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München - In der NBA regiert der Trend zum Smallball. Die Top-Teams setzen nicht mehr auf die Center der alten Prägung. Wie lange wird es diese Gattung noch geben?

Kareem Abdul-Jabbar, Wilt Chamberlain, Moses Malone, Hakeem Olajuwon und Shaquille O'Neal - all diese Legenden befinden sich in der Liste der besten Werfer der NBA unter den Top 15. 

Ihnen gemein war auch die Position, auf der sie den gegnerischen Teams Punkt um Punkt einschenkten: Center. Ein starkes Spiel mit dem Rücken zum gegnerischen Korb, hochprozentige Abschlüsse - gerne auch mal mit einem Hakenwurf - und eine hohe Präsenz unter beiden Körben zeichnete die Männer auf der 5 in der Vergangenheit zumeist aus. 

Zeichnete - in der NBA ist nämlich seit Jahren der Trend zu beobachten, dass die Teams auf schnellere, kleinere und vor allem auch mit einem guten Wurf aus der Distanz ausgestattete Center setzen. Sterben die "Old School Big Man" in der NBA aus?

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Rockets spielen Smallball

Den Trend auf die Spitze treiben derzeit die Houston Rockets. In der Partie gegen die Los Angeles Lakers bestand in der Nacht auf Samstag die Starting Five aus James Harden, Russell Westbrook, Danuel House, P.J. Tucker und Robert Covington. Neuzugang Covington war mit 2,06 Metern der größte Rocket auf dem Parkett, ist aber eigentlich ein Small Forward. Trainer Mike D'Antoni setzt voll auf Smallball. 

In ihrer Aufstellung erinnern die Rockets stark an die Golden State Warriors der vergangenen Jahre. Coach Steve Kerr kreierte in der Saison 2014/15 die "Lineup of Death". Diese bestand aus Stephen Curry, Klay Thompson, Harrison Barnes, Andre Iguodala und Draymond Green, von denen nur Barnes die Zwei-Meter-Marke knackte. Sie zeichnete ihr schnelles und dreierlastiges Spiel ohne richtigen Center aus, wobei zumindest häufig zu Spielbeginn noch ein echter Big Man auf dem Feld stand.

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Mit Kevin Durant (2,08m) anstelle von Barnes wurde 2016 aus der "Lineup of Death" die "Lineup of Megadeath". Der Erfolg gab Kerr recht, was drei Titel bei fünf Finalteilnahmen beweisen.

Die "neuen" Rockets scheinen mit dem neuen System ebenfalls auf Kurs, auch wenn es in der Nacht auf Samstag gegen die Suns eine deftige Pleite setzte. Bei den Lakers, dem besten Team der Western Conference, sprang zuvor ein 121:111-Sieg heraus. Das Spiel offenbarte aber auch die Schwächen an der neuen Spielweise. Anthony Davis, ein Paradebeispiel für die Big Man der neuen Generation, schenkte den Rocktes 32 Punkte ein und griff sich zudem 13 Rebounds.

Tucker wünscht sich Stelzen 

Die "Ehre" bei den Rockets den Center zu geben, ist jetzt dem ehemaligen Bamberger Tucker zu teil. Er selbst nimmt die neue Aufgabe mit Humor. Auf Instagram postete er ein Foto, dass ihn auf Stelzen zeigt. Damit wollte er wohl ausdrücken, dass ihn einige Zentimeter mehr an Körpergröße als die ihm gegebenen 1,96 Meter nicht schaden würden.

Gegen viele Teams in der Liga können die Rockets in der Regular Season mit ihrer Taktik sicher weiter siegen. In den Playoffs könnte es gegen Mannschaften wie die Denver Nuggets oder die Lakers aber schwer werden, falls diese mit Nikola Jokic und Davis ihre Vorteile unter dem Korb ausspielen. Hier reicht ein Tucker zur Verteidigung der flexiblen Big Men kaum, wohl auch deswegen sucht Houston noch nach einem Großen auf dem Buyout-Markt.

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Mit Clint Capela hatten die Rockets bis zur Trade-Deadline am Donnerstag noch einen klassischen Center. Mit durchschnittlich 13,9 Punkten und 13,8 Rebounds legte der Schweizer starke Zahlen auf, passte aber nicht mehr in das neue System, da er nicht werfen kann.

Doch anstatt das ein anderes Playoff-Team zuschlug, spielt der 2,08 Meter-Mann nun bei den Atlanta Hawks, einem der schwächeren Teams der bisherigen Saison. Sinnbildlich für den aktuellen Liga-Trend.

Drummond trotz Top-Zahlen verscherbelt

Das machte auch der Trade von Andre Drummond deutlich. Der 2,11-Meter-Riese legte bei den Detroit Pistons ein Double-Double nach dem anderen auf. Seine Statistik weist durchschnittlich 17,8 Punkte und 15,8 Rebounds auf - im Prinzip überragende Zahlen.

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Die Pistons legten trotzdem keinen großen Wert auf seine Weiterbeschäftigung und "verscherbelten" ihn, auch aus finanziellen Gründen, an die Cleveland Cavaliers. Als Gegenwert erhielten sie die beiden Rollenspieler Brandon Knight und John Henson sowie einem Zweitrundenpick.

Nach dieser Saison ist Drummond Free Agent. Es wird spannend, ob sich dann ein Top-Team seine Dienste sichern wird. Die Rockets werden es aber nicht sein.

Bei den Cavaliers, dem schwächsten Team der Eastern Conference, teilt er sich jetzt die Center-Position mit Tristan Thompson. Obwohl auch dieser eine gute Saison spielt (11,9 Punkte/10,4 Rebounds), fanden die Cavs keinen Abnehmer. Auch an Power Forward Kevin Love, vor einigen Jahren noch ein echter Star, hatten offenbar kein Team wirkliches Interesse.

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