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München - Die Golden State Warriors siegen in Spiel fünf der NBA-Finals, obwohl sich Kevin Durant schwer verletzt. SPORT1 zeigt, welche Faktoren die Warriors hoffen lassen.

"Unterschätze niemals das Herz eines Champions."

Die Golden State Warriors zeigten in Spiel fünf, das dieses Sprichwort keine Binsenweisheit ist, sondern viel Wahrheit darin steckt.

Vor der Partie lagen die Warriors in den Finals gegen die Toronto Raptors bereits mit 1:3 in Rückstand und waren zum Siegen verdammt. Hoffnung machte das Comeback von Kevin Durant nach seiner Wadenzerrung. Und der Superstar lieferte: elf Punkte in zwölf Minuten Einsatzzeit, darunter alle drei Dreierversuche verwandelt.

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Doch dann ging er plötzlich zu Boden, nachdem er sich bei einem Dribbling am rechten Bein verletzt hatte. Mit dem Verdacht auf Achillessehnenriss musste Durant die Partie im zweiten Viertel verlassen - inzwischen bestätigte sich die Diagnose. Schlimmer hätte es aus Sicht der Dubs nicht laufen können. Alles schien bereitet für den ersten Titel der Raptors in ihrer Franchise-Historie.

Aber die "Splash Brothers" Stephen Curry und Klay Thompson verhinderten in der Schlussphase mit ihren Dreiern die Titelfeierlichkeiten in der Scotiabank Arena.

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Können die Warriors nun auch die komplette Serie auf den Kopf stellen und das historische Comeback, das zuvor nur den Cleveland Cavaliers 2016 - gegen die Warriors - gelang, perfekt machen?

SPORT1 erläutert die Faktoren, die den Warriors Hoffnung machen.

-  Extra-Motivation nach Reaktion der Raptors-Fans

Das Publikum in Toronto jubelte zunächst nach Durants Verletzung. Erst als die Raptors-Stars Kyle Lowry und Serge Ibaka eingriffen, bekundeten sie ihren Respekt mit "KD"-Rufen. "Man jubelt nicht, wenn jemand verletzt am Boden liegt. Das ist respektlos", sagte Warriors-Star Draymond Green. Auch Warriors-Center DeMarcus "Boogie" Cousins rügte die Fans für ihr Verhalten.

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Doch genau daraus können die Warriors nun Extra-Motivation für ein mögliches Spiel sieben schöpfen. Während das nächste Duell in der heimischen Oracle-Arena steigt, müssten die Warriors für ein mögliches Spiel sieben erneut nach Toronto reisen. Dort könnten sie dann die Stimmung gegen sich als Motivation verwenden. Und auch für Durant den Titel einfahren. Eine trotzige "Wir gegen den Rest der Welt"-Einstellung gibt der Truppe vielleicht den Kick.

- Draymond Green

Der "Mentalitätsspieler" der Warriors übernahm nach Durants Ausfall auch in der Offensive Verantwortung. Über einen Zeitrahmen von knapp sechs Minuten konnten die Dubs im vierten Viertel lediglich fünf Punkte erzielen, während Toronto durch Kawhi Leonard 14 Zähler gelangen. Doch mit eben jenen fünf Zählern hielt Green die Hoffnungen des aktuellen NBA-Champions am Leben.

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Dabei hatte er zuvor in den Finals lediglich zwei von elf Dreiern verwandelt, aber es ist fast schon berüchtigt, wie Green seine Würfe verwandelt, wenn niemand damit rechnet und die Warriors es am meisten brauchen. Kann der Forward seinen offensiven Output weiter steigern, kann er zumindest in Korbnähe Durants Ausfall etwas mildern.

- Thompsons Verteidigung gegen Leonard

Leonard war in den Finals offensiv bisher nicht zu stoppen. Auch in Spiel fünf legte er mit 26 Punkten und zwölf Rebounds ein Double-Double hin und schien gerade im vierten Viertel teilweise in anderen Sphären. Doch genau dort machte ihm Klay Thompson das Leben schwer. Zunächst zwang er Leonard zu einem schwierigen Fadeaway, bevor er wenig später den Dreierversuch von Leonard hart aber fair bekämpfte und so verhinderte, dass die Kanadier wieder auf sechs Zähler davonziehen konnten.

Thompsons Aktionen könnten ein Lehrbeispiel sein, wie die Warriors dem so formstarken Raptors-Star das Leben erschweren können. Da Leonard jederzeit in der Lage ist, ein Foul zu ziehen, ist aber Vorsicht geboten. Die Last der Verteidigung muss auf mehrere Schultern verteilt werden, andernfalls ist das Foul-Risiko zu groß.

- "Splash Brothers"

Mit drei Dreiern in Folge in der Schlussphase brachten Steph Curry und Thompson die Warriors in den Schlussminuten auf die Siegerstraße. Zum vierten Mal in den NBA-Finals gelangen beiden jeweils mindestens fünf Dreier - Rekord.

Gerade ohne Durant kommt es in der Crunchtime besonders auf das Duo an. Nur beide gemeinsam auf dem Feld sind eine echte Waffe gegen die Raptors, die sich bei nur einem "Splash Brother" auf dem Feld nicht scheuen, die Zonenverteidigung auszupacken. Mit zwei weiteren Leistungen von Curry und Thompson wie in Spiel fünf, stehen die Raptors aber vor einer gewaltigen Aufgabe in der Defensive.

- X-Faktor: Cousins

Nein, es sind nicht die Playoffs des DeMarcus Cousins. Gehandicapt von einer Quadrizeps-Verletzung kehrte er erst zu den Finals wieder zurück. Nach den Ausfällen von Durant und Kevon Looney spielte er mehr, als er vermutlich selbst erwartet hatte. In Spiel zwei zeigte er eine starke Leistung, nur um dann in den folgenden beiden Spielen wieder nahezu abzutauchen.

In Spiel fünf, unmittelbar nach dem schockierenden Durant-Aus, sendete Cousins wieder ein Lebenszeichen. In 20 Minuten gelangen ihm 14 Punkte und sechs Rebounds. Mit seiner Wucht und Masse ist er offensiv nur schwer zu stoppen. Defensiv sah er zwar einige Male gegen den wendigen Kyle Lowry schlecht aus, aber solange "Boogie" in der Offensive derartig liefert, wird auch Coach Steve Kerr etwas darüber hinwegsehen.

Allerdings brauchen die Warriors ab sofort nur noch den Cousins aus Spiel zwei und fünf, um eine Chance zu haben.

- Fazit

Es ist noch immer ein steiniger Weg für die Dubs, die zwei weitere Siege benötigen, um den "Threepeat" und den Aufstieg zur NBA-Dynastie zu vollenden. Der Ausfall von Durant schmerzt dabei sehr, doch Spiel fünf hat gezeigt, dass sie noch immer genug Waffen haben, um den Raptors gefährlich zu werden.

Der Druck liegt weiterhin auf deren Seite, da die Warriors eine historische Aufholjagd bräuchten, um sich den Titel zu sichern. Wie ein angeschlagener Boxer ist aber auch der Meister jetzt am gefährlichsten. Das "Herz des Champions" schlägt vor Spiel sechs wieder etwas schneller.

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