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München - Die Oklahoma City Thunder sind das Überraschungsteam der aktuellen NBA-Saison und übertreffen bislang alle Erwartungen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Dass sich seine Oklahoma City Thunder nach etwas mehr als der Hälfte der Saison voll auf Playoff-Kurs befinden, hätte selbst Dennis Schröder so nicht für möglich gehalten.

Nicht wenige sahen nach dem ikonischen Gamewinner von Damian Lillard, von weit jenseits der Drei-Punkte-Linie, zum 4:1-Erfolg der Portland Trail Blazers in der ersten Playoff-Runde der vergangenen Spielzeit das Ende der erfolgreichen Dynastie der Thunder gekommen.

Und tatsächlich leitete Paul George mit seinem Trade-Wunsch zu den Los Angeles Clippers nur wenige Wochen nach dem enttäuschenden Erstrunden-Aus den wohl härtesten Sommer seit Franchise-Gründung ein. (Spielplan der NBA)

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OKC bricht nach Playoff-Aus auseinander

Denn nachdem seinem Wunsch entsprochen wurde, war klar, dass es für die Thunder extrem schwer werden würde, die Leistung aus den Jahren zuvor, bei denen man zumindest immer sicherer Playoff-Kandidat war, zu wiederholen. Schließlich zählt George zu den absoluten Superstars der Liga und war in der abgelaufenen Saison bis zu seiner Verletzung legitimer MVP-Kandidat. 

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Doch damit nicht genug. Auch der andere Superstar des Teams, Russell Westbrook, wurde wenige Tage später im Tausch gegen Chris Paul zu den Houston Rockets getraded und Dennis Schröder stand auf einmal praktisch allein auf weiter Flur, kaum einer traute dem Deutschen zu, das Spiel seiner Mannschaft alleine an sich reißen zu können.

Und so standen die Zeichen in der Chesapeake Arena fortan auf Rebuild. 

Zeichen in Oklahoma City stehen auf Neuanfang

Ausgestattet mit Unmengen von Draft-Picks, die sich OKC-Manager Sam Presti unter anderem als Gegenwert für seine beiden Superstars ertauscht hatte, deutete alles auf einen Neuanfang in Oklahoma City hin.

In Shai Gilgeous-Alexander (SGA) kam ein vielversprechender junger Aufbau-Spieler von den Clippers, der dort in seiner Debüt-Saison schon sein immenses Potenzial angedeutet hatte. Zusammen mit Chris Paul, der im Tausch für Westbrook aus Houston kam, sollte er fortan den Back-Court bilden und von Großmeister Paul lernen um so zum neuen Franchise-Player der Thunder aufgebaut werden.

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Schröder hatte hingegen kaum einer mehr auf dem Zettel, Gerüchte über einen Abschied des gebürtigen Braunschweigers nach nur einer Saison machten die Runde.

Doch es sollte alles anders kommen.

Schröder und Gilgeous-Alexander als Aushängeschilder des Teams

Die Thunder stehen nach 45 gespielten Partien aktuell auf dem siebten Platz in der Western Conference, feierten zuletz drei Siege in Serie und liegend damit voll auf Playoff-Kurs. (Tabelle der NBA)

Schröder hat daran großen Anteil. Zumeist von der Bank kommend dreht der 26-Jährige auf wie selten zuvor und spielt die vielleicht beste NBA-Saison seit seinem Wechsel zu den Atlanta Hawks im Jahr 2013. 

Durchschnittlich 18,6 Punkte und 3,8 Rebounds in 31 Minuten zaubert er aufs Parkett, lediglich seine 3,9 Assists bedeuten eine Verschlechterung im Vergleich zu früheren Jahren. Immer wieder wird er zum Top-Scorer, Game-Winner und ist damit für Coach Billy Donovan ein unverzichtbares Puzzle-Stück für den Erfolg der Thunder. Im Stile von Lou Williams könnte er als Bank-Scorer sogar zum Sixth Man des Jahres gewählt werden.

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Hinzu kommt, dass Chris Paul das Spiel denkt und lenkt wie zu seinen besten Zeiten bei den New Orleans Hornets oder den LA Clippers. Gilgeous-Alexander zeigte obendrein von Beginn an keinerlei Eingewöhnungsschwierigkeiten und ließ mit seinem jüngsten 20-20-10-Triple-Double gegen die Minnesota Timberwolves nicht nur All-Star-, sondern sogar Superstar-Potenzial aufblitzen.

Zusammen mit Center-Brocken Steven Adams und dem endlich einmal verletzungsfrei bleibenden Scharfschützen Danilo Gallinari haben die Thunder inzwischen eine Aufstellung, die sowohl im Angriff, als auch in der Verteidigung zu dem Besten zählt, was die Liga momentan zu bieten hat.

Thunder scheinen Rebuild übersprungen zu haben

Doch eigentlich gilt in der NBA ein ungeschriebenes Gesetz: Wer richtig gut sein möchte, muss, wenn er über die Draft aufbauen möchte, zuerst einmal richtig schlecht sein. Meist über mehrere Jahre, um in nacheinander folgenden Jahren möglichst früh aus dem Pool der Talente ziehen zu dürfen.

Diesen Schritt scheint OKC allerdings übersprungen zu haben.

Die Mannschaft spielt bereits um die Playoffs mit, hat trotzdem eine zum Bersten gefüllte Truhe mit First-Round-Picks und kann, falls man es sich doch anders überlegt, mit Trades von "Wertanlagen" wie Chris Paul, Steven Adams oder auch Dennis Schröder – allesamt begehrte Spieler – weitere Draft-Picks oder vielversprechende junge Spieler nach Oklahoma City bringen.

In Shai Gilgeous-Alexander scheint der neue Franchise-Player zudem auch schon gefunden zu sein. Bekanntlich der schwierigste Part beim Neuaufbau einer Franchise. So oder so, die Zukunft als auch die Gegenwart sieht gut aus in Oklahoma City.

Weitaus besser übrigens als bei "Dynastie-Ender" Lilliard und seinen Trail Blazers, die momentan nur auf Platz zehn und damit deutlich hinter den Thunder in der Tabelle stehen.

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