Blamage! Bitterböse Auftaktklatsche für LeBron
teilenE-MailKommentare

München - Die Conference Finals gegen Boston könnten für LeBron James und die Cavs bald vorbei sein. Denn die Celtics legen die Schwächen von LeBrons Cavs schonungslos offen.

LeBron James versuchte wahrlich alles, um die zweite Niederlage im zweiten Spiel der Conference Finals im Osten abzuwenden.

Doch am Ende reichte auch ein Triple-Double inklusive seines fünften Playoffs-Spiel in dieser Saison mit mindestens 40 Punkten nicht für den so wichtigen Auswärtssieg bei den Boston Celtics. (SERVICE: So steht es in den NBA-Playoffs)

Dabei liegt es mitnichten nur daran, dass der Superstar alles alleine machen muss und die Cavs nur wegen fehlender Hilfe für "King James" ein so desolates Bild abgeben. Vielmehr ist es so, dass James selbst Teil des Problems ist.

SPORT1 zeigt, was bei den Cavaliers schief läuft.

Offensive - LeBron und sonst niemand:

Das Cavs-Spiel ist zu leicht ausrechenbar und folgt über weite Strecken einem Grundsatz: Gebt James den Ball und geht aus dem Weg. Gegen die Celtics, die anders als die Toronto Raptors einen klaren Plan haben, wie sie den Ausnahmekönner verteidigen können, ist das zu wenig.

Mit Kevin Love ist zwar noch ein zweiter "Star" mit viel Offensiv-Potential im Team. Der Big Man kann jedoch ein Spiel nicht an sich reißen, zumal er oft zu wenig eingesetzt wird, neben LeBron oft nur zum Schützen degradiert ist. In den letzten Jahren war es Kyrie Irving, der James offensiv entlastete, böse Zungen behaupten: ihm zuweilen aus der Patsche half. Doch er fehlt nun.

Alle Highlights aus der NBA gibt es ab sofort wöchentlich in "Fastbreak - Dein NBA Week Pass". Das einzige NBA-Magazin im deutschen Fernsehen

In Spiel 2 gegen die Celtics kamen die drei Starter neben James und Love (George Hill, J.R. Smith, Tristan Thompson) zusammen auf nur elf Punkte. Die Folge: James muss offensiv alles allein machen. Das aber kostet Kraft.

Kein Wunder, dass James im Schlussviertel seltener den Korb attackiert. Aber auch seine Freiwurfschwäche dürfte ein Grund sein, weshalb er nicht wie Houstons Superstar James Harden in den Schlussminuten ständig zum Korb zieht, um Fouls zu provozieren.

Hinzu kommen Coaching-Fehler von Tyronn Lue, der in der wichtigen Phase zu Beginn des Schlussviertels James und Love gleichzeitig auf die Bank setzte und sein ohnehin schon strauchelndes Team so selbst torpedierte.

Defense - Die große Schwachstelle:

Die Defensive der Cavaliers war bereits in der Regular Season das große Sorgenkind. Knapp 110 Punkte ließen die Cavs im Schnitt zu, nur vier Teams in der gesamten Liga waren noch schlechter. 

(DAZN zeigt die NBA live. Jetzt kostenlosen Testmonat sichern!)

Hieran hat auch James Mitschuld - auch wenn er hin und wieder einen spektakulären Block zeigt, der im TV rauf und runter läuft. Doch da er in der Offensive ständig gebraucht wird, nimmt er sich in der Defense immer häufiger Auszeiten.

So landete James bei der Kategorie Defensive Win Shares (beziffert den defensiven Anteil eines Spielers an Siegen seines Teams) gerade einmal auf Platz 309. Heißt: 308 NBA-Spieler trugen mit ihrer Abwehrarbeit mehr zum Teamerfolg bei als "King James" - für einen Spieler mit seiner Athletik ein unterirdischer Wert.

In Spiel 1 gegen die Celtics hatte James zudem die verheerende Plus-Minus-Bilanz von -32. Es war die mit Abstand schlechteste Bilanz bei den Cavs (der zweitschlechteste Spieler J.R. Smith hatte -17.).

Angesichts seines herausragenden Könnens in der Offensive wäre dies kein Problem, wenn seine Mitspieler defensiv begabt wären. Doch weder Love noch Smith oder Kyle Korver sind in der Defensive eine große Hilfe.

Cavs-Trainer Lue wird auch in diesem Punkt von seinem Gegner Brad Stevens regelrecht ausgecoacht. Bostons Mastermind hat einen klaren Plan, während Lue über die gesamte Saison die Probleme seiner Mannschaft nicht in den Griff bekam. Auch die Beförderung von Center Thompson in die Starting Five für Spiel 2 (um Al Horfords Kreise einzuengen) hatte nur überschaubaren Erfolg.

Zu oft agiert die Cavs-Defense kopflos, reagiert zu langsam und bricht nach etwas komplexeren Systemen der Celtics regelmäßig zusammen, reihenweise Missverständnisse der Verteidiger bescherten Boston auch in Spiel 2 offene Würfe en masse.

(Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US )

Gefloppte Personalpolitik:

Statische, einfallslose Offense, hilflose Defense - diese Probleme begleiten die Cavs schon die ganze Saison - und der Abstieg begann bereits im Sommer: Kyrie Irving hatte keine Lust mehr, im Schatten von James zu stehen. Die Cavs schickten den Point Guard daraufhin nach Boston und erhielten dafür mit Spielmacher Isaiah Thomas und dem defensivstarken Jae Crowder brauchbaren Ersatz.

Doch Lue gelang es zu keinem Zeitpunkt, die zwei Schlüsselspieler aus dem starken Celtics-Kollektiv in sein System der Cavs zu integrieren. 

Bei Thomas lag das auch daran, dass er selbst oft den Ball in den Händen braucht, was mit James unmöglich war. Crowder wurde offensiv meist ignoriert und fand auch defensiv nicht zu seiner Boston-Form.

Vor der Trade-Deadline im Februar zogen die Bosse, ziemlich sicher auch in Abstimmung mit Franchise-Player James, die Reißlinie und bauten das Team um. Die Verjüngung des Teams wurde zunächst als positiv bewertet und kurzfristig ging es tatsächlich aufwärts. Doch schnell kamen die Cavs gerade defensiv wieder in den alten Trott.

Inzwischen spielen nur noch die wenigsten Neuzugänge eine Rolle im Playoff-Kampf. Jordan Clarkson kam in Spiel 2 überhaupt nicht zum Einsat, Larry Nance Jr. erzielte in elf Minuten keinen Punkt und Rodney Hood verweigerte gegen die Raptors sogar seine Einwechslung. Lediglich George Hill darf noch als Starter ran. In der Defensive ist er solide, doch offensiv findet er quasi nicht statt. 

Über weite Strecken der Partie spielen die Cavs mit den gleichen Spielern wie im vergangenen Jahr - nur mit dem offensiv harmlosen Hill anstelle von Superstar Irving.

Schaffen LeBron und die Cavs nicht noch die überraschende Wende, dürften die NBA-Finals zum ersten Mal seit der Saison 2010/2011 ohne James stattfinden. Auch die Zukunft des Superstars, über dessen Abgang im Sommer schon lange spekuliert wird, ist dann mehr denn je in der Schwebe.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image