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CFP National Championship - Alabama v Clemson
Nick Saban kam 2007 von den Miami Dolphins zu den Alabama Crimson Tide © Getty Images
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München - Der erfolgreichste Coach der USA ist Alabamas Nick Saban. Gegen Georgia holt er seinen 6. Titel. Er verdient mehr als fast alle NFL-Coaches. Was ist sein Geheimnis?

Wer ist der erfolgreichste Coach im US-Sport? Im ersten Moment denkt man wahrscheinlich an Steve Kerr, der mit den Golden State Warriors die NBA dominiert. Oder an Bill Belichick von den New England Patriots, es sind auch nicht Gregg Popovich oder der langjährige US-Basketballtrainer "Coach K" Mike Krzyzewski.

Der erfolgreichste Trainer im US-Sport ist Nick Saban. In Deutschland fragt sich vielleicht der eine oder andere: wer? Der 66-Jährige coacht seit 2007 das College-Football-Team der University of Alabama, die Crimson Tide.

In der Nacht auf Dienstag gewann er im National Championship Game, dem Finale im College Football, gegen die Georgia Bulldogs seinen nächsten Titel.

Saban hat unfassbare College-Bilanz

Es war Sabans fünfter Titel in neun Jahren, der sechste insgesamt. Mit Alabama gewann er seit 2008 unglaubliche 124 von 138 Partien. Kein anderer Trainer im US-Sport kann derartige Erfolge vorweisen.

Doch nicht nur die Titel sind es, die Nick Saban ausmachen. Der 66-Jährige ist eine absolute Maschine in Sachen Talentförderung. In Alabama hat er eine wahre Dynastie erschaffen.

Er schafft es immer, die talentiertesten High-School-Schüler anzuwerben. Seit fünf Jahren führt die Universität das entsprechende Ranking an.

Nick Saban gewann seinen fünften College-Titel
Nick Saban mit der Meisterschaftstrophäe nach dem Finaltriumph 2016 über Clemson © Getty Images

Alabama ist eine NFL-Fabrik

Sagenhafte 119 Spieler schafften es aus den Fittichen von Saban direkt in die NFL. Sein Team aus dem Jahr 2008 gilt unter Experten als eines der besten College-Teams aller Zeiten.

Der Superstar der Atlanta Falcons, Receiver Julio Jones, wurde genauso von Saban ausgebildet wie Mark Ingram, der Running Back der New Orleans Saints. Auch Patriots-Linebacker Dont'a Hightower stammt aus der Kaderschmiede von Nick Saban. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Die Scouting-Fähigkeiten sind bemerkenswert. Und das bei einem Mann, der nicht im Traum daran gedacht hat, als Football-Trainer zu arbeiten.

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Saban wollte Autohändler werden

Eigentlich wollte Saban in die Fußstapfen seines Vaters treten und in der Automobilbranche arbeiten. Wenige Monate vor Ende seiner College-Zeit an der Kent State University kam aber alles anders. Bei einem zufälligen Gespräch mit Don James, dem Coach des hiesigen Football-Teams, schlug dieser vor, ihn als Assistenten aufzunehmen. Saban spielte damals als Safety für Kent State.

Nach anfänglichem Zögern sagte Saban zu und startete eine einzigartige Karriere. Doch warum ist ausgerechnet der in West Virginia geborene achtmalige Conference-Champion in Sachen Talent-Förderung so erfolgreich?

Ein früherer Co-Trainer von Saban sagte einmal über ihn: "Er ist wie jemand, der schon in jungen Jahren ein reinrassiges Rennpferd identifizieren kann." Und genau dann, wenn die Spieler noch jung sind, setzt Saban seinen besonderen Charme ein.

Perfektionist: Er weiß alles über Talente

Als er vor vielen Jahren einen Nachwuchsspieler unbedingt in sein Team holen wollte, ließ Saban das Weihnachtsessen bei seiner Schwiegermutter sausen, um mit der Oma des besagten Spielers bis drei Uhr morgens Bier zu trinken. Bei seiner Familie sammelte Saban keine Pluspunkte, bei der des Nachwuchsprofis schon. Er entschied sich für Saban und schaffte anschließend den Sprung in die NFL.

Wenn Nick Saban eine Familie besucht, um sie davon zu überzeugen dass ihr Sohn zu Alabama wechseln soll, dann ist er perfekt vorbereitet. Er sammelt alle Informationen, die er kriegen kann. Er weiß die Note aus dem letzten Englisch-Test genauso wie die bevorzugte Kaugummi-Marke des Jungen.

Doch nicht nur seine Hartnäckigkeit macht ihn zu einem besonderen Trainer. Vor allem seine Philosophie bleibt den Saban-Schützlingen in Erinnerung. Ein ehemaliger Spieler bezeichnete die "unerbittliche Ehrlichkeit" als "erfrischend".

9,2 Millionen Jahresgehalt bei Alabama

Im Vergleich zu vielen anderen Trainern hält Saban nichts davon, sich den Gewinn einer Trophäe bereits im Voraus bildlich vorzustellen. Er will dass sich die Spieler nur auf das konzentrieren was direkt vor ihnen liegt. Sich Dinge vorzustellen, die zu weit in der Zukunft liegen, löst laut Saban nur Ängste aus und lenkt ab. Das spätere Scheitern ist vorprogrammiert.

Seinen Spielern und Assistenten gibt er stets einen Ratschlag mit auf den Weg: "Denkt nicht daran, das College-Football-Finale zu gewinnen. Denkt darüber nach, was ihr im nächsten Schritt, im nächsten Spielzug und im nächsten Moment tun müsst. Lasst uns darüber nachdenken was wir heute tun können."

Der Erfolg gibt ihm recht. In der vergangenen Saison verdiente der Trainer der Alabama Crimson Tide rund 9,2 Millionen Euro - ein Gehalt von dem viele Trainer in der NFL nur träumen können.

In der NFL gefloppt

Von 2005 bis 2007 trainierte Saban dort die Miami Dolphins und scheiterte grandios. In keiner Saison konnte er sich für die Playoffs qualifizieren.

Startet er nach zehn Jahren Alabama Crimson Tide nun noch einmal in der NFL durch? Seine Qualitäten eine Mannschaft zu führen, sind unbestritten.

Dennoch erscheint ein weiteres Engagement unwahrscheinlich. "In der NFL bekommt man nur einen Erstrundenpick pro Jahr, wenn er nicht in einem Deal bereits zu einem anderen Team getradet wurde. Am College kann ich jedes Jahr zehn Spieler mit dem Talent eines Erstrundenpicks rekrutieren", sagte Saban einst.

Mit dieser Aussage dürfte er die Frage bereits selbst beantwortet haben.

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