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Alexander Zverev schaffte es auch in Paris nicht ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers
Alexander Zverev schaffte es auch in Paris nicht ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers © Getty Images
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München - Alexander Zverev scheitert in Paris erneut im Viertelfinale und wartet noch immer auf sein erstes Halbfinale bei Grand-Slam-Turnieren. Das liegt an mehreren Faktoren.

Es war Alexander Zverev anzusehen, dass er erst mal genug hatte.

Dass er nur noch weg wollte - weg aus Paris, aus Roland Garros, weg von der roten Asche, auf der es in diesem Jahr gar nicht so gelaufen war, wie er sich das vorgestellt hatte. Zuletzt hatte sich der Weltranglistenfünfte immerhin ansatzweise  - mit dem Turniersieg in Genf - aus seiner Krise befreien können, dann aber war er gegen eine Wand gelaufen, eine Wand mit Namen Novak Djokovic.

Was nach seinen Maßstäben sehr gutes Tennis ist, war aber zu wenig, um in Roland Garros über das Viertelfinale hinauszukommen. Ehe er krachend an Djokovic scheiterte (5:7, 2:6, 2:6), hatte Zverev kaum gegen Hochkaräter gespielt. Der Italiener Fabio Fognini, Nummer zwölf der Weltrangliste, war sein stärkster Gegner in diesem Jahr, den er besiegen konnte.

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Gegen Djokovic wurde aber deutlich, dass Zverev noch einiges fehlt, um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, was ihm bereits seit frühesten Profi-Tagen viele Experten und Profis zutrauen und prognostizieren. SPORT1 nennt die vier Schwächen, die er auf dem Weg zum anvisierten Titel noch ausmerzen muss.

Zverev verbringt zu viel Zeit auf dem Platz

Wie bereits bei einigen vorherigen Grand-Slam-Turnieren wurde ihm auch in Paris seine mangelnde Fokussierung in den ersten Runden im weiteren Turnierverlauf zum Verhängnis.

Gegen den Australier John Millman (1. Runde) und den Serben Dejan Lajovic (3. Runde) führte er bereits mit 2:0-Sätzen, verlor anschließend den Faden und musste in den fünften Satz. Topstars wie Djokovic, Rafael Nadal oder auch Roger Federer passiert dies nicht, sie bleiben bei einer deutlichen Führung immer noch konzentriert und wollen das Match schnellstmöglich beenden. 

Dadurch sparen sie eine Menge Kraft für die zweite Turnierwoche, die entscheidend ist. Zverev dagegen stand von allen Viertelfinal-Teilnehmern mit am längsten auf dem Platz. 

Aber dem widersprach Zverev. "Ich fühle mich fit, ich hätte auch fünf Sätze spielen können. Das war nicht das Problem." Sondern: "Ich muss den ersten Satz gewinnen."

Führender bei Doppelfehlern

Im ersten Satz konnte der Deutsche diesen Nachteil noch ausgleichen und hatte den Serben sogar am Rande des Satzverlustes. Doch die Nummer eins der Welt konnte im entscheidenden Moment noch zulegen. Im Gegensatz dazu schwächelte Zverev beim Aufschlag und leistete sich - auch aufgrund seiner Müdigkeit - entscheidende Doppelfehler. 

Im zweiten Durchgang leistete er sich sogar drei Doppelfehler in einem Aufschlagsspiel und besiegelte damit das Satzende. Mit 51 Doppelfehlern führt der 22-Jährige die Turnierstatistik in dieser Kategorie mit Abstand an. Zu Gute halten muss man ihm aber, dass er mit 71 Assen auch die entgegengesetzte Statistik anführt. 

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Zverev muss die richtige Mischung zwischen Risiko und Sicherheit beim 2. Aufschlag finden, um nicht ständig Doppelfehler zu servieren. Denn dadurch beraubt er sich einer seiner größten Waffen im Vergleich zur restlichen Tennis-Elite.

Dauerthema Positionsspiel

Ein weiteres Dauerthema bei Zverev ist die Positionierung an der Grundlinie. Im ersten Satz agierte er beinahe direkt an der Grundlinie, von Satz zu Satz rückte er aber weiter nach hinten. Allein von Satz zwei zu Durchgang drei war es ein Meter. Boris Becker, Head of Men's Tennis beim DTB und Eurosport-Experte, forderte während der Partie sogar, dass jemand Zverev diese Statistiken zeigen solle. Denn der Wahl-Monegasse sieht kein Problem in seiner Grundlinienposition und verteidigt diese mit Hinweis auf Zeit und Platz für seine Schwungbewegung.

Möglicherweise könnte Trainer Ivan Lendl in dieser Hinsicht auf seinen Schützling einwirken, doch der frühere Tennis-Profi weilte gar nicht bei den French Open, wie er auch schon zuvor die Sandplatzsaison wegen einer Pollenallergie verpasste. Zur Rasensaison soll er aber offenbar den Deutschen wieder vor Ort unterstützen können. Gerade bei Grand Slams kann ein "Super-Coach", wie es der frühere Profi zweifelsohne ist, noch einmal für die Extraprozente sorgen. 

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Baustelle Volleyspiel

Eine weitere Baustelle, an der Lendl mit seinem Schützling arbeiten sollte, sind die Volleys. Zverev ist anzusehen, dass er sich am Netz nicht wirklich wohlfühlt. Gerade in den Topduellen, die bei einem Grand-Slam-Turnier zwangsweise warten, können Volleys für leichte Punkte sorgen, statt sich an der Grundlinie komplett zu verausgaben. Gerade bei der Größe des 22-Jährigen von 1,98 Metern kann er sich nicht über mehrere Stunden auf Grundlinien-Duelle einlassen.

So wartet Zverev noch immer auf seinen ersten Halbfinal-Einzug bei einem der vier großen Turniere. 

US-Open der Durchbruch?

15 Versuche hat er nun hinter sich. Zum Vergleich: Roger Federer gelang dies erst bei seinem 17. Grand-Slam-Turnier, dann aber gewann er gleich - in Wimbledon. Djokovic war beim 13. Grand Slam seiner Karriere erstmals siegreich, Rafael Nadal beim sechsten. Dominic Thiem, Nummer vier der Welt, stand im Vorjahr von Paris bei seinem 18. Anlauf im Finale.

Die nächste Chance bietet sich in Wimbledon, wo er bisher nie über das Achtelfinale hinauskam. Doch Zverev räumt sich selbst bei den US Open die größten Chancen auf den Halbfinal-Einzug ein. 

Es wäre sein 17. Grand-Slam-Start, der schon Federer einst Glück brachte.

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