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München - Pascal Siakam führt Toronto im ersten Spiel der NBA-Finals zum Sieg gegen die Warriors. Dabei war für den Raptors-Star ein ganz anderer Weg vorgesehen.

Er war DER Mann beim Auftakt der NBA-Finals (LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVETICKER) zwischen den Toronto Raptors und den Warriors.

Pascal Siakam hat den NBA-Champion Golden State geschockt und seine Raptors mit einer Gala-Vorstellung zum Sieg geführt. Bei seinem Finals-Debüt steuerte der Kameruner 32 Punkte zum 118:109-Sieg Torontos bei - persönlicher Karriere-Bestwert in den Playoffs!

Zudem ist er einer von nur fünf Spielern in der Geschichte der NBA-Playoffs, die innerhalb der ersten drei Jahre in der Liga 30 oder mehr Punkte im ersten Finals-Game erzielt haben. Wie besonders diese Leistung ist, zeigt der erlauchte Kreis, in dem sich Siakam nun befindet: Bisher war das nur Kareem Abdul-Jabbar (1971), Julius Erving (1977), Hakeem Olajuwon (1986) und Tim Duncan (1999) gelungen.

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Was aber besonders überzeugte, war die Trefferquote des Power Forward. Unglaubliche 14 seiner 17 Versuche und zwei von drei Würfen von Downtown versenkte der 25-Jährige im Korb. Von der Freiwurflinie blieb Siakam fehlerfrei.

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Shootingstar schockt mit Raptors Warriors

Der Raptors-Profi hat gegen die Warriors seinen furiosen Aufstieg vom unscheinbaren Rollenspieler zum Leistungsträger gekrönt - vorerst. Denn der Kameruner könnte auch in den folgenden Duellen zum entscheidenden Faktor werden. Dabei hatte der Senkrechtstarter einst ganz andere Pläne.

Denn dass er ausgerechnet gegen den Topfavoriten Golden State zum Matchwinner werden würde, war vor einigen Jahren noch undenkbar. In seiner Kindheit spielte der Afrikaner ausschließlich Fußball und versuchte, seinen Vorbildern Roger Milla und Samuel Eto'o nachzueifern.

Die NBA-Begeisterung seines Vaters fand bei ihm zunächst wenig Anklang. Ganz im Gegensatz zu seinen drei Brüdern, die alle dieselbe Leidenschaft entwickelten wie ihr Vater.

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Siakam sollte Priester werden

Während Boris, Christian und James allesamt Sportstipendien für US-Colleges erhielten, wurde Pascal als Einziger auf ein katholisches Internat geschickt. Dort besuchte er jeden Tag den Gottesdienst und sang im Chor - alles mit der Vorgabe, einmal Priester zu werden.

Interesse hatte er daran nicht wirklich. So ergriff der damals 16-Jährige die Gelegenheit zu gehen, als er – auch wegen seiner Größe – von NBA-Profi Luc-Richard Mbah a Moute in dessen Basketball-Camp eingeladen wurde.

Fernab der strikten Internatsregeln entwickelte sich die Leidenschaft für den Sport und der für eine Profikarriere nötige Ehrgeiz. Auch wenn er bei seinen ersten Auftritten auf dem Parkett nicht gänzlich überzeugen konnte, schaffte er es ein Jahr später in ein NBA-Förderprogramm. Von da an ging alles ganz schnell.

Steiler Aufstieg in der NBA: "Wie ein Schneeball-Effekt"

Mit 18 begann Siakam erstmals unter professionellen Bedingungen zu spielen. Nur vier Jahre später holten ihn die Raptors in die NBA.

In seinem Team ist er in nur wenigen Jahren zur absoluten Stütze geworden. Neben Superstar Kawhi Leonard, dessen Zukunft aufgrund des auslaufenden Vertrags unklar ist, ist Siakam zusammen mit Kyle Lowry der Fixpunkt. Selbst im Falle eines Abgangs von Leonard müsste man sich in Toronto keine ernsthaften Sorgen um die Zukunft machen.

Siakam hat sich beinahe unbemerkt zu einem exzellenten Basketball-Spieler entwickelt. Doch wie hat er es geschafft, seinen Punkteschnitt von 4,2 aus seiner Rookie-Saison auf 16,9 zu steigern? "Das hat sich wie ein Schneeball-Effekt entwickelt. Ich habe im Training hart an mir gearbeitet, weshalb mir der Coach immer mehr vertraut", erklärte er im Interview mit basketball.de sein Erfolgsgeheimnis.

Mit seiner fleißigen Art hat er im Handumdrehen die Sympathien und das Vertrauen der Trainer für sich gewonnen. "Er hat den besten Motor, den ich je bei einem Spieler gesehen habe", lobte Ex-Raptors-Coach Dwayne Casey die Willenskraft Siakams.

Tod des Vaters als Antrieb

Diese wiederum zieht er nicht nur aus seiner Liebe zum Spiel oder seinem Hunger nach Erfolg. Der schlimmste Tag im Leben des Kameruners ist gleichzeitig der größte Antrieb.

Ende Oktober 2014, kurz vor Siakams College-Debüt, starb Vater Tchamo an den Folgen eines Autounfalls. Um sein US-Visum nicht zu riskieren, blieb Pascal der Beerdigung in Kamerun fern.

Stattdessen versah er seine Basketballschuhe mit der Aufschrift "RIP Dad" und konzentrierte sich auf seinen NBA-Traum - mit Erfolg.

"Ich mache das alles für meinen Vater", erklärte ein emotionaler Siakam nach seiner Final-Gala gegen die Warriors: "Die Leute sagen mir immer: 'Ich weiß, dass er stolz auf dich wäre.' Aber das würde ich gerne aus seinem Mund hören. Das wäre wirklich cool."

Siakam als MIP-Favorit

Sein Antrieb, sein Wille, sein Motor haben Siakam in nur wenigen Jahren vom Klosterschüler ohne Basketball-Leidenschaft zum Shootingstar in der NBA gemacht - und damit zum heißesten Anwärter für den Most-Improved-Player-Award (MIP), den Preis für den meistverbesserten Profi.

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Auch die Fans lieben den Forward und feuern ihn immer wieder mit MIP-Rufen an. In den bisherigen Playoffs bedankte er sich dafür mit durchschnittlich 19,4 Punkten, 7,1 Rebounds und 2,6 Assists pro Spiel.

Der Meisterschaft in der NBA ist er mit dem Erfolg gegen Curry und Co. bereits einen Schritt näher gekommen. Doch selbst wenn sich Siakam den Traum des Titels in diesem Jahr nicht erfüllen sollte - den seines Vaters hat er bereits erfüllt. 

Dieser erhoffte sich stets, dass einer seiner Söhne eines Tages in der NBA spielen würde.

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