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Die NBA kämpft aktuell mit einer Vielzahl von Eklats ihrer Stars auf und neben dem Court © SPORT1-Grafik: Getty Images/ Picture Alliance/ E.Zimmermann
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München - Der vorläufige Tiefpunkt war der Prügeleklat von L.A.: Die Aussetzer der NBA-Stars häufen sich in letzter Zeit. Woran liegt das und was kann die Liga tun?

Die NBA erlebt gerade einen besorgniserregenden Trend.

Immer öfter kommt es in letzter Zeit zu extremen Disziplinlosigkeiten bis hin zu offenen Gewaltexzessen. Im Spiel zwischen den Orlando Magic und den Minnesota Timberwolves liefern sich Arron Afflalo (Orlando) und Nemanja Bjelica (Minnesota) eine handfeste Schlägerei.

Bei einer eigentlich normalen Ausbox-Situation nach einem Wurf rastete der Magic Guard ohne ersichtlichen Grund aus. Afflalo stürmte auf seinen Kontrahenten zu und schlug auf ihn ein. 

Mit zwei mächtigen Schwingern traf er jedoch nur die Luft und den Arm des Serbens, der ihn daraufhin in den Schwitzkasten nahm. Die Streithähne flogen anschließend beide vom Feld. In der Nacht auf Donnerstag verpasste Milwaukees Eric Bledsoe Gegenspieler Kelly Olynyk einen Ellbogenschlag. Bei Hornets und Wizards kam es ebenfalls zu einer Rangelei.

Es war nicht der erste Eklat in dieser NBA-Saison. Bereits mehrere Profis fielen mit negativen Schlagzeilen auf, in den vergangenen drei Tagen wurden neun Spieler vom Platz gestellt. Die NBA hat ein Gewaltproblem.

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NBA-Skandale häufen sich 2017/18

Nach der 102:113-Niederlage gegen die Los Angeles Clippers stürmten einige Spieler der Houston Rockets, darunter auch James Harden, in die Kabine der Clippers. Nur durch das schnelle Herbeieilen der Hallen-Security konnte verhindert werden, dass die hitzigen Wortgefechte nicht in Handgreiflichkeiten übergingen. Blake Griffin hatte sich vorher bereits mit Rockets-Coach Mike D'Antoni angelegt.

Schon früh in der Saison leistete sich auch Dennis Schröder von den Atlanta Hawks einen Aussetzer - allerdings jenseits des Courts. Nach einem heftigen Disput mit einem Shisha-Bar-Besucher wurde der Braunschweiger gewalttätig. Schröder schlug und trat angeblich auf das Opfer ein und wurde anschließend von der Polizei festgenommen

Direkt auf dem Feld kam es in der laufenden Spielzeit schon öfter zu heftigen Auseinandersetzungen. Beispielsweise prügelten sich bereits Draymond Green von den Golden State Warriors und Bradley Beal von den Washington Wizards direkt auf dem Court. Ebenso wie Serge Ibaka (Toronto Raptors) und James Johnson (Miami Heat). 

Und auch vor den Zuschauern machen die NBA-Stars keinen Halt. Rodney Hood von Utah Jazz schlug auf dem Weg in die Kabine einem Fan das Handy aus der Hand, nachdem dieser versucht hatte, ein Foto des Profis zu schießen. Zuvor wurde Hood von den Referees mit zwei technischen Fouls unter die Dusche geschickt.

Bereits vor der Saison hatte Chicagos Bobby Portis seinem Teamkollegen Nikola Mirotic die Nase gebrochen. All diese Beispiele zeigen das Gewaltpotential der Protagonisten auf. Denn sogar große Namen, wie Harden, Schröder oder Green, schrecken vor Handgreiflichkeiten nicht zurück und vergessen dabei ihre Vorbildfunktion.

Mögliche Gründe für die Ausraster

Natürlich kommen einige Profis nicht aus den besten Verhältnissen und haben als Kinder teilweise Gewalt und Verbrechen direkt miterlebt, aber daran kann man die aktuellen Entwicklungen keinesfalls festmachen.

Es ist momentan eher so, dass generell eine höhere Anspannung in den USA herrscht - nicht zuletzt dank des polarisierenden US-Präsidenten Donald Trump - und vielleicht auch bei den NBA-Stars unterbewusst für eine kürzere Zündschnur sorgt. Außerdem ist das Verhältnis zu den Schiedsrichtern aktuell nicht das beste. Nicht nur Carmelo Anthony kanzelte die Unparteiischen ob einiger fragwürdiger Entscheidungen öffentlich ab. Auch dadurch steigt die Aggressivität.

Dass die Belastung einfach zu hoch ist, ist auch denkbar. Schließlich bestreiten sie ein straffes Programm mit 82 Spielen. Für die Playoff-Teams sogar noch mehr. Das bedeutet viel reisen, wenig Zeit für sich und noch weniger Zeit für seine Liebsten oder auch mal abzuschalten. Gut möglich also, dass bei einigen Profis daher die Nerven des Öfteren blank liegen. Der All-Star-Break ist noch etwas entfernt.

Folgen für die Stars meist gering

Auf die Ausraster folgen zumeist zwar Geldstrafen und Spielsperren, offenbar erzielen diese aber nur überschaubaren Erfolg. Denn zwar folgt oft eine Entschuldigung und ein Versprechen der Besserung. Die Vorsätze werden aber nicht selten über den Haufen geworfen.

Möglicherweise sollten die Sperren erhöht werden, dem Image des Sports schaden die Bilder der vergangenen Tage und Wochen. Ob das die Liga aber überhaupt möchte, darf jedoch bezweifelt werden. Denn das würde bedeuten, dass sie im Kampf gegen Football und Co. auf ihre Stars verzichten müsste.

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