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Jacoby Brissett von den New England Patriots wird gegen Miami gesackt
New Englands Rookie-Quarterback Jacoby Brissett (u.) winkt gegen Houston ein Platz als Starter © Getty Images
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Jacoby Brissett könnte für New England gegen Houston starten. Der Rookie besticht durch Ruhe, die Statistik aber spricht gegen ihn. Doch die Alternativen sind rar und abenteuerlich.

Wie schwer die Last als Ersatz von Tom Brady ist, weiß Jacoby Brissett nicht erst seit gestern. Nachdem der Quarterback im NFL-Draft an 91. Stelle von den New England Patriots ausgewählt wurde, bekam er sie schon im Training Camp täglich zu spüren.

Nach beinahe jeder Einheit musste der 23-Jährige die Ausrüstung von Superstar Brady vom Platz tragen, manchmal auch die von dessen Backup Jimmy Garoppolo.

Es war genau die Rolle, die für ihn in seinem ersten NFL-Jahr vorgesehen war: irgendwo im Hintergrund.

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Garoppolo verletzt - Brissett muss ran

Selbst als klar war, dass Brady die ersten vier Saisonspiele wegen seiner Deflategate-Sperre verpassen würde, schien das Scheinwerferlicht für Brissett in weiter Ferne - bis sich Garoppolo am Sonntag gegen die Miami Dolphins im zweiten Viertel verletzte.

Plötzlich waren Millionen Augenpaare auf Brissett gerichtet, den Rookie von NC State. Den ruhigen, jungen Mann, der auf dem College vor jedem Spiel Briefe an seine Teamkollegen schrieb - als Zeichen der Wertschätzung.

Plötzlich war er tatsächlich der Ersatz von Tom Brady. Plötzlich brach die tatsächliche Last über ihn herein.

"Dafür sorgen, dass du bereit bist"

Und Brissett? Der blieb cool.

"Wenn es Zeit ist, da rauszugehen, dann musst du dafür sorgen, dass du bereit bist", erklärte Brissett nach dem Spiel. Er war bereit.

Miami Dolphins v New England Patriots
Jacoby Brissett (l.) setzte in seinem NFL-Debüt auf viel Laufspiel und kurze Pässe © Getty Images

Der Ersatz vom Ersatz machte keine Experimente, spielte überwiegend kurze, sichere Pässe. Im Schnitt flogen seine Zuspiele laut ESPN ein Yard weit, kein einziges über fünf Yards. Aber: Brissett brachte sechs von neun Pässen an den Mann, seine Receiver veredelten sie zu insgesamt 92 Yards Raumgewinn. Vier Mal lief Brissett selbst für weitere zwölf Yards.

Und das Wichtigste: Er brachte den 31:24-Sieg gegen die Dolphins über die Zeit.

Als Starter gegen Texans

Gut möglich, dass sich Brissett im Thursday Night Game gegen die Houston Texans (ab 2.25 Uhr in den LIVESCORES) sogar von Beginn an beweisen darf. Brady ist noch für zwei Spiele gesperrt, Garoppolo fällt wegen seiner Schulterverletzung wohl aus.

Es wäre das erste Mal seit 354 Spielen, dass ein Rookie-Quarterback die Patriots aufs Feld führt. Aber es gäbe kaum kräftigere Schultern, um diese Bürde zu tragen.

1,93 Meter groß ist Brissett, 107 Kilogramm schwer - und nicht zuletzt deshalb schwer zu tacklen. Das hilft dabei, auf dem Feld die Ruhe zu bewahren.

"Als Jacoby am Sonntag reinkam, hat er das Spiel sehr gut unter Kontrolle gehabt", lobte Coach Bill O'Brien vom kommenden Gegner aus Houston. Vielleicht in dem Wissen, dass seine Chancen gegen Brissett dennoch höher sein dürften als gegen Brady oder den zuletzt brillanten Garoppolo.

Texans stark gegen Rookie-Quarterbacks

Sechs Mal starteten gegnerische Teams gegen seine Texans bisher mit einem Rookie-Quarterback, sechs Mal verließ O'Briens Team das Feld als Sieger. Im Schnitt gewann Houston dabei mit 14 Punkten Vorsprung, allein Star-Verteidiger J.J. Watt sammelte in diesen sechs Partien zehn Quarterback-Sacks.

Grund genug, auch mögliche Alternativen der Patriots unter die Lupe zu nehmen. Allein: Sie sind rar gesät.

Die NFL-erfahrenen Free Agents T.J. Yates und Sean Renfree trainierten diese Woche bereits bei New England, erhalten aber wohl keinen Vertrag.

Divisional Playoffs - Baltimore Ravens v New England Patriots
Legendär: Wide Receiver Julian Edelman (l.) wirft in den Playoffs der Saison 2014 einen 51-Yard-Touchdown-Pass gegen die Ravens © Getty Images

Und dann wäre da noch Julian Edelman: Der 1,78 Meter kleine Receiver der Patriots spielte bis zum College als Quarterback - und hatte in den Playoffs 2014 gegen Baltimore einen legendären Auftritt, als er einen 51-Yard-Touchdown-Pass auf Danny Amendola warf.

"Er redet immer noch über diesen Touchdown-Pass", erzählte Brady diese Woche bei Westwood One auf Edelman angesprochen.

Patriots hoffen noch auf Garoppolo

Insgeheim wird aber auch Trainerfuchs Bill Belichick hoffen, dass Garoppolo vielleicht doch noch fit wird. "Er ist ein harter Junge und er ist Italiener - also schreibt ihn nicht ab", sagte Mitspieler Amendola augenzwinkernd.

In Houston haben sie Garoppolo weiter auf dem Schirm. "Seine Auftritte gegen Arizona und Miami waren sehr beeindruckend. Der Junge ist ein wirklich guter Quarterback, intelligent, mit schnellem, genauen Wurf - und er kann laufen", sagte O'Brien über Garoppolo. Klingt etwas ehrfürchtiger als die Worte über dessen möglichen Ersatzmann.

Bei den Texans werden sie hoffen, dass Brissett am Donnerstagabend mehr als nur die Last von Garoppolos Ausrüstung tragen muss.

Und Brissett? Wird wie immer für alles bereit sein.

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