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Alfonzo McKinnie wird von seinen Teamkollegen um Steph Curry (l.) gelobt
Alfonzo McKinnie wird von seinen Teamkollegen um Steph Curry (l.) gelobt © dpa Picture-Alliance
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München - Alfonzo McKinnie sorgt in der NBA für Furore. Der 26-Jährige spielt vor drei Jahren noch in Luxemburg, ehe ihn bei den Warriors ein kometenhafter Aufstieg ereilt.

Es ist Usus in der NBA, dass nach einem Spiel ein Akteur auf der Pressekonferenz den Journalisten Rede und Antwort steht - normalerweise ein Star.

Nach der Partie zwischen den Golden State Warriors und den Minnesota Timberwolves am vergangenen Freitag nahm aber nicht etwa Steph Curry an der PK teil, auch nicht Kevin Durant oder Klay Thompson.

Für die Warriors meldete sich Small Forward Alfonzo McKinnie zu Wort. Es war ein weiterer Schritt einer märchenhaften Story. Denn vor nicht einmal drei Jahren war der heute 26-Jährige von einem Auftritt in der NBA meilenweit entfernt.

Erste Station in Luxemburg

Beim Draft 2015 hatte McKinnie nach zwei Meniskusrissen im College keine Chance. "Ich hatte kein einziges NBA-Workout absolviert, deshalb habe ich mich gar nicht erst angemeldet", gestand der US-Amerikaner bei The Undefeated

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Seine Basketball-Karriere startete er anschließend bei den East Side Pirates – einem Zweitliga-Team aus Luxemburg. Während seine Mannschaftskollegen mit normalen Jobs ihr Geld verdienten, gab McKinnie seinen Basketball-Traum noch nicht auf. Die Pirates waren dafür aber dann doch nicht die richtige Adresse.

Nach nur acht Monaten zog der 26-Jährige weiter, doch auch seine nächste Station klang wenig verheißungsvoll. Bei Rayos de Hermosillo in Mexiko gewann er den Titel. Fast schon wichtiger: In seinem Vertrag existierte eine Klausel, die ihm in einer Sports-Bar Rabatt auf Wings gewährte. Während die Warriors zu diesem Zeitpunkt noch nichts von ihrem zukünftigen Spieler wussten, kam McKinnie in den Playoffs 2016 zumindest vor dem Fernseher erstmals mit ihnen im Kontakt.

"Ich habe jedes Spiel geguckt. Und wahrscheinlich alles von der Speisekarte gegessen", erinnerte sich McKinnie in der New York Times.

McKinnie kaufte sich Probetraining

175 Dollar waren es schließlich, die den Weg in die NBA ebneten. Mit dem Geld erkaufte sich McKinnie ein Probetraining bei den Windy City Bulls, dem G-League-Team der Chicago Bulls. In der Entwicklungsliga wurde er zum All-Star, in den NBA-Kader schaffte er es aber zunächst nicht.

Auch bei den Toronto Raptors, wo er unter dem früheren All-Star Jerry Stackhouse lernte, musste McKinnie einen Umweg nehmen, ehe er am 19. Oktober 2017 sein erstes NBA-Spiel bestritt. Zu seinem einminütigen Auftritt kamen aber nur noch 52 weiter Minuten im Laufe der Saison hinzu.

Dass aus dieser wenig verheißungsvollen Ausgangssituation nur ein Jahr später die Chance auf den Meistertitel in der NBA herausspringen würde, hätte sich McKinnie wohl selbst nicht erträumt. Wie konnte es also dazu kommen?

Cousin vom früheren Curry-Bodyguard

Klar, seine Kurzeinsätze für Toronto brachten ihn zumindest in die NBA-Statistik. Und dass das Team von Steve Kerr nach einem Flügelspieler suchte, half ebenfalls. Der entscheidende Kontakt kam aber auf einem ganz anderen Weg zustande.

McKinnie ist der Cousin von Ralph Walker. Bis zu seinem Rücktritt im Sommer arbeitete der frühere Polizist im Security-Team der Warriors. Die meiste Zeit verbrachte er damit, Steph Curry zu beschützen. Er war es, der Golden State auf McKinnie aufmerksam machte.

Viel Lob von Trainer Kerr

"Er ist gekommen und hat die Gelegenheit genutzt, die sich ihm geboten hat. Er ist eine riesige Überraschung für uns", sagte Coach Kerr und reihte sich nahtlos ein in eine Liste des Lobes.

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Auch Teamkollege Draymond Green ist von den Fähigkeiten des Small Forward begeistert. "Die Energie, die er auf das Parkett bringt, seine Fähigkeiten beim Wurf, sein unbedingter Wille den Ball zu haben - es ist großartig, ihn im Team zu haben", frohlockte der Power Forward.

Alfonzo McKinnie spielt seit dieser Saison für die Warriors
Alfonzo McKinnie spielt seit dieser Saison für die Warriors © Getty Images

Harte Arbeit zahlt sich aus

Kollege Klay Thompson ist von der Geschichte ohnehin begeistert: "Alfonzo zeigt uns, was harte Arbeit und Beharrlichkeit bewirken können. Ich kann einfach nicht glauben, dass er all die Jahre nicht in der NBA gespielt hat."

Im Training Camp schlug er bei den Warriors auf, hoffte auf eine Chance - und ergatterte einen der letzten Kaderplätze. Nun spielt er an der Seite der größten Basketball-Stars der Welt eine wichtige Rolle.

McKinnie liebt Rebounds

19 Punkte und zehn Rebounds in 27 Minuten vor den Augen von Forward-Legende Scottie Pippen gegen Chicago. Acht Zähler und acht Abpraller in 27 Minuten gegen die Timberwolves. Darunter ein Dunk, ein Defensiv-Rebound und ein Dreier innerhalb von 55 Sekunden, die sein Team endgültig auf die Siegerstraße brachten. Gegen Memphis am Dienstag folgten 14 Punkte, drei Assists und zwei Rebounds (Service: Die Tabellen der NBA).

Besonders in der Arbeit am Brett sieht er seine Bestimmung. "Ich habe das Gefühl, dass Rebounding etwas ist, wofür ich ein Händchen habe. Wenn ich in das Spiel komme, dann kann ich dem Team helfen, zusätzlichen Ballbesitz zu erhalten. Und wenn ich die Möglichkeit habe zu werfen, dann tue ich das."

Dass der Warriors-Profi seine ungewöhnliche Story immer wieder erzählen muss, verwundert daher nicht: "Ich muss meine Geschichte jeden Tag erzählen, und ich erzähle sie immer wieder gerne, weil sie außergewöhnlich ist."

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