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SPORT1-Redakteur Raphael Weber kommentiert den Wechsel von LeBron James zu den Miami Heat vor zehn Jahren
SPORT1-Redakteur Raphael Weber kommentiert den Wechsel von LeBron James zu den Miami Heat vor zehn Jahren © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1
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München - Vor zehn Jahren erschüttert LeBron James die NBA infolge der inszenierten "Decision". Der Auftritt des sonst so sozialen Superstars hallt bis heute nach. Ein Kommentar.

"In this fall, I'm going to take my talents to South Beach and join the Miami Heat."

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass LeBron James die Basketball-Welt erschüttert hat. Zehn Jahre, seit LeBron selbst seinen Ruf für immer beschädigt hat.

Die selbstgefällige Inszenierung, als "King James" seinen Abgang von den Cleveland Cavaliers in einem TV-Special bei ESPN verkündete, erwischte nicht nur die Cavs komplett kalt, sondern rief auch ein empörtes Echo in der Fanszene hervor.

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Trikots brannten, der Lokalheld, der Junge aus Akron (Ohio), wurde über Nacht zum Verräter, der seine Franchise im Chaos sitzen ließ.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Sportlich war LeBrons Entscheidung absolut gerechtfertigt. Clevelands Management hatte es in sieben Jahren nicht geschafft, dem besten Spieler seiner Generation ein wirklich starkes Team zur Seite zu stellen.

Cavaliers werden ohne James zum Looser-Team

Beim Playoff-Aus gegen Boston waren Mo Williams und ein 37 Jahre alter Shaquille O'Neal die besten James-Helfer, das abgenagte Gerippe dieses Teams, welches James bis in die Conference Finals geschleppt hatte, gewann in Jahr eins ohne den Superstar noch kümmerliche 19 Spiele in der schwachen Eastern Conference.

Trotzdem bleibt "The Decision" ein Eigentor mit Ansage. Die Formulierung, dass der Heiland seine Talente an den South Beach mitbringt, war schon äußerst unglücklich - und auch danach wurde es nicht besser.

Bei der Vorstellung in Miami legte sich LeBron mit einem Arroganz-Auftritt das nächste Ei ins Nest. "Nicht einen, nicht zwei, nicht drei" sondern vier, fünf, sechs, sieben Meistertitel kündigte er zusammen mit Dwyane Wade und dem ebenfalls gewechselten Chris Bosh großspurig an.

Bekanntlich fiel die Glamour-Truppe damit gleich im ersten Jahr krachend auf die Nase, in den Finals verlor das Team überraschend gegen die Dallas Mavericks von Dirk Nowitzki.

Dass der damals grippekranke Deutsche währenddessen von James und Buddy Wade noch öffentlich veräppelt wurde, war nur noch peinlich.

Nowitzkis Mavs bestrafen Selbstinszinierung

"The Decision" und was danach kam war ein Gesamtkunstwerk der arrogant-unsympathischen Selbstinszenierung, die durch die Finals-Niederlage gegen Nowitzkis Mavs - dem vielleicht unwahrscheinlichsten Meister der Geschichte - mit der gerechten Strafe abgerundet wurde.

Dass es ausgerechnet Nowitzki war, mit seinem bescheidenen Auftreten und Teamtreue durch alle Widrigkeiten hindurch das krasse Gegenteil zum selbsternannten "Chosen One", verlieh dem Ganzen noch die besondere Note.

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Und letztlich verfolgt LeBron der Fehler der "Decision" bis heute. Den Ruf des Verräters, der sein Team im Stich lässt, wurde er auch danach durch Rückkehr und Titel in Cleveland nicht mehr los. Zumal James die Cavs 2018 ein weiteres Mal sitzen ließ, um nach Hollywood zu den Los Angeles Lakers zu gehen.

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Immerhin hat er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Seine Rückkehr nach Cleveland verkündete LeBron in einem offenen Brief bei Sports Illustrated ganz ohne Ego-Show.

Dass er nicht nur ein herausragender Sportler ist, sondern gerade in Zeiten von Donald Trump auch eine wichtige, laute Stimme gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus, steht ohnehin außer Frage.

Zurecht wird LeBron ebenso als einer der wichtigsten und besten Basketballer aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wäre da nur nicht dieser Tag im Juli 2010 gewesen - LeBrons Ruf wäre so viel besser.

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