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Der Leverkusener ist in diesem Transfersommer zum teuersten Deutschen avanciert. Warum das so ist, kann sich Alex Steudel in seinem Kommentar nicht wirklich erklären.

Rudi Völler hat kürzlich gesagt, Kai Havertz sei einer der besten Fußballer, "die jemals für Bayer gespielt haben", und der Kai werde bestimmt eine der ganz großen Stützen der Nationalmannschaft.

Da musste ich ehrlich gesagt schlucken. Als Leverkusens Dauersportchef der "Gazzetta dello Sport" zuvor gesagt hatte, Havertz sei "der beste, den ich hier in Leverkusen gesehen habe, und ich bin schon ewig hier", hatte ich das nämlich noch für einen Übersetzungsfehler gehalten.

Völler konnte ja unmöglich Lucio-Emerson-Ballack-ewig gemeint haben.

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Und jetzt muss ich etwas gestehen: Ich verstehe das Gewese um den neuen Chelsea-Mann aus Deutschland nicht. Klar habe ich schon ein paar Spiele mit Havertz gesehen, und er ist manchmal wirklich richtig gut. Manchmal aber auch nicht so.

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Sensationelles war bisher jedenfalls nicht so oft dabei – es sei denn, Sky und DAZN haben alles rausgeschnitten. Und im Nationalteam hat er noch keine Bäume ausgerissen. Zumindest habe ich keine rumliegen sehen. Er ist ja auch kein Stammspieler bei Bundestrainer Joachim Löw.

Ich will damit nicht sagen, dass Havertz kein sehr guter, aussichtsreicher Spieler ist. Aber ich habe immer noch nicht ganz kapiert, was an ihm so unfassbar sensationell sein soll. 

Müller und Özil waren in dem Alter weiter

Einerseits, der Kerl ist erst 21, das kann noch werden. Anderseits gibt es Spieler, die in dem Alter bereits Stützen ihrer Nationalmannschaften waren.

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Ich weise da nur mal auf die WM 2010 und Thomas Müller (damals 20 und schon eine Weltsensation) oder Mesut Özil (21) hin. Und als die Bayern jetzt die Champions League gewannen, stand sogar ein 19-Jähriger (Alphonso Davies) auf dem (Stamm-)Platz.

Chelsea hält Kai "Die Vorschusslorbeere" Havertz jedenfalls, wie Völler, für eine derartige Granate, dass jetzt ein 100-Millionen-Euro-Paket geschnürt wurde. Das ist so unfassbar viel Geld, damit könnte man sogar den HSV schuldenfrei machen. Also vorübergehend, bis zum nächsten Transferfenster.

Chelsea begrüßt "Kia" Havertz

Dabei hat Havertz bisher genau null Titel gewonnen. Vielleicht haben sie bei Chelsea zur Vorstellung deshalb seinen Namen falsch geschrieben. Ahh, so toll ist dieser KIA Havertz also, dachten da wohl die Fans des Blues.

Havertz und Chelsea, das passt trotzdem ganz gut. Der Klub von Roman Abramowitsch (der das Francis-Bacon-Gemälde “Triptych” für 57,2 Millionen Euro gekauft hat, das sind knapp 0,6 Kai Havertz) ist ja neuerdings selbst eine Art Vorschusslorbeere – wenn man das Wort Vorschuss wörtlich nimmt: Die Londoner haben diesen Sommer schon 23 (!) Zugänge im Gesamtwert von 223 Millionen Euro eingetütet. Kaufrausch inklusive Timo Werner.

DAS nenne ich dann mal eine echte Sensation im Zeitalter von Financial Fairplay (falls es das noch gibt).

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