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Tischtennis: Roßkopf & Fetzner holen 1989 WM-Gold im Doppel in in Dortmund
Tischtennis: Roßkopf & Fetzner holen 1989 WM-Gold im Doppel in in Dortmund © Imago
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Vor 30 Jahren sorgen Steffen Fetzner und Jörg Roßkopf mit einem Coup bei der Heim-WM für einen Tischtennis-Boom. Timo Boll ist ihnen noch heute dafür dankbar.

Als Timo Boll noch lange nicht "Herr der Bälle" genannt werden konnte, galt Tischtennis weit verbreitet nur als Ping-Pong. Erst Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner schafften bei der WM 1989 in Dortmund durch ihren Triumph im Doppel die Voraussetzungen für Bolls späteren Aufstieg zu einem der besten Spieler aller Zeiten.

Am Montag jährt sich zum 30. Mal die legendäre Sternstunde, in der "Rossi" und "Speedy" aus dem lange belächelten Ping-Pong in Deutschland Tischtennis machten.

"Unser Erfolg hat den Tischtennis-Sport in Deutschland wiederbelebt. Es wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, ohne die es einen Timo Boll vielleicht nie gegeben hätte", sagte der heutige Bundestrainer Roßkopf zum Jubiläum des bis heute einzigen WM-Goldes für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) in der Nachkriegsgeschichte dem SID.

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Große Sensation der deutschen Sportgeschichte

Fetzners Einschätzung einer der größten Sensationen der deutschen Sportgeschichte fällt ähnlich aus.

"Die WM in Dortmund und sicher auch unser Erfolg sind die Grundlagen für die Professionalisierung gewesen, die seitdem in Deutschland als Vorreiter für internationale Entwicklungen stattgefunden hat. Unser Titel war ein Anfang für viele neue Strukturen und Ideen, die das Tischtennis nach vorne gebracht haben", sagte Fetzner.

Auch persönlich hat der 8. April 1989 für den 50-Jährigen eine herausragende Bedeutung: "Es ist gefühlt der zweite Geburtstag im Jahr."

Mutter von Fetzner hilft bei Hymne aus

Für Fetzner und den ein Jahr jüngeren Roßkopf kam der WM-Triumph selbst noch im Finale (18:21, 21:17, 21:19) gegen das polnisch-jugoslawische Duo Leszek Kucharski/Zoran Kalinic völlig unverhofft.

Schon die Endspielteilnahme durch einen Sieg gegen die chinesischen Titelverteidiger Chen Longcan/Wei Quingguang war derart sensationell, dass Fetzners Mutter den Burschen von Rekordmeister Borussia Düsseldorf vor dem Finale für den Fall der Fälle einer Siegerehrung einen Zettel mit dem Text der Nationalhymne zusteckte.

Den Finalball sicherte sich im Trubel des Jubels der damalige DTTB-Präsident Hans Wilhelm Gäb. "Ich empfinde tiefe Dankbarkeit, dass ich diesen unvergesslichen Tag miterleben durfte", sagt der heutige Ehrenpräsident des Verbandes im Rückblick auf den großen Wurf von "Roßner/Fetzkopf".

Boll ist den Pionieren dankbar

Der Coup der beiden Zimmerkollegen im damaligen Tischtennis-Zentrum in Duisburg erwies sich für das deutsche Tischtennis als Initialzündung und Anfang einer lang anhaltenden Blütezeit. Ob Mitgliederzahlen, TV-Zeiten, Sponsoreninteresse oder Spielergehälter: Alle Zahlen stiegen signifikant an.

Von den spürbar verbesserten Rahmenbedingungen inklusive damaliger Liveübertragungen von Europapokal- und Bundesligaspielen profitierte in der nachfolgenden Generation besonders das "Jahrhunderttalent" Boll.

"Ich bin ein Kind des Tischtennis-Booms nach 1989 und insofern 'Rossi' und auch 'Speedy' dankbar für das, was sie damals geleistet haben", sagte Boll.

Völlig unabhängig von Bolls - trotz fast zahlloser Erfolge - immer noch erfolglosen Jagd nach einem weiteren WM-Titel für Deutschland hält Roßkopf den "goldenen Moment" von Dortmund aufgrund der veränderten Medienlandschaft für einmalig: "Der Stellenwert des Titels ist immens. Tischtennis kann nie wieder erreichen, was damals erreicht worden ist."

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