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München - Mit Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt verlassen zwei Schlüsselspieler Ajax Amsterdam, weitere könnten folgen. Doch die Nachfolger sind bereits gefunden.

Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang.

Das dürfte das diesjährige Motto von Ajax Amsterdam sein. Nach überragender Saison, die mit dem nationalen Double aus Meisterschaft und Pokal und dem nur hauchdünn verpassten Einzug ins Champions-League-Finale endete, erwarteten viele Experten ein Auseinanderbrechen der Goldenen Generation.

Mit Frenkie de Jong und dem bevorstehenden Wechsel von Matthijs de Ligt verlieren die Niederländer ihre beiden besten Spieler - und nehmen damit mindestens 150 Millionen Euro ein. Doch im Schatten der beiden Spitzenkräfte ist es bislang erstaunlich ruhig geblieben. Lediglich Ergänzungsspieler Daley Sinkgraven verschlägt es zu Bayer Leverkusen, zudem bleibt Österreich-Talent Maximilian Wöber nach der Winter-Leihe beim FC Sevilla.

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Van der Sar will Ajax-Mannschaft zusammenhalten

Weitere Abgänge sollen nach Möglichkeit vermieden werden. "Mein Ziel ist es, keine sieben Spieler aus diesem Team zu verkaufen, wettbewerbsfähig zu bleiben und den Erfolg in der nächsten Saison noch einmal zu wiederholen", erklärte Geschäftsführer Edwin van der Sar schon vor einiger Zeit im gemeinsamen Interview von Guardian und L'Equipe.

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Bislang scheint dieser Plan auch aufzugehen. International begehrte Spieler wie Außenverteidiger Nicolás Tagliafico haben sich zu einem Verbleib in Amsterdam bekannt. Ein Fragezeichen steht noch hinter David Neres und Hakim Ziyech, die durch ihre Leistungen in der vergangenen Saison Begehrlichkeiten in ganz Europa geweckt haben. Ziyech wird unter anderem immer wieder mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht.

Und auch Erik ten Hag bleibt den Niederländern weiter treu. Der in Europa begehrte Trainer verlängerte erst vor kurzem seinen Vertrag bei Ajax. "Wir hatten ein fantastisches Jahr und wollen das jetzt ausdehnen", gab der 49-Jährige die Marschrichtung vor.

Falls Neres oder Ziyech den Verein wirklich verlassen sollten, könnte das jetzt schon prall gefüllte Festgeldkonto weiter wachsen. Starten die Niederländer im Sommer also die große Transferoffensive? Mitnichten. Während internationale Top-Klubs wie Bayern, Paris Saint-Germain oder Real Madrid weiter auf der (teilweise schon verzweifelten) Suche nach hochkarätigen Verstärkungen sind, ist die Kaderplanung der Niederländer bereits zum Großteil abgeschlossen.

Nachfolger von de Jong aus Rumänien

Bekannte Namen suchte man bis zum Montag auf der Liste der Ajax-Zugänge vergeblich. Als Nachfolger für de Jong im zentralen Mittelfeld wurde der Rumäne Razvan Marin von Standard Lüttich verpflichtet - Kostenpunkt: 12,5 Millionen Euro.

Wobei das Wort Nachfolger nicht ganz korrekt ist, wie auch van der Sar erklärt. "Es gibt keinen anderen Spieler wie Frenkie", erklärte er. Marin werde natürlich anders spielen, aber das sei ja bei allen großen Spielern so.

Und auch in der Innenverteidigung wurde bereits auf den bevorstehenden Abgang von de Ligt reagiert - und zwar gleich doppelt. Mit dem 21-jährigen Argentinier Lisandro Martínez von Defensa y Justicia und dem 18 Jahre alten niederländischen Talent Kik Pierie vom SC Heerenveen wurden zwei verheißungsvolle Spieler für zusammen zwölf Millionen Euro verpflichtet. Sie sollen an der Seite des erfahrenen Daley Blind reifen und den Verlust des aktuellen Kapitäns vergessen machen.  

Promes könnte zum Rekordtransfer aufsteigen

Am Montagabend folgte zudem der bisherige Top-Transfer. Mit Quincy Promes kehrt ein gebürtiger Amsterdamer zu dem Klub zurück, für den er schon in der Jugend am Ball war. Der 27 Jahre alte Flügelstürmer kommt vom FC Sevilla, die Ablösesumme liegt bei 15,7 Millionen Euro. Inklusive Bonuszahlungen könnte Promes zum teuersten Transfer der Vereinsgeschichte aufsteigen.

Der Promes-Transfer verstärkt die Qualität in der Offensive noch einmal erheblich. Er könnte allerdings auch ein Indiz dafür sein, dass Ajax zumindest den Verlust eines seiner beiden begehrten Flügelstürmer einkalkuliert.

Van de Beek, Tadic und Dolberg sollen bleiben

Auch Donny van de Beek, Dusan Tadic und das mit Bayer Leverkusen in Verbindung gebrachte Sturmtalent Kasper Dolberg sollen in Amsterdam bleiben, ebenso wie Klaas-Jan Huntelaar. Der 35 Jahre alte Ex-Schalker verlängerte seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. In der vergangenen Saison kam der "Hunter" überwiegend in der Eredivisie zum Einsatz, erzielte 16 Saisontore.

Neben den bereits getätigten Sommertransfers setzt Ajax auch in der kommenden Spielzeit wieder auf das eine oder andere Talent der eigenen Nachwuchsschmiede. Auch sie ist einer der Hauptgründe, warum trotz vorhandenem Festgeld nicht mit den ganz großen Scheinen gewedelt werden muss. Denn das würde der eigenen Philosophie widersprechen.

Zumal der Nachwuchs bereits mit den Füßen scharrt. "Um den Talenten aus unserem Jugendbereich eine Perspektive zu geben, müssen wir im Kader sowieso die entsprechenden Plätze schaffen. Wenn man diese nicht hat, erstickt das Talent darunter", erklärte van der Sar.

Für Ajax wird es in Zukunft ein immer größerer Spagat. Zum einen soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten werden, zum anderen aber auch die Jugendarbeit als wichtigster Baustein in der Kaderplanung bestehen bleiben. Aktuell scheint der Klub ihn gut zu meistern.  

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