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München - Angelique Kerber steht bei Australian Open nach über einem Jahr wieder im Achtelfinale eines Grand Slams. SPORT1 analysiert die Gründe für Kerbers Höhenflug.

Endlich! Nach über einem Jahr - seit den Australian Open 2019 - steht Angelique Kerber wieder in der zweiten Woche eines Grand Slams. Nach hartem Kampf gegen die Italienerin Camila Giorgi gehört Deutschlands Nummer eins im Damentennis zu den besten 16 des Turniers.

Die Nummer 102 der Welt forderte die immer noch am Oberschenkel lädierte Kerber enorm. Dass die dreifache Grand-Slam-Siegerin nach drei Sätzen (6:2, 6:7 (4:7), 6:3) dennoch erhobenen Hauptes vom Feld gehen konnte, verdankte sie auch der hohen Fehlerquote Giorgis, die im gesamten Match auf 62 "Unforced Errors" kam.

Trotzdem ist festzuhalten: Kerber hat ihre Kampfkraft alter Tage wiedergefunden, die sie im desaströsen vergangenen Jahr (Erstrundenaus bei den French und US Open, Zweitrundenaus in Wimbledon) verloren zu haben schien. SPORT1 analysiert die Gründe für Kerbers Aufwärtstrend.

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Geringe Erwartungen durch Verletzungssorgen

Auf der 32-Jährigen lasten stets die größten Hoffnungen der deutschen Tennisnation - zu erfolgreich war Kerbers Vergangenheit mit ihren Grand-Slam-Siegen in Melbourne, New York (beide 2016) und Wimbledon (2018), um mal unter dem Radar der Favoritinnen zu fliegen. 

So abwegig es klingen mag, genau diesen Zustand kann sie nun dank ihrer Verletzung im Vorfeld des Turniers genießen. Der Start in das Jahr 2020, welches mit einer Niederlage beim WTA-Turnier in Brisbane in der ersten Runde denkbar schlecht begann, sollte sich beim Vorbereitungsturnier in Adelaide noch einmal zuspitzen.

Kerber musste in der zweiten Runde mit einer Oberschenkelverhärtung aufgeben, nachdem sie bereits das Finale bei einem Einladungsturnier auf Hawaii verletzungsbedingt absagte. Reichlich Sorgen also bei der gebürtigen Bremerin, die im Anschluss erleichtert war, erst am zweiten Turniertag einzusteigen.

"Ich schaue erstmal von Runde zu Runde", sagte Deutschlands beste Tennisspielerin vor dem Start in Melbourne und ergänzte anschließend: "Ich habe keine großen Erwartungen." (Australian Open, Achtelfinale: Angelique Kerber - Anastasia Pavlyuchenkova am Montag ab circa 7 Uhr im LIVETICKER)

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Günstige Auslosung für Kerber: fehlerbehaftete Gegnerinnen

Den ganz großen Druck - begünstigt durch die Verletzung - nahm sich die Deutsche also selbst. Hinzu kam aber auch die bisher günstige Auslosung. Kerber spielte gegen eine Qualifikantin, eine Wildcard-Inhaberin und eine vor Turnierbeginn nicht in den Top 100 rangierende Spielerin.

In jedem Spiel zeigte Kerber Schwächephasen, die eine stärkere Spielerin vermutlich ausgenutzt hätte. Elisabetta Cocciaretto (1. Runde, 19 Jahre) fehlte die nötige Cleverness, Priscilla Hon (2. Runde, 21 Jahre) spielte zu überhastet, Giorgi (3. Runde, 28 Jahre) scheiterte an ihrer zu hohen Fehlerquote.

Mit Anastasia Pavlyuchenkova, Weltranglistenplatz 30, wartet nun der erste Brocken. Gegen die Russin ist die Bilanz ausgeglichen (7-7), im letzten Aufeinandertreffen im September 2019 unterlag die Deutsche klar mit 3:6 3:6. "Es wird sicher nicht einfacher", bilanziert Kerber, zumal Pavlyuchenkova mit ihrem Sieg gegen Karolina Pliskova eine Überraschung gelang.

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Kindlmann als entscheidender Erfolgsfaktor?

Aber "Angie" hat auch noch ein Ass im Ärmel - ihren Trainer Dieter Kindlmann. Der 37-Jährige, der Kerber seit November 2019 offiziell betreut, kennt die Branche im Damentennis wie kein anderer deutscher Tennistrainer.

Die erfolgreichste deutsche Spielerin seit Zeiten Steffi Grafs ist sein erster Schützling aus seinem Heimatland. Zuvor betreute der Allgäuer Stars wie Maria Sharapova oder Madison Keys, die er bei den US Open 2017 bis ins Finale führte.

Kindlmann ist ein Mann, der Konsequenz und Leidenschaft von seinen Arbeitgeberinnen einfordert. Wer mit ihm arbeitete, wurde besser, körperlich stärker. Kerber indes zeigt sich gegenüber tennisnet.com zufrieden mit der Zusammenarbeit: "Ich bin glücklich, dass Dieter an meiner Seite ist."

Die Zeichen auf einen Einzug in das Viertelfinale stehen also gut - auch, weil Kindlmann Achtelfinalgegnerin Pavlyuchenkova schon trainierte. Er kennt die Spielweise der Russin wie kaum ein anderer.

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