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Die GFL ist zurück. Am 1. Spieltag werden die Schwäbisch Hall Unicorns ihrer Favoritenrolle gerecht. Auch in Köln und München kann gejubelt werden.

Mit einigen Überraschungen ist die Saison der German Football League 2021 gestartet. Begonnen hatte die Spielzeit aber mit einem klaren 58:14 von Vizemeister Schwäbisch Hall Unicorns gegen Aufsteiger Ravensburg Razorbacks im GFL Season Opener am Freitagabend. (Interview: Ex-NFL-Profi will GFL aufmischen)

Bei den Unicorns nutzten die Running Backs John Santiago und Jannis Fiedler sowie die Receiver Yannick Mayr und Tyler Rutenbeck die Gelegenheit, sich gegen die Ravensburger einzuspielen. (Alles zur GFL)

Santiago und Mayr setzten gleich beim ersten Ballbesitz der Unicorns ein Ausrufezeichen. Nicht der neue Haller Quarterback Alexander Haupert, sondern John Santiago bediente Yannick Mayr mit einem 65-Yard-Pass zum ersten Touchdown der neuen GFL-Saison. Wenig später lieferte Santiago den ersten seiner drei Lauf-Touchdowns. Und erst als es kurz vor dem letzten Seitenwechsel bereits 51:0 stand, gönnten die Gastgeber den Ravensburgern ihren einzigen Touchdown des Abends. (GFL: Spielplan/Ergebnisse und Tabellen)

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Dresden unterliegt Cologne Crocodiles

Andere Mitfavoriten kassierten am Wochenende aber unerwartete Niederlagen. Die Dresden Monarchs etwa, die in den letzten Jahren jeweils immer nur an eben jenen Unicorns in den Play-Offs gescheitert waren, galten vor dem Saisonstart als der "Geheimfavorit" auf den Titel in diesem Jahr. Noch kurz vor Spielbeginn in Köln hatte der Head Coach von Auftaktgegner Cologne Crocodiles, Patrick Köpper, in die gleiche Kerbe geschlagen und für sein eigenes Team Play-Off-Ambitionen verneint.

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Am Ende durften die Kölner sich allerdings nicht nur darüber freuen, dass die Stadt Köln kurzfristig noch erlaubt hatte, vor 500 Zuschauern spielen zu dürfen. Köppers Team gewann den offensiven Shootout zweier vor allem auf Passangriff setzenden Mannschaften am Ende mit 48:41 nach 17:24-Halbzeitrückstand.

Dresdens Quarterback-Neuerwerbung Kyle Carta-Samuels glänzte zwar mit fünf Touchdown-Pässen, und in der Kölner Passverteidigung gab es tatsächlich einige Lücken, die Cheftrainer Köpper wohl gemeint hatte, als er vom Play-Off-Format seiner Mannen lieber noch nicht reden wollte. Aber den Dresdnern war bei einigen fallen gelassenen Bällen der Receiver die noch mangelnde Spielpraxis nach 20 Monaten Corona-Pause doch anzumerken.

Die Kölner, für die Quarterback Chris Strong zweimal Markell Castle und einmal Aaron Jackson in der Endzone bedienen konnte und die im Unterschied zu den Gästen auch dreimal per Lauf in die Endzone kamen, hatten am Ende eher schon einen Tick zuviel an Spielfreude nach der langen Football-Abstinenz. Als sie mit 41:34 in Führung gegangen waren, hätten sie die Partie mit einem First Down eigentlich bequem beenden können, ohne Dresden noch einmal Ballbesitz zu gewähren.

Stattdessen fing Castle den Ball zu seinem zweiten Touchdown. Die Monarchs brauchten weniger als eine Spielminute, um wieder auf 41:48 zu verkürzen, bekamen für den Onside Kick durch Disziplinlosigkeiten der Crocodiles eine günstige Feldposition und schafften es tatsächlich noch ein weiteres Mal, in Ballbesitz zu kommen. So durfte schließlich am Ende mit Mark Scherenberg doch ein Passverteidiger mit seiner Interception den Sieg besiegeln.

Allgäu Comets überraschen

Am Sonntag gab es auch in der Süd-Gruppe einen herben Dämpfer für das Team, dem am ehesten zugetraut wurde, den Unicorns dort endlich einmal wieder Paroli zu bieten: Die Marburg Mercenaries, die auf den verletzten Running Back Marcus Cox verzichten mussten, verloren ihren Heimauftakt gegen die Allgäu Comets mit 7:31.

Anders als in Köln dominierten dabei in Marburg die Verteidigungen und bereiteten auf beiden Seiten den Angreifern einige Probleme. Eine Ausnahme bildete aber Allgäus aus Dresden gekommener Neuzugang Glen Toonga. Dessen Touchdown im ersten Viertel zum 8:7 war für die Comets das Signal, dass an diesem Nachmittag alles für sie drin war.

Marburg litt zunehmend unter den Ungenauigkeiten im Passspiel, die Allgäuer konnten durch Brandon Kohn und ihren neuen Quarterback McLane Carter den Vorsprung geduldig immer weiter ausbauen. Marburgs Quarterback Sonny Weishaupt, der nur zu Beginn die Führung durch einen Touchdown-Pass auf Niklas Fengler erspielt hatte, musste immer mehr ins Risiko gehen. Das Fehlen von Cox als stabilisierendes Element neben ihm war dabei nicht zu kompensieren. "Wir haben bis zum Schluss gewartet und gehofft, dass Marcus spielen kann", haderte Marburgs Coach Joe Tricario nach dem Spiel mit dem Schicksal.

Der Sieg der Comets war der einzige eines Auswärtsteams im Süden, noch dazu bei der Mannschaft, die als Tabellendritter von 2019 eigentlich neben den Unicorns als "gesetzt" für die Play-Offs gilt. Für die Comets eröffnen sich so blendende Perspektiven. Besonders weil die anderen beiden Süd-Viertelfinalisten von 2019 neben Schwäbisch Hall und Marburg zum Saisonstart keinesfalls die Befürchtungen zerstreuen konnten, dass sie dieses Jahr eher gegen den Abstieg kämpfen müssen.

Munich Cowboys zerlegen Frankfurt

Besonders drastisch wurde dies für Frankfurt Universe offensichtlich. Das junge Team hatte bei den Munich Cowboys nicht den Hauch einer Chance. Beim 72:0-Erfolg der Münchner warf deren Quarterback Justin Sottilare in der ersten Halbzeit fünf Touchdown-Pässe und durfte sich nach dem 51:0-Zwischenstand zur Pause den Rest der Partie gemütlich von der Seitenlinie aus anschauen.

Kaum besser als den Frankfurtern erging es den Stuttgart Scorpions, die beim Aufsteiger Saarland Hurricanes nicht zum Zuge kamen. Für die Saarländer wurde die Rückkehr in die GFL und in den renovierten Saarbrücker Ludwigspark mit einem 35:7-Sieg zum Freudenfest. Vier Touchdown-Pässe von Quarterback Josh Goldin hatten schon zur Halbzeit für die Vorentscheidung gesorgt.

Überraschend deutlich wurde es auch in Kiel. Running Back Jack Mayon tobte sich für die Potsdam Royals mit fünf Touchdown-Läufen ausgiebig aus. Am Ende siegten die Potsdamer mit 55:6 gegen die enttäuschten Gastgeber Kiel Baltic Hurricanes. Deren Coach Timo Zorn blieb ratlos: "Wir haben heute eine Menge Lehrgeld bezahlt. Potsdam trat mit einem zu 2019 komplett neuen Spielsystem an. Wir konnten vor allem ihren Running Back nicht stoppen." Lange Stunden der Videoanalyse liegen nun vor ihm und seinem Team.

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