, gab Djokovic in einem TV-Interview den Wimbledon-Sieg als Lebensziel aus. 

Wohl auch deshalb erfuhren er und sein Trainer Bogdan Obradovic die nötige Unterstützung. Während der Bombardierungen versuchte das Gespann alles, um auf kostenfreien Tennisplätzen Trainingseinheiten einlegen zu können. "Schon zu der Zeit war Novak in Serbien bekannt und wir haben viel Hilfe erfahren und durften in verschiedenen Klubs trainieren", erinnert sich der Coach. 

Djokovic will French Open gewinnen

Zwei Jahrzehnte später hat sich Djokovic seinen Traum vom Wimbledon-Sieg nicht nur ein-, sondern gleich viermal erfüllt. Im letzten Jahr triumphierte er auf dem Heiligen Rasen in London genau wie bei den US Open in New York.

Weil er im Januar auch die Australian Open in Melbourne gewann, kann ihm im Falle eines French-Open-Sieges (im LIVETICKER bei SPORT1) nun zum zweiten Mal in seiner Karriere das Kunststück gelingen, alle vier Grand-Slam-Titel gleichzeitig zu halten. 

Auf dem Weg zum 16. Titel wartet zum Auftakt am Sonntag der Pole Hubert Hurkacz. 

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