vergrößernverkleinern
Tobias Harris ist Topscorer der Los Angeles Clippers
Tobias Harris ist Topscorer der Los Angeles Clippers © Getty Images
teilenE-MailKommentare

München - Die Clippers grüßen überraschend von der Spitze im NBA-Westen und stellen LeBrons Lakers in den Schatten. Aber bis zu den Playoffs haben sie noch einen weiten Weg vor sich.

In Los Angeles spielt derzeit das beste Team im Westen.

Doch nicht die Glamour-Truppe der Lakers stellt in der Western Conference der NBA Dauer-Favorit Golden State Warriors in den Schatten, sondern die Los Angeles Clippers.

15 Siege aus 21 Spielen stehen für jenes Team zu Buche, das immer etwas belächelt wurde und im Schatten des scheinbar übermächtigen Stadtrivalen stand (DATENCENTER: Die Tabelle der NBA).  

Die Lila-Goldenen lotsten im Sommer auch noch LeBron James in die Stadt der Engel. Der volle Fokus richtete sich zu Beginn der Saison auf die neue Heimat des selbsternannten "Chosen One", die Clippers waren nicht einmal eine Randnotiz wert.

Mussten sie zuletzt doch mit den Abgängen von Blake Griffin (für Avery Bradley, Tobias Harris und Boban Marjanovic nach Detroit getradet), Chris Paul (für Patrick Beverly und Sam Dekker nach Houston verfrachtet) und DeAndre Jordan (dann doch noch zu den Dallas Mavericks) schmerzhafte Verluste hinnehmen. Im Prinzip waren die drei größten Stars weg.

ANZEIGE: Jetzt die neuesten NBA-Fanartikel kaufen - hier geht es zum Shop

Clippers mit Harris mischen NBA auf

Doch der Abgang des Trios war nur auf dem Papier schmerzhaft. Denn Clippers-Coach Doc Rivers stellte durch die Trades ein homogenes Team zusammen, das aktuell die NBA aufmischt. 

Der neue Schlüsselspieler ist Tobias Harris, der aktuell bester Scorer bei den Kaliforniern. Mit seinen 26 Jahren erreicht der Forward ein neues Level und legt dabei imposante Zahlen auf.

Mit einer Wurfquote von 52,8 Prozent liegt er auf Platz zwei der treffsichersten Small Forwards der gesamten NBA. Damit liegt er auch vor Lakers-Star James (51,7) und Kevin Durant (Golden State Warriors, 51,3). Mit seiner Wurfeffizienz erinnert er stark an Dirk Nowitzki, der im Jahr 2011 - besonders in den Playoffs - in der Offensive auch nicht zu stoppen war und die Dallas Mavericks so zum Titel führte.

Aber nicht nur als Scorer hilft er dem Rivers-Team weiter, sondern auch als Pick-and-Roll-Spieler und als Ballverteiler. Macht Harris mit solchen Leistungen weiter, winkt ihm im Sommer ein Maximum-Vertrag und einem damit einhergehenden satten Gehaltssprung.

ANZEIGE: Die NBA LIVE bei DAZN - JETZT Gratismonat sichern

Harrell und Gortat überzeugen

Zweiter Schlüssel des Clippers-Erfolg ist das Center-Duo Montrezl Harrell und Marcin Gortat. Beide Big Men sind eher der klassischen Center-Schule zuzuordnen und halten sich vorzugsweise in Korbnähe beim Abschluss auf.

Vor allem Harrell überzeugt und legt ähnliche Statistiken auf wie zuvor DeAndre Jordan – allerdings zu einem absoluten Schnäppchenpreis von sechs Millionen Dollar pro Jahr. Unfassbare 67,2 Prozent seiner Würfe finden den Weg durch die Reuse. Gortat, den die Clippers von den Washington Wizards holten, stellt mit seiner Erfahrung viele Blocks für die eigenen Guards und geht auch als Anführer voran.

Kurios ist auch die Statistik von Flügelspieler Danilo Gallinari. Der Italiener trifft starke 45 Prozent seiner Dreierversuche, aber nur 40 Prozent seiner Zweipunktversuche. Mit seiner Gefährlichkeit von jenseits der 6,75-Meter-Linie öffnet "Gallo" das Feld für das Pick and Roll seiner Teamkollegen.

Mit Patrick Beverly verfügen die Clippers auch in der Defensive über einen starken Mann. Der Guard ist ein echter "Kettenhund" und hat schon so manchen Gegenspieler entnervt. So hält er seinen offensivstarken Kollegen hinten den Rücken frei.

Und Rookie Shai Gilgeous-Alexander sorgt nicht nur für Lacher, weil sein ellenlanger Doppelname kaum auf das Trikot passt, sondern legt als Starter respektable im Schnitt 13 Punkte, 4 Rebounds, 3 Assists sowie je einen Steal und einen Block auf.

Können Clippers ihre Form bestätigen?

Der ungewohnte Höhenflug des Teams aus LA ist auch ein Stück weit dem bisherigen Spielplan geschuldet. Mit Ausnahme der Duelle mit den Golden State Warriors und Oklahoma City Thunder waren noch nicht die ganz großen Gegner dabei. Die zu Saisonbeginn hoch gehandelten Houston Rockets besiegten die Clippers schon zwei Mal. Niederlagen setzte es mit Ausnahme des Auftakts gegen die Denver Nuggets nur in der Fremde. (Spielplan der NBA)

Der aktuelle Höhenflug der Clippers ist jedoch noch ein fragiles Gebilde. Viele Fragen werden erst im weiteren Verlauf der Saison zuverlässig beantwortet werden können: Kann Harris sein hohes Niveau halten? Ist Gallinari weiterhin so gefährlich von außen und vor allem - bleibt er mal über eine gesamte Spielzeit gesund? Liefert Harrell weiterhin in derartiger Manier ab und können die Clippers ihre Heimstärke über die gesamte Saison zeigen?

Noch ist es ein zartes Pflänzchen, das bei den Clippers langsam zu blühen beginnt. Wenn am Ende der Regular Season mit den Einzug in die Playoffs eine erfolgreiche Ernte eingefahren werden kann, dürfte das aber keinen mehr überraschen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image