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© SPORT1 Grafik: Gabriel Fehlandt/Getty Images
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In vier Wochen geht es wieder rund in der NFL. Bevor die Preseason richtig Fahrt aufnimmt, lohnt ein Blick auf die personellen Veränderungen in der Offseason. Wem sind die besten Deals geglückt? Wem droht ein böses Erwachen? Vor allem die Indianapolis Colts mit dem deutschen Verteidiger Björn Werner (l.) haben sich dank gezielter Verstärkungen die Rolle eines Favoriten auf den Super Bowl erarbeitet.

Sebastian Vollmers New England Patriots brechen große Teile ihrer Meisterverteidigung weg, außerdem nervt die "DeflateGate"-Affäre um Quarterback Tom Brady (Bild). Den San Francisco 49ers droht der Absturz. SPORT1 blickt auf die größten Gewinner und Verlierer des Transfersommers in der NFL.

GEWINNER: Indianapolis Colts

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Sind die Colts reif für den letzten Schritt? Die kontinuierliche Entwicklung gipfelt 2014 im AFC-Finale. Aus der deftigen 7:45-Klatsche - DeflateGate hin oder her - zogen Coach Chuck Pagano und das Management die Konsequenzen. Das talentierte Team brauchte mehr Erfahrung. Mit Receiver Andre Johnson und Running Back Frank Gore (M.) wird die Offensive noch einmal verbessert.

Quarterback Andrew Luck wird so zum MVP-Kandidaten. Auch die 2014 elftbeste Defense erhielt mit Trent Cole, Nate Irving und Dwight Lowery frisches Blut. Wenn jetzt noch Werner gesund bleibt und sein Potenzial ausschöpft, könnte sein Traum vom Super Bowl Realität werden.

GEWINNER: Miami Dolphins

Geld sparen und sich gleichzeitig verbessern ist im US-Sport eigentlich ein Widerspruch in sich. Den Dolphins ist dies 2015 aber auf beeindruckende Weise gelungen. Per Trade werden sie die großen Verträge von Dannell Ellerbe und Mike Wallace los, holen stattdessen mit Tight End Jordan Cameron (r.) und Receiver Kenny Stills neue Waffen für ihren aufstrebenden Quarterback Ryan Tannehill, der auch einen neuen Vertrag sein Eigen nennt.

Für die notwendige Portion Bösartigkeit sorgt Defensive Tackle Ndamukong Suh. Der Bad Boy wird mit 114 Millionen Gründen aus Detroit losgeeist. Miami könnte tatsächlich die Alleinherrschaft der New England Patriots in der AFC East beenden.

GEWINNER: Seattle Seahawks

Ein Spielzug trennt die Seahawks im Februar vom großen Triumph im Super Bowl, die Köpfe lassen sie in Seattle deshalb aber längst nicht hängen. Stattdessen wird mit Tight End Jimmy Graham noch ein NFL-Star geholt, der die Schwachstelle eines verlässlichen Passfängers in der Red Zone beseitigt.

Die starken Defensive Backs um Lautsprecher Richard Sherman haben sich auskuriert. Spielmacher Russell Wilson, Marshawn Lynch und Bobby Wagner bekommen ihren großen Zahltag, nur drei Starter sind weg. Pete Carrolls Team hat alles, um diesmal die Vince Lombardi Trophy zu holen.

GEWINNER: St. Louis Rams

Jeff Fisher ist ein Coach, der über die Verteidigung kommt. Nach unterirdischen Angriffsleistungen hat er 2015 seine Offense völlig umgekrempelt. Coordinator, Quarterback, Offensive Line  - kein Stein bleibt auf dem anderen. Der Deal für Nick Foles (r.) ist ein Meisterstück. Für den Verletzungsanfälligen Sam Bradford bekommen die Rams einen Spielmacher, der vor zwei Jahren 27 Touchdowns bei nur zwei Interceptions warf, und zwei gute Draftpicks.

Vier neue Lineman und der beste College-Runner der vergangenen Jahre, Todd Gurley, versprechen eine deutliche Steigerung und den Angriff auf die Playoff-Plätze.

GEWINNER: Dallas Cowboys

Wie kann man den Offensivspieler der vergangenen Saison abgeben und trotzdem ein Gewinner sein? Die Cowboys widerstehen der Versuchung, dem verletzungsanfälligen DeMarco Murray nach seinen 1845 Yards 2014 einen Rentenvertrag zu geben. Stattdessen setzen sie auf ein Trio um Darren McFadden und vertrauen ihrer ausgezeichneten Offensive Line, die auch Quarterback Tony Romo zu schätzen weiß. "America's Team" verlängert nach zähen Verhandlungen mit Receiver-Star Dez Bryant.

Die Verpflichtung der hochtalentierten - aber auch skandalumwitterten - Verteidiger Greg Hardy (Bild) und Randy Gregory birgt Risiken. Wenn sie nur auf dem Feld Schlagzeilen machen, könnten es geniale Schachzüge sein. Mehr Druck auf den Quarterback dürfte der löchrigen Passverteidigung enorm helfen. Vielleicht wird auch der deutsche Rookie-Linebacker Mark Nzeocha zu einem Steal.

VERLIERER: New England Patriots

"DeflateGate" bestimmt beim Meister um Sebastian Vollmer die Offseason. Das leidige Thema wird sich auch weiter wie Kaugummi ziehen. Bis auf weiteres ist Quarterback Tom Brady für die ersten vier Spiele gesperrt, vom Imageschaden ganz zu schweigen. Sein Ersatz ist der völlig unerfahrene Jimmy Garoppolo. Trotzdem wird sich das Team von Coach Bill Belichick nicht beirren lassen. Die Offense mit Rob Gronkowski und Julian Edelman bleibt gefährlich und wird mit Bradys Rückkehr wieder wie geschmiert laufen.

Viel schwerer wiegt der Verlust der beiden herausragenden Cornerbacks Darrelle Revis (r.) und Bradon Browner. Außerdem stopft Fleischberg Vince Wilfork jetzt in Houston die Löcher der Defensive Line. Die einzig namhafte Verstärkung ist Linebacker Jabaal Sheard. Belichick muss wieder neue Leistungsträger hervorzaubern, denn die Divisionsrivalen Dolphins und Buffalo Bills sind deutlich stärker als in früheren Jahren.

VERLIERER: San Francisco 49ers

Vor zwei Jahren noch im Super Bowl und als Team der Stunde gefeiert, zerfallen die 49ers seither in ihre Einzelteile. Coach Jim Harbaugh versetzt jetzt Michigans Campus in Ekstase. Die Top-Verteidiger Patrick Willis, Chris Culliver und Justin Smith sind weg. Auch Frank Gore, Michael Crabtree und Guard Mike Iupati gehen von Bord.

Der junge Linebacker-Hoffnung Chris Borland hört mit 24 auf, und Aldon Smith wird nach der x-ten Verhaftung gefeuert. Schlimmer geht es kaum. Es bleibt zu hoffen, dass Passfänger Torrey Smith Quarterback Colin Kaepernick einen Schub gibt. Der Absturz in der guten NFC West droht.

VERLIERER: Philadelphia Eagles

Die seltsamsten Entscheidungen trifft ohne Zweifel Coach Chip Kelly in Philly. Er tauscht den guten Spielmacher Nick Foles gegen den verletzungsanfälligen Sam Bradford, der zum einstigen Jets-Schreckensgespann Mark Sanchez und Tim Tebow stößt. Außerdem wird LeSean McCoy nach Buffalo verscherbelt, nur um dann für mehr Geld DeMarco Murray aus Dallas zu holen.

Seattles zweiter Cornerback Byron Maxwell wird mit 63 Millionen zugeschüttet, dafür lässt Kelly den schnellen Receiver Jeremy Maclin nach Kansas City ziehen. Es wirkt, als habe Kelly wegen einer kaputten Tür das ganze Haus niedergebrannt und mehr oder weniger gleich groß wieder aufgebaut. Dann gibt es zum Abschied auch noch Rassismus-Vorwürfe von McCoy (Bild). Kellys weitere NFL-Laufbahn steht auf dem Spiel.

VERLIERER: Denver Broncos

Die Uhr tickt für die immer noch talentierten Broncos. Peyton Manning nähert sich der 40 und verliert mit Tight End Julius Thomas eine seiner wichtigsten Anspielstationen. Zwar verlängert Demaryius Thomas nach langem Hickhack, dafür sind die wichtigen Verteidiger Terrance Knighton und Rahim Moore weg.

Das Fenster schließt sich mit jeder Playoff-Enttäuschung weiter. Head Coach John Fox hat das sinkende Schiff bereits verlassen, ob es Gary Kubiak (Bild) ins Ziel steuert? Die Offseason hätte in jedem Fall besser laufen können.

VERLIERER: New Orleans Saints

Superstar Jimmy Graham wird für einen Center und einen Draftpick verscherbelt, ähnlich ergeht es Receiver Kenny Stills und Guard Ben Grubbs. C.J. Spiller soll die neue Allzweckwaffe werden. Drew Brees (Bild) hätte sich für seinen Quarterback-Herbst sicher andere Entscheidungen gewünscht.

Dann wird auch noch Linebacker Junior Galette ein Jahr nach einer 40-Millionen-Verlängerung gefeuert. Der große Gewinner könnte dabei der deutsche Linebacker Kasim Edebali werden und mehr Spielzeit bekommen. Die Saints als Team stecken aber in der grauen Zwischenwelt zwischen Kampf um die Playoffs und Neuaufbau.

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