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München - Seit Jahren basteln die Philadelphia 76ers an einem Superteam, das um den NBA-Titel mitspielen kann. Nach dem Trade von Tobias Harris ist es komplett.

"Trust the Process!" - Seit Jahren hallt dieser Schlachtruf durch das Wells Fargo Center in Philadelphia. 

Die Fans der Philadelphia 76ers erinnern mit diesem Gesang stets an den Anfang einer Reise, die nun schon einige Jahre andauert. Es war nach der Saison 2012/13, als sich in Philly etwas zu verändern begann. (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM)

Die Sixers hatten die Spielzeit mit einer enttäuschenden Bilanz von 34 Siegen und 48 Niederlagen ohne Chance auf die Playoffs beendet. Für General Manager Sam Hinkie Anlass, einen Plan zu fassen.

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76ers vertrauen dem "Process"

Er wollte seiner Franchise so viel Talent wie möglich geben - durch Draft-Picks, junge Athleten und Spieler mit für das Team günstigen Verträgen. All diese Maßnahmen sollten dazu beitragen, einen Superstar in das Team zu holen.

Jahre später ist Hinkie zwar längst nicht mehr GM, der Prozess aber fast abgeschlossen.

Mit dem Ende der Tradephase steht bei Head Coach Brett Brown ein Team auf dem Parkett, das die Eastern Conference aufmischen könnte.

Trade von Harris schockt NBA

Was im Jahr 2013 mit einem Slogan begann, hat sich - neben den Warriors - zur wohl talentiertesten Starting Five der NBA entwickelt.

Vor allem der jüngste Coup der Sixers flößt der Konkurrenz Respekt ein. Kurz vor Ende der Transferperiode wurde Forward Tobias Harris von den Los Angeles Clippers an Land gezogen. Gerüchte über einen möglichen Transfer gab es nicht, auch Harris selbst dürfte überrascht gewesen sein, führte er die Clippers doch nur wenige Stunden zuvor mit 34 Punkten zum Sieg gegen die Hornets.

Mit der Verpflichtung des 26-Jährigen ist eines ganz klar: Philadelphia ist im Angriffsmodus.

Tobias Harris spielte bislang bei den Los Angeles Clippers
Tobias Harris spielte bislang bei den Los Angeles Clippers © Getty Images

Bärenstarkes Quartett

Mit Joel Embiid, Ben Simmons, Jimmy Butler und Harris hat Philly ein offensives Quartett formiert, gegen das fast jedes Team vor große Probleme gestellt sein dürfte.

Auch nach dem Trade von Jimmy Butler, der Anfang der Saison nach Philadelphia transferiert wurde, strahlten die Sixers bereits viel Gefahr aus, ein großes Problem jedoch blieb: ein richtig guter Dreierschütze neben J.J. Redick und ein Stretch-Vierer fehlte.

Den hat das Team nun in Tobias Harris gefunden. Seine Scorer-Fähigkeiten könnten das fehlende Puzzleteil sein, um den ganz großen Angriff zu starten.

Coach Brown muss Team formieren

Eines ist klar: Das Talent, um sich den Titel im Osten und den damit verbundenen Final-Einzug zu sichern, ist da. Es kommt nur darauf an, ob es Coach Brown gelingt, ein wirkliches Team zu formieren.

Brett Brown soll die 76ers in Richtung Titel führen
Brett Brown soll die 76ers in Richtung Titel führen © Getty Images

Nachdem Butler das Duo Embiid/Simmons im Herbst verstärkt hatte, waren immer wieder kleinere Reibereien zu vernehmen. Einmal war Embiid mit seiner Rolle nicht zufrieden, ein anderes Mal kam heraus, dass Butler Trainer Brown in Frage gestellt hatte.

Auch der Cheftrainer selbst zeigte sich kurzzeitig von den talentierten aber mitunter divenhaften Stars seines Teams genervt. "Meine Rolle als Ober gefällt mir nicht unbedingt. Ich muss jedem Einzelnen sein Essen bringen", veranschaulichte er seine Position.

Harris als Ruhepol

Mit Tobias Harris ist ein neuer Gast hinzugekommen. Jedoch einer, der im Vergleich zu Embiid und Butler kein allzu großes Ego mit sich herumschleppt. Zwischen beide passt der Forward als ruhender Pol, der Würfe aus allen Positionen nimmt, hervorragend hinein.

Im Osten ist das Ziel für Philly klar: der Sieg im Conference Finale. Ähnliches wollte die Franchise auch im letzten Jahr, scheiterte jedoch schon in der ersten Runde an den Boston Celtics.

Im Vergleich zu den Konkurrenten aus Boston und Toronto haben die Sixers mit ihrem magischen Quartett aber einen entscheidenden Vorteil:

Zwei oder drei bärenstarke Offensivspieler können verteidigt werden, vier Top-Spieler gleichzeitig abzumelden ist dagegen nahezu unmöglich. Und besonders in den Playoffs, wo es weniger auf Bankspieler, sondern auf eine starke Starting Five ankommt, dürften sich die Aktivitäten auf dem Transfermarkt auszahlen.

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Fultz nach Orlando getradet

Auch das Sorgenkind des Teams, Point Guard Markelle Fultz, wird der Franchise keinen Kummer mehr bereiten. Der 20-Jährige, der mit einer myteriösen Nervenverletzung seit längerer Zeit ausfällt, wurde kurz vor Transferschluss zu den Orlando Magic getradet.

Sollte es mit dem großen Wurf in diesem Jahr noch nicht klappen, haben die Sixers dennoch eine glänzende Zukunft vor sich.

Joel Embiid und Ben Simmons sind noch jung, auch Harris und Butler sind in einem guten Alter. Beide werden im Sommer Unrestricted Free Agents.

Wenn sich in Philadelphia dann die Schatulle für zwei Maximum-Verträge öffnet, dürfte ein bärenstarkes Quartett dauerhaft formiert und der Prozess endlich abgeschlossen sein.

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