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Patrick Lange setzte in Hawaii die deutsche Erfolgsserie beim Ironman-Triathlon fort. Bei SPORT1 erklärt er, wie er seinen Triumphzug erlebte und was ihn zum Sieg trieb.

Es war der größte Tag in seinem sportlichen Leben. Am 14. Oktober triumphierte Patrick Lange beim Ironman auf Hawaii, in Rekordzeit und völlig überraschend.

Den Erfolg widmete der Hesse dem 2016 an Krebs gestorbenen Johnny Heimes, der durch sein Engagement für die Krebshilfe und seiner Leidenschaft für den Zweitligisten Darmstadt 98 zu einer Ikone des Zweitligisten geworden ist.

Bei SPORT1 erklärt Lange, wie er sich beim härtesten Triathlon der Welt zum Sieg kämpfte und welchen Anteil Heimes an dem Triumph hatte.

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SPORT1: Was hat der Sieg beim Ironman Hawaii 2017 für Sie verändert?

Patrick Lange: Zum einen gibt es viel mehr mediales Interesse, was für unseren Sport natürlich sehr gut ist. Denn Triathlon ist immer noch eine Randsportart. Deswegen bin ich umso stolzer, als Botschafter des Triathlons die Chance nutzen zu können, Medientermine wahr zu nehmen. Was die Zukunft bringt, wird man sehen. Aber ich bin ganz positiv und einfach glücklich, den Sieg errungen zu haben. Aber es dauert sicherlich noch einige Tage, bis sich das alles gesetzt hat.

SPORT1: Wenn man die Bilder Ihres Triumphes sieht, hat man auch in Erinnerung, dass sie kurz vor dem Ziel noch fast gestürzt wären. Was war los?

Lange: Ich hatte schon noch alles unter Kontrolle. Ich habe das gar nicht als Stolpern realisiert. Und selbst wenn, dann wäre ich ja ins Ziel reingeflogen. Von daher hätte es am Ergebnis vermutlich nichts mehr geändert. Aber dieses kleine Stolpern macht das Ganze umso menschlicher.

SPORT1: Sie sind nun der Gejagte und das Aushängeschild dieser Sportart. Inwieweit darf man dann auch auf sich selbst stolz sein?

Lange: Ich glaube, dafür ist die Zeit noch nicht gekommen. Ich konzentriere mich jetzt auf die kommenden Aufgaben und wenn ich meine Karriere irgendwann beendet habe, dann ist immer noch genug Zeit, um stolz zu sein. Jetzt wird erst einmal weiter trainiert, dann stehen Wettkämpfe an - für Stolz ist aktuell kein Platz.

SPORT1: Was sind die großen Ziele für 2018?

Lange: Die Saisonplanung steht noch nicht fest. Wir sind noch am Ausloten, welche Wettkämpfe ich bestreiten werde. Natürlich ist das große Ziel wieder der Ironman auf Hawaii. Dort gilt es, meine optimale Performance abzurufen und im besten Fall den Titel wieder zu verteidigen.

SPORT1: Sie sind Fan von Darmstadt 98. Am Handgelenk tragen Sie das Armband von Johnny Heimes. Was bedeutet Ihnen seine Vita und seine Motivation?

Lange: Es gibt dazu eine ganz nette Anekdote aus dem Rennen auf Hawaii. Nach fünf Kilometern, als es mir wirklich nicht gut ging, stand ein Lilien-Fan im Trikot am Straßenrand und hat mir zugerufen "Johnny ist bei dir". Und als jemand, der die Geschichte um Johnny hautnah mitbekommen hat, hat mich das krass gepuscht. Zum einen, dass dort wirklich ein Darmstädter steht und zum anderen auch noch mit solchen Worten. Da gab es für mich wirklich den Moment, der kam mir vor, als ob mich jemand schiebt. Das hat mir ungemein geholfen und deswegen nutze ich jetzt die Gelegenheit - zum einen den Sieg Johnny zu widmen und zum anderen die "Du musst kämpfen"-Kampagne zu unterstützen. Den Mann vom Straßenrand habe ich nach dem Rennen ausfindig gemacht und er wird uns dieses Trikot zur Verfügung stellen und wir werden es verlosen. Wer mindestens einen Euro spendet, kann an der Verlosung teilnehmen. Der Erlös kommt komplett der Kampagne zu Gute. Das ist meine Möglichkeit, etwas zurück zu geben.

SPORT1: Wenn wir auf die Konkurrenz aus Deutschland schauen: Jan Frodeno, Sebastian Kienle und auch Boris Stein als Top-10-Triathlet. Sind wir - wie Ihr Trainer auch sagte - die führende Triathlon-Nation und können wir uns auf ein richtiges Battle um den nächsten Hawaii-Sieg freuen?

Lange: Ich denke schon, dass wir die führende Langdistanz-Nation sind. Im Kurzdistanz-Bereich müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen. Aber es wird schwierig werden, die Top-Position auf der Langdistanz zu halten. Mit dem Kanadier Lionel Sander haben wir jemanden, der extrem motiviert an die Sache heran geht. Er möchte definitiv an unserem Thron sägen. Auch die Amerikaner lechzen schon seit Jahren nach einem amerikanischen Erfolg. Deswegen müssen wir uns auch immer weiter steigern und weiter hart an uns arbeiten. Wir pushen uns da aber gegenseitig sehr gut. Jan Frodeno lässt es auch nicht auf sich sitzen, wie es in diesem Jahr für ihn gelaufen ist. Das wird uns definitiv weiter antreiben. 

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