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Timo Boll steht im Zentrum der Doku "The Spin of Life"
Timo Boll steht im Zentrum der Doku "The Spin of Life" © Imago
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München - Heute im TV bei SPORT1: Eine große Doku blickt auf die Tischtennis-Karriere von Timo Boll zurück. Vorab spricht er darüber, was ihn dabei besonders bewegte.

Timo Boll hat für den deutschen Tischtennis-Sport ähnliches geleistet wie Dirk Nowitzki für den deutschen Basketball.

Wie Nowitzki in der NBA hat es auch Boll in China mit den besten Spielern der Welt aufgenommen und sie regelmäßig sogar besiegt. Weil Tischtennis im Reich der Mitte Nationalsport ist, ist Boll dort auch ähnlich bekannt und populär wie "Dirkules" in den USA.

Grund genug, um mit der Dokumentation "The Spin of Life" auf die unglaubliche Karriere des 39-Jährigen zurückzublicken (Samstag 05.12. ab 14.30 Uhr und 25.12. ab 12.30 Uhr auf SPORT1).

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Zuvor hat SPORT1 mit Boll unter anderem über sein Training während der Corona-Pandemie, die Olympischen Spiele 2021 und seine emotionalsten Momente gesprochen.

SPORT1: Herr Boll, 2020 war ein nervenaufreibendes Jahr. Wie sind Sie mit der Situation - Olympiaabsage, seit März keine internationalen Turniere und viele Pausen - umgegangen? 

Timo Boll: Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen, habe erst einmal meinem Körper viel Ruhe gegeben und mich etwas regeneriert. Im Nachhinein gesehen war die Olympiaabsage für mich sogar besser, da ich ein paar körperliche Probleme hatte und diese nun in Ruhe auskurieren konnte. Aber auch mental hat die Pause gut getan. Die letzten Jahre waren stressig, in denen ich durchschnittlich bestimmt 200 Tage pro Jahr unterwegs war. Da habe ich die Zeit zuhause bei der Familie sehr genossen.

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SPORT1: Wie sehr hat Corona ihren Trainingsalltag verändert?

Boll: Natürlich habe ich alles getan, um mich körperlich fit zu halten. So bin ich z.B. auf meinem Peloton-Bike virtuelle Radrennen gefahren. Das Tischtennis-Training fand eher auf Sparflamme statt. Zum Glück habe ich zuhause sogar einen Schlüssel für die Sporthalle, konnte da teilweise ganz alleine gegen meinen Roboter spielen und trainieren.

Timo Boll trainiert mit einem Roboter
Timo Boll trainiert mit einem Roboter © SPORT1

SPORT1: Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Olympischen Spiele 2021 stattfinden und Sie an ihren mittlerweile sechsten Spielen teilnehmen können? 

Boll: Ich war sehr skeptisch, bin aber inzwischen zuversichtlicher. Es wird anders sein, als bei meinen bisherigen Olympia-Teilnahmen. Ich hoffe, dass im Athletendorf ein wenig die olympische Stimmung aufkommt, die schon etwas ganz Besonderes ist. Ob die Wettkämpfe am Ende mit Zuschauern stattfinden können, wird die Pandemie-Entwicklung entscheiden. Dass die Spiele aber stattfinden ist ganz wichtig für viele Sportarten, die sich weltweit im Existenzkampf befinden.

SPORT1: Werden Sie sich für Olympia gegen Corona impfen lassen?

Boll: Nicht nur für die Olympischen Spiele! Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen. Das ist völlig klar.

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SPORT1: Hierzulande ist eine gewisse Normalität eingekehrt. In der Bundesliga wird gespielt. Wie stellt sich die Situation emotional, aber auch finanziell, für die Spieler und Vereine dar? 

Boll: Emotional war es gewöhnungsbedürftig, dass bei den Spielen überhaupt keine Zuschauer dabei waren, weil ich es eigentlich liebe, in einem Hexenkessel zu spielen. Aber auf der internationalen Tour spielt man ja an den ersten Turniertagen oft auch vor sehr wenigen Zuschauern. Wirtschaftlich bin ich froh und dankbar, dass meine Sponsoren voll zu mir standen. Aber es gab auch ein paar Einbrüche, wie die Preisgelder auf der Tour, die weggefallen sind. Zudem sind andere Partner in Not geraten, so dass man dann doch gerne auf einen Teil von Gagen oder Honoraren verzichtet hat. Insgesamt darf ich mich aber auf keinen Fall beschweren. Viele hat es deutlich schlimmer gebeutelt. 

SPORT1: 2020 hat dich ein Filmteam begleitet. Herausgekommen ist die Dokumentation "The Spin of Life". Es gibt viele emotionale Momente. Welcher hat am meisten Gänsehaut entfacht?

Boll: Da gab's schon einige. Der Abschied vom TTV Gönnern und meinem Jugend- und Vereinstrainer Helmut Hampl geht mir immer noch sehr nah. Ich hab ihnen einfach so viel zu verdanken.

Timo Boll konnte in seiner Karriere einige große Erfolge feiern
Timo Boll konnte in seiner Karriere einige große Erfolge feiern © SPORT1

SPORT1: Rückblickend: Würden Sie heute in Ihrer Karriere etwas anders machen? 

Boll: Gerade zu Beginn meiner Karriere habe ich schon sehr oft gejammert und lamentiert. Wenn ich das sehe, habe ich noch größeren Respekt vor Helmut, der immer cool geblieben ist. 

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SPORT1: Namhafte Sportlerkollegen wie Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, Britta Heidemann oder Rio-Goldgewinner Fabian Hambüchen kommen in der Doku zu Wort, aber auch Journalisten wie Johannes B. Kerner. Ehrt dich das? 

Boll: Mich überrascht es immer wieder, dass viele Leute so positiv über mich denken und es rührt mich sogar, wenn viele immer noch an mich glauben. 

SPORT1: In der Doku sieht man, wie Sie als Knirps gegen Ihren Vater spielen. Wann haben Sie ihn das erste Mal geschlagen und wie hat er reagiert?

Boll: Er hat mich bei einer Vereinsmeisterschaft mal gewinnen lassen. Das war so offensichtlich, dass ich es sogar gemerkt habe - ich glaube, ich war neun Jahre zu dem Zeitpunkt. 

Timo Boll in jungen Jahren
Timo Boll in jungen Jahren © SPORT1

SPORT1: Worauf können sich die Zuschauer bei der Doku freuen? 

Boll: Ich bin ja jemand, der sehr zurückhaltend ist, der wenig Privates von sich preisgibt. Dennoch glaube ich, kann man den Menschen Timo Boll kennenlernen.

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